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International

Angriffe gehen weiter – UN-Sicherheitsrat tagt heute

Die Eskalation der Gewalt zwischen Israel und den Palästinensern ist die heftigste seit Jahren. Alle Neuigkeiten dazu gibt es hier im Ticker.
UN-Generalsekretär zum Sicherheitsrat: Gewalt in Nahost muss enden

UN-Generalsekretär António Guterres hat mit eindringlichen Worten ein Ende der zusehends eskalierenden Gewalt in Nahost gefordert. «Dieser sinnlose Kreislauf aus Blutvergiessen, Terror und Zerstörung muss sofort aufhören», sagte Guterres am Sonntag zu Beginn der dritten Sitzung des UN-Sicherheitsrats binnen einer Woche.

«Ich bin entsetzt über die immer grössere Zahl palästinensischer Zivilisten, darunter viele Frauen und Kinder, die durch israelische Luftangriffe in Gaza getötet wurden. Ich bedaure auch die Todesfälle Israels durch Raketen, die aus dem Gazastreifen abgefeuert wurden», so der UN-Chef weiter.

Ägypten öffnet Grenzübergang nach Gaza einen Tag eher als geplant

Ägypten hat seinen Grenzübergang Rafah zum Gazastreifen wegen des dortigen Konflikts einen Tag eher für den Personenverkehr geöffnet als geplant. Durch die einseitige Öffnung am Sonntag können gestrandete Palästinenser und Verletzte nach Ägypten einreisen, teilte ein Sprecher der palästinensischen Botschaft in Ägypten mit. Der Übergang war seit Donnerstag wegen der muslimischen Feiertage zum Abschluss des Fastenmonats Ramadan geschlossen und sollte eigentlich erst am Montag wieder öffnen. Wegen des Feiertags war dort am Sonntag nur die Hälfte der üblichen Zahl an Mitarbeiter im Einsatz.

 

Ägypten öffnet den Grenzübergang zum Gazastreifen früher, um gestrandete und verletzte Palästinenser ins Land einreisen zu lassen. (Symbolbild: Keystone)

Berichten zufolge unternahmen ägyptische Behörden den «aussergewöhnlichen» Schritt, um verletzte Palästinenser zur Behandlung in ägyptische Krankenhäuser zu lassen. Dabei war von einer «Geste der Solidarität» mit den Palästinensern die Rede. Bisher seien aber keine Verletzten der israelischen Bombardements im Gazastreifen eingetroffen, hiess es aus der palästinensischen Botschaft. Es seien auch keine ägyptischen Krankenwagen nach Gaza gefahren, um Verletzte aufzunehmen.

Papst Franziskus: Waffen im Nahen Osten müssen schweigen

Papst Franziskus hat zum zweiten Mal in Folge bei seinem Sonntagsgebet das Schweigen der Waffen im Nahen Osten gefordert. Israelis und Palästinenser müssten «gemeinsam an den Tisch der Verhandlungen» zurückkehren, sagte das katholische Kirchenoberhaupt bei seiner Ansprache am Fenster des Apostolischen Palastes. «Hass und Vergeltung können nicht das Ziel sein.» Der Papst forderte am Sonntag auch die internationale Gemeinschaft auf, Friedensbemühungen zu unterstützen.

«Ich habe eine grosse Befürchtung, was sich da im Heiligen Land zusammenbraut», sagte der 84-jährige Argentinier vor Pilgern, die ihm auf dem Petersplatz zuhörten. Die Konfliktparteien im Nahen Osten «riskieren das Fortschreiten einer künftigen staatlichen Lösung», sagte der Papst.

