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Die Medienkonferenz mit Bundespräsident und Wirtschaftsminister Guy Parmelin sowie Gesundheitsminister Alain Berset vom 12. Mai 2021. (Video: Youtube/Der Eidgenössische Bundesrat)
Schweiz

Bundesrat will Restaurants und Wellness wieder öffnen

Geöffnete Innenräume von Restaurants, grössere Publikumsanlässe, Wellness und Uni vor Ort für alle: Diese und weitere Lockerungen schlägt der Bundesrat vor.

Die schrittweise Rückkehr zur Normalität hat sich bislang nicht negativ auf die Entwicklung der Epidemie ausgewirkt. Die Lage entspannt sich – sowohl bei den Fallzahlen, als auch bei den Hospitalisierungen und der Auslastung der Intensivstationen. Sogar die sonst so vorsichtige wissenschaftliche Taskforce des Bundes hielt in den vergangenen Tagen weitere Öffnungsschritte für möglich.

Auch der Bundesrat sieht «gute Chancen, dass sich die Situation in den Spitälern in den nächsten Wochen weiter entspannt». Deshalb hat er am Mittwoch die Konsultation zum vierten Öffnungsschritt gestartet. Voraussetzung für weitere Lockerungen sei, dass die Impfkampagne in hohem Tempo weitergeführt werden kann und die Fallzahlen sinken oder stabil bleiben.

Neue Perspektiven für Gourmets

Setzt sich der Trend der vergangenen Wochen fort, sollen nach Ansicht des Bundesrats ab Montag, 31. Mai, unter anderem Restaurants auch im Innern wieder öffnen können. «Dieser Teil des Öffnungsschritts ist aus epidemiologischer Sicht am heikelsten, weil sich viele Personen aus unterschiedlichen Haushalten ohne Maske in Innenräumen treffen», schreibt der Bundesrat. Auf der Terrasse wiederum soll die Maskenpflicht am Tisch aufgehoben werden.

Wiedereröffnet werden sollen auch Thermalbäder und Wellnesseinrichtungen. Die Aktivitäten dürfen gemäss Konsultationsentwurf ohne Maske ausgeübt werden, aber mit Abstand. Im Hinblick auf die Sommersaison soll für Badeanstalten die Möglichkeit geschaffen werden, für gewisse Teile des Aussenbereichs wie zum Beispiel die Liegewiesen Ausnahmen von der Maskenpflicht vorzusehen.

Gelockerte Homeoffice-Pflicht

An Hochschulen soll die Beschränkung auf maximal fünfzig Personen für Präsenzveranstaltungen aufgehoben werden. Voraussetzung ist laut dem Bundesrat ein Testkonzept im Rahmen der kantonalen Teststrategie und eine Genehmigung des Kantons.

Für Betriebe, die wiederholt testen, soll zudem die Homeoffice-Pflicht in eine Empfehlung umgewandelt werden. Sobald alle Personen geimpft sind, die dies möchten, soll die Homeoffice-Regel ohne Vorgaben gelockert werden.

Verboten bleiben sollen Publikumsveranstaltungen mit mehr als hundert Personen in Innenräumen und mehr als 300 Personen draussen. Nicht möglich sein sollen weiterhin Tanzveranstaltungen. Keine Änderungen geben soll es bei privaten Veranstaltungen. Da dort das Übertragungsrisiko höher sei, sollen sich laut dem Bundesrat im Innern maximal zehn Personen treffen, draussen maximal 15 Personen.

Weitere Öffnungen vor den Sommerferien

Lockern will der Bundesrat auch die Quarantäneregeln. Neben Genesenen sollen auch Geimpfte sowohl von der Kontaktquarantäne als auch von der Reisequarantäne ausgenommen werden. Der Bund rät im Hinblick auf die Sommerferien jedoch davon ab, in Staaten oder Gebiete mit neuartigen Virusmutationen zu reisen.

Die neuen Lockerungen entsprechen den Plänen, die der Bundesrat bereits beim letzten Öffnungsschritt skizziert hatte. Nun können sich die Kantone, die zuständigen Parlamentskommissionen und die Sozialpartner dazu äussern. Es ist davon auszugehen, dass die Bundesratspläne das Minimum sind, was die verschiedenen Akteure fordern werden. Insbesondere die Wirtschaft fordert seit längerem raschere und grössere Öffnungsschritte.