Verband erhebt Vorwürfe nach Luftangriff auf Medienbüros in Gaza

Der Journalistenverband Foreign Press Association (FPA) in Israel und den Palästinensergebieten erhebt nach der Zerstörung eines Hochhauses mit Medienbüros im Gazastreifen schwere Vorwürfe gegen Israel. Die Entscheidung, das Gebäude zu zerstören, werfe die Frage auf, ob Israel bereit sei, die Pressefreiheit zu beeinträchtigen. «Wir stellen fest, dass Israel keine Beweise vorgelegt hat, um seine Behauptung zu untermauern, dass das Gebäude von der Hamas genutzt wurde», hiess es in einem Schreiben des Verbands von Sonntag. Man habe wegen des Vorfalls um ein Treffen mit israelischen Beamten gebeten. Die FPA hat nach eigenen Angaben 480 Mitglieder, die für internationale Medien arbeiten.

Bei dem Angriff der israelischen Luftwaffe auf das Gebäude wurden am Samstag unter anderem Büros der amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press (AP) und des katarischen TV-Senders Al-Dschasira (Al-Jazeera) zerstört. Berichten zufolge waren die Bewohner zuvor gewarnt worden. Die AP reagierte entsetzt. Die israelische Armee begründete den Angriff unter anderem damit, dass auch der Militärgeheimdienst der islamistischen Hamas das Gebäude genutzt habe.

SIG: Keine Hinweise auf Vorfälle gegen jüdische Einrichtungen

Der Schweizerisch Israelitische Gemeindebund (SIG) geht zur Zeit trotz des Krieges zwischen Israel und der palästinensischen Hamas nicht von einer «weiteren Erhöhung der Gefährdungslage» aus. Auch Hinweise auf «irgendwelche Vorfälle» gebe es in der Schweiz bisher keine.

Es sei sicher so, dass die Beteiligten in Krisenzeiten noch aufmerksamer seien als sonst, sagte SIG-Generalsekretär Jonathan Kreutner am Sonntag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Aber die Sicherheitsmassnahmen seien bereits vor längerer Zeit verstärkt worden. Und die Schabbat-Gottesdienste fänden generell unter erhöhter Sicherheit statt.

Sicherheitsalarm in Basel ausgelöst

So sei auch ein Zwischenfall am Samstag bei der Grossen Synagoge in Basel zu erklären, bei dem die Gemeinde-Security nach Angaben des jüdischen Wochenmagazins «Tachles» «verdächtige Gestalten ausgemacht» und in der Folge die Polizei alarmiert hatte. Demnach durften die rund 40 Gottesdienstbesucher das Areal während 15 Minuten nicht verlassen.

Die Basler Stadtpolizei bestätigte auf Anfrage, dass sie danach zwei Personen kontrolliert habe. Doch daraus hätten sich «keine polizeilichen Weiterungen» ergeben und die beiden seien vor Ort aus der Kontrolle entlassen worden.

Leider seien solche «Routinemassnahmen und -kontrollen» seit einigen Jahren Realität bei jüdischen Einrichtungen in der Schweiz, sagte Kreutner weiter. Auch in Basel sei man zur Zeit sicher «noch etwas aufmerksamer».

Bei der Stadtpolizei hiess es, dass sie in Zusammenhang mit dem Projekt Jüdische Sicherheit Basel in regelmässigem Austausch mit der Israelitischen Gemeinde Basel und den jüdischen Institutionen stehe. Dabei werde auch die aktuelle Lagebeurteilung berücksichtigt.

Gaza-Konflikt: Sondersitzung der EU-Aussenminister am Dienstag

Angesichts eines eskalierenden Konflikts zwischen Israel und militanten Palästinenser im Gazastreifen treffen sich die Aussenminister der EU-Länder am Dienstag zu einer ausserordentlichen Videokonferenz. Das teilte der EU-Aussenbeauftragte Josep Borrell am Sonntag auf Twitter mit. Borrell verwies in diesem Zusammenhang auch auf eine inakzeptable Zahl ziviler Opfer. Man werde sich abstimmten, wie die EU am besten dazu beitragen könnte, dass die Gewalt ein Ende nehme, so der EU-Chefdiplomat.

Der Konflikt hat sich sei vergangenem Montag deutlich zugespitzt. Militante Palästinenser feuerten nach Armeeangaben rund 2900 Raketen auf Israel ab. Israels Armee unternahm demnach mindestens 650 Angriffe in dem dicht besiedelten Küstengebiet.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza wurden dort bislang 174 Menschen getötet und 1200 verletzt. Wie der Rettungsdienst Magen David Adom mitteilte, kamen in Israel durch den Raketenbeschuss der vergangenen Tage zehn Menschen ums Leben, Hunderte wurden verletzt.

Angriff Israels auf Haus von Hamas-Chef Al-Sinwar

Nach massiven Raketenangriffen aus dem Gazastreifen hat Israels Luftwaffe dort nach Medienberichten das Haus des Hamas-Chefs Jihia al-Sinwar beschossen. In dem Gebäude in Chan Junis im Süden des Küstengebiets habe sich auch das Büro des Hamas-Chefs befunden, berichteten israelische Medien am Sonntagmorgen. Auch das Haus von Al-Sinwars Bruder Mohammed, ebenfalls ein ranghohes Mitglied der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Hamas, sei angegriffen worden.

Mehr als 150 Ziele seien in der Nacht in dem Palästinensergebiet angegriffen worden, berichtete die «Jerusalem Post». Ein israelischer Armeesprecher sagte, man prüfe die Berichte.

UN-Sicherheitsrat trifft sich erneut

Der Uno-Sicherheitsrat trifft sich heute Sonntag zu einer Sitzung über die eskalierende Gewalt im Nahen Osten. Auf Wunsch der USA war die ursprünglich für Freitag geplante Sitzung auf Sonntag verschoben worden. Als Begründung hiess es, dass die diplomatischen Bemühungen andauerten und die geplante offene Sitzung diese Anstrengungen hätte untergraben können. Der Sicherheitsrat hatte sich diese Woche bereits zwei Mal wegen der Eskalation zwischen Israelis und Palästinensern getroffen. Die USA – der wichtigste Verbündete Israels – hatte eine gemeinsame Stellungnahme des Gremiums bislang verhindert.

UN-Generalsekretär bestürzt über Eskalation

UN-Generalsekretär António Guterres ist bestürzt über die Eskalation im Gaza-Konflikt und ruft die Konfliktparteien zur Besonnenheit auf. Sein Sprecher Stephane Dujarric teilte am Samstag in New York mit, Guterres sei «zutiefst beunruhigt über die Zerstörung eines Hochhauses in Gaza-Stadt durch einen israelischen Luftangriff, in dem sich die Büros mehrerer internationaler Medienorganisationen sowie Wohnungen befanden». Er sei bestürzt über die steigende Zahl von zivilen Opfern, einschliesslich des Todes von zehn Mitgliedern einer Familie, darunter Kinder, nach einem israelischen Luftangriff auf das Flüchtlingslager Schati im Westen von Gaza.

(Foto: Key)
Hamas feuert weitere Raketen ab

Die Palästinenserorganisation Hamas hat in der Nacht zu Sonntag nach Angaben des israelischen Militärs weitere Raketen auf Israel abgefeuert. Ein «schwerer Hagel von Raketen» sei vom Gazastreifen aus auf die Mitte und den Süden Israels abgeschossen worden, twitterte die Armee am frühen Sonntagmorgen. Männer, Frauen, Kinder und ältere Menschen befänden sich in Bunkern. Zuvor hatte ein Sprecher des militärischen Hamas-Arms gedroht, von Mitternacht an erneut Raketen auf Tel Aviv zu feuern.