Der Bundesrat hält fest, dass in den kommenden Wochen und Monaten weitere Öffnungsschritte geplant seien. Am 26. Mai werde er definitive Entscheide zu den Grossveranstaltungen mit über tausend Personen fällen. Die Konsultation zum übernächsten Öffnungsschritt will die Regierung voraussichtlich am 11. Juni starten und dann am 18. Juni darüber entscheiden.

Restrisiko bleibt

Was die mittelfristige Zukunft betrifft, hat der Bundesrat seine Mitte April skizzierte Strategie bestätigt. Das sogenannte Drei-Phasen-Modell soll zur Anwendung kommen. Ende Mai, wenn alle impfbereiten Risikopersonen geimpft sind, soll von der Schutzphase in die Stabilisierungsphase gewechselt werden. Später, wenn alle erwachsenen impfwilligen Personen geimpft sind, sollen die Massnahmen zum Schutz gegen Covid-19 weitgehend aufgehoben werden.

Ein Grossteil der Kantone ist sich bewusst, dass mit dem Modell auch Risiken verbunden sind – etwa, dass Personen, die sich nicht impfen lassen können, längerfristig einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind. Der Bundesrat warnt ebenfalls: «Auch nach der Impfung aller impfbereiten Personen wird das Virus weiter zirkulieren.»

Damit es auch im Spätherbst/Winter nicht zu einer weiteren grossen Infektionswelle kommt, will sich der Bundesrat nach eigenen Angaben im Sommer «mit den nötigen Vorbereitungsarbeiten» befassen.

Berset sorgt für Lacher

Weshalb muss der Wirt eine fünft Person wegschicken, wenn schon vier Personen am Jassen sind, fragte ein Journalist Bundesrat Alain Berset. Darauf antwortete der Gesundheitsminister: «Ja, weil normalerweise jasst man zu viert!»

(Video: Keystone SDA)

Berset stellt Rückgabe der Freiheiten in Aussicht

Gesundheitsminister Alain Berset hat in der Coronavirus-Pandemie die Rückkehr der Freiheit für die Bürgerinnen und Bürger in Aussicht gestellt, sobald alle Menschen, die dies wollten, geimpft seien. Ab dann seien Schliessungen und grosse Einschränkungen nicht mehr zu rechtfertigen.

Bis zur dritten Phase der Öffnungen sollen demnach die grossen Einschränken wegfallen. Berset erklärte allerdings, er könne sich «gut vorstellen», dass persönliche Massnahmen zur Handhygiene, die Distanzregeln und das Maskentragen im öffentlichen Verkehr «noch einen Moment» beibehalten würden. Es werde weiterhin Menschen geben, die sich nicht impfen lassen wollen oder können, sagte Berset.

Hoffnung für Sportler

Der Bundesrat ebnet dem Mannschaftssport im Amateurbereich den Weg zurück zu einem geregelten Spielbetrieb. Ab dem 31. Mai verdoppelt er für Sportarten im Aussenbereich die maximale Anzahl Personen von 15 auf 30. Bei Team-Sportarten nationaler und regionaler Ligen erlaubt der Bund sogar eine Gruppengrösse von 50 Personen, um auch Amateur-Fussballspiele wieder durchführen zu können.

Auch soll ein grösseres Publikum an Wettkämpfen zugelassen werden. In Innenräumen plant der Bundesrat eine Verdopplung von 50 auf 100 Fans, unter freiem Himmel von 100 auf 300. Für Sport in Innenräumen gilt weiterhin: wenn ohne Maske, dann höchstens 15 Personen im gleichen Raum.

Bei öffentlichen Veranstaltungen soll die maximale Anzahl Personen nach den Plänen des Bundesrats erhöht werden. Neu sollen maximal dreissig statt 15 Personen gemeinsam auf der Bühne stehen oder Sport treiben können. Für Sport in Innenräumen gilt weiterhin: wenn ohne Maske, dann höchstens 15 Personen im gleichen Raum.

Mehr Tempo

Die ersten Reaktionen auf die weiteren Öffnungspläne fielen überwiegend positiv aus. Allerdings geht es gewissen Parteien und Verbänden nicht schnell genug.

Der Verband Gastrosuisse etwa äusserte sich erleichtert, auch wenn er sich mehr Betrieb schon für Pfingsten gewünscht hätte. Er appellierte an Gastgeber und Gäste, die Schutzkonzepte konsequent umzusetzen und sich etwa an die Hygieneregeln zu halten. Eine grosse Übersicht der Reaktionen aus Politik und Wirtschaft finden Sie hier.

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