Iran verspricht Hamas Unterstützung im Kampf gegen Israel

Der Iran hat der palästinensischen Hamas im Gaza-Konflikt seinen Rückhalt im Kampf gegen Israel versprochen. In einem Telefonat mit dem Hamas-Chef Ismail Hanija sicherte der Kommandeur der Al-Kuds Brigade der iranischen Revolutionsgarden, General Ismaeil Ghani, am Samstag uneingeschränkte Unterstützung zu, wie iranische Staatsmedien berichteten. Hanija bedankte sich seinerseits für die Unterstützung des Irans und sagte laut Nachrichtensender Al-Alam, dass der Kampf gegen Israel nicht einer der Hamas, sondern der gesamten islamischen Welt sei.

Die islamistische Hamas ist unter anderem von der EU als Terrororganisation eingestuft und herrscht im Gazastreifen. Militante Palästinenser beschiessen Israel von dort aus seit Tagen mit Raketen. Die israelische Armee reagiert insbesondere mit Luftangriffen auf Ziele der Hamas in Gaza.

Zuvor hatte der iranische Aussenminister kurzfristig einen für Samstag geplanten Besuch in Österreich abgesagt, nachdem die Regierung in Wien die israelische Flagge auf ihren Gebäuden gehisst hatte. Hauptthema des Treffens wären die in Wien laufenden Verhandlungen zur Erneuerung der Atomvereinbarung mit dem Iran von 2015 gewesen.

Iran betrachtet Israel als seinen Erzfeind und unterstützt anti-israelische Widerstandsgruppen, darunter auch die Hamas und Islamischer Dschihad im Gazastreifen sowie die Hisbollah-Miliz in Südlibanon. Die gesamte iranische Führung hatte diese Woche «die brutalen und grausamen Verbrechen» Israels an den Palästinensern aufs Schärfste verurteilt.

Dennoch hält sich der Iran in dem jüngsten Konflikt eher zurück. Ein Grund sind laut Beobachtern die Atomverhandlungen, die Teheran nicht gefährden wolle. Dort geht es vor allem um die Aufhebung der US-Sanktionen, die den Iran in den letzten zwei Jahren in eine Wirtschaftskrise gestürzt haben.

Israels Militär droht Hamas-Führungsriege mit gezielter Tötung

Israels Militär hat der Führungsriege der im Gazastreifen herrschenden Palästinenserorganisation Hamas mit gezielter Tötung gedroht. Armeesprecher Hidai Zilberman sagte dem israelischen Fernsehen am Samstagabend, man werde in der Nacht weiter wichtige Einrichtungen der Hamas und des Islamischen Dschihads überall im Gazastreifen angreifen. Dies gelte auch für die höchste Führungsriege der Hamas.

Ein Sprecher des militärischen Hamas-Arms drohte, seine Organisation werde von Mitternacht an erneut Raketen auf Tel Aviv feuern.

(Bild: Keystone)

Bei einem massiven Angriff auf ein breites Tunnelsystem der Hamas hatte Israels Luftwaffe nach eigenen Angaben in der Nacht zum Freitag rund 500 Tonnen Munition eingesetzt. Nach Einschätzung der israelischen Armee könnten bei dem Angriff auf das unterirdische sogenannte Metro-System zahlreiche Hamas-Kämpfer getroffen worden sein.

«Jeder Terrorist in Gaza weiss heute, dass er sich nirgends verstecken kann, nicht über der Erde – und nach dem Angriff auf die Metro – auch nicht unter der Erde», sagte Zilberman.

«Wir wollen viele Erfolge anhäufen», sagte der Armeesprecher zu den Zielen der Operation. Die Bilanz der Angriffe werde bestimmen, «wie lange danach Ruhe herrscht, ob die Hamas danach fünfmal, 50 Mal oder 500 Mal nachdenkt, bevor sie Raketen in Richtung Jerusalem schiesst».

EU-Chefdiplomat ruft zur Achtung des Völkerrechts auf

Nach tagelangen Vermittlungsversuchen im eskalierten Nahostkonflikt hat EU-Chefdiplomat Josep Borrell dazu aufgerufen, das Völkerrecht zu respektieren. Es müsse vollen humanitären Zugang zum Gazastreifen geben, teilte der Hohe Vertreter der EU am Samstagabend nach zahlreichen Gesprächen mit Vertretern der Konfliktparteien unter anderem mit. Gleichzeitig verurteilte er die islamistische Hamas und andere Gruppen, die mit Raketen zivile Ziele in Israel angriffen. Israel habe das Recht, seine Bevölkerung vor diesen Angriffen zu schützen, müsse aber angemessen handeln und zivile Opfer vermeiden.

Borrell betonte, dass die zugrundeliegenden Ursachen, die zu der aktuellen Situation geführt hätten, angegangen werden müssten. Der Status Quo der Heiligen Stätten müsse gewahrt werden. Die Siedlungsaktivitäten Israels, Abrisse und Räumungen auch in Ostjerusalem sollten enden. Der Tempelberg mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee ist sowohl die drittheiligste Stätte im Islam als auch im Judentum von grösster Bedeutung, weil dort früher zwei jüdische Tempel standen, von denen der letzte im Jahr 70 von den Römern zerstört wurde. Die Lage im arabisch geprägten Ostteil Jerusalems ist seit Beginn des Fastenmonats Ramadan angespannt.

Netanjahu und Biden sprechen über Gaza-Konflikt

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat nach eigenen Angaben mit US-Präsident Joe Biden über den Gaza-Konflikt gesprochen. Er habe Biden am Telefon über Entwicklungen und Massnahmen informiert, die Israel ergriffen habe und noch ergreifen wolle, teilte der israelische Regierungschef am Samstag auf Twitter mit. Er dankte dem amerikanischen Präsidenten zudem für die «bedingungslose Unterstützung» der USA, wenn es um Israels Recht auf Selbstverteidigung gehe. Das Gespräch zwischen Netanjahu und Biden war das zweite offizielle seit Beginn des Konflikts.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat nach eigenen Angaben mit US-Präsident Joe Biden (im Bild) über den Gaza-Konflikt gesprochen. (Bild: Keystone)
Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern im Überblick

Seit Gründung des Staates Israel kommt es immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen mit den Nachbarn. Der erste Nahostkrieg war für Israel ein Unabhängigkeitskrieg – für die Palästinenser hingegen der Beginn der «Nakba» (Katastrophe), ihrer Flucht und Vertreibung. Zur Übersicht von 1947 bis heute.

Israels Luftwaffe greift Haus eines Hamas-Führers in Gaza an

Israels Luftwaffe hat nach eigenen Angaben das Haus eines ranghohen Führers der im Gazastreifen herrschenden Palästinenserorganisation Hamas bombardiert. Man habe das Haus von Chalil al-Haja angegriffen, Vize-Chef des Hamas-Politbüros, teilte die israelische Armee am Samstag bei Twitter mit. Das Haus habe als Terror-Infrastruktur gedient. Die Armee veröffentlichte ein Video des Angriffs. Nach palästinensischen Angaben hielt Al-Haja sich aber zur Zeit des Angriffs nicht in dem Haus auf. Militante Palästinenser im Gazastreifen hatten zuvor am Samstag die Küstenmetropole Tel Aviv drei Mal mit Raketen angegriffen. Dabei wurde einem Tel Aviver Vorort ein Mensch getötet. Es waren die bisher intensivsten Angriffe auf den Grossraum Tel Aviv.

Ausschreitungen bei pro-palästinensischer Demonstration in Berlin

Bei einer pro-palästinensischen Demonstration in Berlin mit nach Polizeiangaben rund 3500 Teilnehmern ist es am Samstag zu massiven Ausschreitungen gekommen. Aus den Reihen der Demonstranten, die sich angesichts der Gewalteskalation im Nahen Osten zu dem Protest versammelt hatten, wurden Steine und Flaschen auf die Polizei geschleudert, auch Feuerwerkskörper flogen gegen die Sicherheitskräfte.

Demonstranten schlugen auf Polizisten ein. Die Polizei setzte Pfefferspray ein. Ob Demonstrationsteilnehmer festgenommen wurde, konnte ein Polizeisprecher zunächst nicht bestätigen. Die Polizei hatte den Protest wegen des Verstosses gegen die Corona-Hygieneregeln für aufgelöst erklärt. Da sich Demonstrationsteilnehmer nicht an die Anordnung hielten, schritten die Beamten auf der Sonnenallee in Neukölln gegen sie ein.  Zuvor war eine andere Demonstration mit rund 120 Teilnehmern vom Hermannplatz zum Rathaus Neukölln friedlich verlaufen. Insgesamt waren 360 Polizisten im Einsatz.

Proteste auch im Irak in Solidarität mit Palästinensern

In der irakischen Hauptstadt Bagdad und in anderen Teilen des Landes haben Tausende Menschen in Solidarität mit den Palästinensern demonstriert. Die Proteste begannen der Staatsagentur INA zufolge am Samstag nach einem Aufruf des einflussreichen schiitischen Geistlichen Muktada al-Sadr, der auch für seine Rhetorik gegen die USA bekannt ist.

In Bagdad versammelten sich die Demonstranten am zentralen Tahrir-Platz mit irakischen und palästinensischen Flaggen. Einige skandierten Augenzeugen zufolge Parolen gegen Israel, andere verbrannten Flaggen Israels und der USA. Irakische Sicherheitskräfte waren verstärkt im Einsatz, mehrere Strassen wurden gesperrt.

Die Proteste im Irak folgen auf pro-palästinensische Demonstrationen unter anderem in Jordanien und dem Libanon, die an Israel grenzen.

Viele Menschen trotz Verbots bei pro-palästinensischer Demo in Paris

Trotz Verbots haben sich in Paris zahlreiche Menschen zu einer pro-palästinensischen Demonstration versammelt. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein, um zu versuchen, die ersten Gruppen von Demonstranten zu zerstreuen, wie der Sender Franceinfo am Samstagnachmittag berichtete. Rund 4200 Polizisten waren in der französischen Hauptstadt demnach im Einsatz. Zunächst war von Hunderten Demonstranten die Rede. Die Menschen demonstrierten vor allem im 18. Arrondissement von Paris – dort hatte die Polizei zuvor Ladeninhaber angewiesen, ihre Geschäfte zu schliessen.

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Solidaritätskundgebungen für Palästina in Basel und Genf

In Basel haben am Samstagnachmittag rund 200 Personen an einer unbewilligten Palästina-Demonstration teilgenommen und gegen die Luftangriffe der israelischen Armee auf Gaza demonstriert. In Genf gingen rund 300 Menschen auf die Strasse.

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Israels Luftwaffe zerstört Hochhaus mit Medienbüros in Gaza

Israels Luftwaffe hat am Samstag nach Medienberichten ein 14-stöckiges Hochhaus im Gazastreifen zerstört, in dem Medienunternehmen wie Associated Press ihre Büros hatten. Berichten zufolge wurden die Bewohner zuvor aufgefordert, das Gebäude zu verlassen. Es ist das fünfte Hochhaus, das Israels Armee seit Beginn der jüngsten Eskalation am Montag zum Einsturz bringt. Den Angaben zufolge hatte auch der katarische TV-Sender Al-Dschasira ein Büro in dem zuletzt zerstörten Gebäude.

Die israelische Armee teilte bei Twitter mit, Kampfjets hätten ein Hochhaus angegriffen, in dem der Militärgeheimdienst der islamistischen Hamas über «militärische Ressourcen» verfügt habe. «In dem Gebäude liegen Büros ziviler Medien, hinter denen die Terrororganisation Hamas sich versteckt und die es als menschliche Schutzschilde missbraucht.» Die Hamas positioniere ihre militärischen Mittel absichtlich im Herzen dicht besiedelter Wohngebiete im Gazastreifen.

Ein Sprecher des militärischen Hamas-Arms sagte nach der Zerstörung des Gebäudes, Tel Aviv solle sich auf eine «Antwort vorbereiten, die die Erde erschüttern lässt».

Militante Palästinenser hatten die Küstenmetropole zuvor am Samstag bereits drei Mal mit Raketen angegriffen. Dabei wurde in dem Tel Aviver Vorort ein Mensch getötet, es gab beträchtlichen Sachschaden. Es waren die bisher intensivsten Angriffe auf den Grossraum Tel Aviv.

Die israelische Armee hat im Gazastreifen ein 14-stöckiges Hochhaus zerstört, in dem Medien wie Associated Press ihre Büros hatten. (Bild: Keystone)
Luftwaffenoffizier: 500 Tonnen Bomben auf Hamas-Tunnelsystem geworfen

Bei einem massiven Angriff auf ein breites Tunnelsystem der im Gazastreifen herrschenden Hamas hat Israels Luftwaffe nach eigenen Angaben rund 500 Tonnen Munition eingesetzt. An dem Angriff auf das sogenannte Metro-System in der Nacht zum Freitag seien 160 Flugzeuge des Typs F-16 und F-35 beteiligt gewesen, sagte ein ranghoher Offizier der israelischen Luftwaffe am Samstag. Es sei noch unklar, ob und wie viele Hamas-Kämpfer dabei getötet worden seien. «Potenziell sind es aber Hunderte», sagte er.

Ausländische Medien hatten der israelischen Armee vorgeworfen, sie mit einem Tweet kurz vor dem Angriff absichtlich manipuliert zu haben. «Luft- und Bodentruppen greifen gegenwärtig im Gazastreifen an», hiess es darin in der Nacht zum Freitag, als mit einer Bodenoffensive Israels gerechnet wurde. Dies hatte nach Medienberichten zahlreiche Hamas-Kämpfer dazu bewegt, in das unterirdische Metro-System abzutauchen. Nachdem sie so in die Falle gegangen seien, habe Israels Luftwaffe das Tunnelnetz rund 40 Minuten lang bombardiert. Die Armee dementierte eine gezielte Manipulation der ausländischen Medien und sprach von einem Kommunikationsfehler. Es befinde sich kein israelischer Soldat im Gazastreifen.

Hamas hat nach Angaben des Luftwaffenoffiziers seit Montag mehr als 2’300 Raketen auf Israel abgefeuert. Die Angriffe aus dem Gazastreifen auf Israel seien so intensiv wie nie zuvor. Etwa 20 Prozent der abgefeuerten Raketen schlugen noch in dem Palästinensergebiet selbst ein. Dabei seien auch Kinder getötet worden.

Wieder Raketenalarm in Tel Aviv

In der israelischen Küstenmetropole Tel Aviv ist am Samstag zum zweiten Mal Raketenalarm ausgelöst worden. Es waren heulende Warnsirenen und Explosionen im Süden der Stadt zu hören. Dies war die siebte Angriffswelle seit Dienstagabend. Die Küstenmetropole – Israels Wirtschaftszentrum – war in der Nacht zum Mittwoch so heftig mit Raketen beschossen wie nie zuvor.

Neue Ausschreitungen in arabisch geprägten Orten in Israel

Neben dem Konflikt Israels mit militanten Palästinensern kommt es auch in israelischen Ortschaften mit arabischen Einwohnern immer wieder zu Ausschreitungen. Trotz einer Ausgangssperre in der Stadt Lod begannen am Freitagabend wieder Konfrontationen arabischer Israelis mit Sicherheitskräften, wie die Polizei in der Nacht zum Samstag mitteilte. Die Polizei sei dabei mit zwei Brandflaschen beworfen worden und habe daraufhin den Tatverdächtigen mit Schüssen am Bein verletzt und festgenommen.

Das israelische Fernsehen stufte den ersten Einsatz eines Gewehrs des Typs Ruger seit Beginn der Unruhen im israelischen Kernland als Zeichen einer weiteren Eskalation ein. Das Gewehr gelte sonst als «extremes Mittel zur Auflösung von Ausschreitungen» in den Palästinensergebieten. Zuvor war der Polizei vorgeworfen worden, sie gehe nicht entschlossen genug gegen gewaltsame Randale arabischer Einwohner Israels vor.

In den vergangenen Tagen kam es auch zu Angriffen jüdischer Israelis auf Araber. In den Medien ist die Rede von Anarchie, es mehren sich die Warnungen vor einem Bürgerkrieg. Im Jaffa, einem arabisch geprägten Viertel von Tel Aviv, warfen mutmasslich jüdische Täter zwei Brandflaschen in ein arabisches Wohnhaus. Dabei wurde nach Medienberichten ein Zwölfjähriger im Gesicht verletzt.

USA starten offiziellen Vermittlungsversuch im Gaza-Konflikt

Die USA bemühen sich intensiv um Deeskalation im Gaza-Konflikt. Wie die US-Botschaft in Israel am Freitagabend mitteilte, landete der Spitzendiplomat Hady Amr auf dem Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv. US-Aussenminister Antony Blinken hatte ihn gebeten, sich mit Vertretern beider Seiten zu treffen.

USA wollen vermitteln: US-Aussenminister Antony Blinken hat einen Spitzendiplomaten nach Israel geschickt. (Bild: Keystone)
Militante Palästinenser schiessen Raketen

Militante Palästinenser im Gazastreifen haben auch am Samstag ihre Raketenangriffe auf israelische Städte fortgesetzt. In der Wüstenstadt Beerscheva im Süden Israels sowie in Grenzorten zum Gazastreifen heulten am Morgen die Warnsirenen, wie das israelische Militär mitteilte. Die israelische Armee griff den Angaben zufolge weiter Ziele in dem Palästinensergebiet an. Die Luftwaffe habe mehrere Raketenabschussrampen und zwei Kampfeinheiten der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Hamas beschossen, hiess es in der Mitteilung.

Die amtliche palästinensische Nachrichtenagentur Wafa teilte am Samstag mit, in dem Flüchtlingslager Schati im Westen von Gaza sei ein Haus getroffen worden. Es seien dabei mindestens sieben Mitglieder einer palästinensischen Familie getötet worden, darunter auch Kinder. Auch in Beit Lahia im Norden des Küstenstreifens sowie an anderen Orten seien Zivilisten getötet worden. Eine israelische Armeesprecherin sagte, man prüfe die Berichte. Nach Angaben von Wafa wurden seit der Eskalation der Gewalt am Montag 136 Palästinenser im Gazastreifen getötet.

In der Stadt Al-Riheieh im Westjordanland beerdigen Palästinenser einen 25-jährigen Mann, der bei der jüngsten Gewalteskalation ums Leben kam. (Bild: Keystone)
Israels Militär: Mehr als 2'000 Raketen aus Gazastreifen abgefeuert

Militante Palästinenser im Gazastreifen haben nach Angaben des israelischen Militärs seit Montagabend mehr als 2’000 Raketen auf Israel abgefeuert. Das Abfangsystem Eisenkuppel («Iron Dome») fing davon nahezu 1’000 ab, wie die Armee am Freitagabend mitteilte.

Militante Palästinenser im Gazastreifen haben nach Angaben des israelischen Militärs seit Montagabend mehr als 2’000 Raketen auf Israel abgefeuert. (Bild: Keystone)

Das System erkennt mittels eines Radargeräts anfliegende Geschosse und startet eine Abfangrakete, um das feindliche Geschoss möglichst vor dem Einschlag noch in der Luft zu zerstören. Nach Medienberichten hat das israelische Militär strikte Order, Abfangraketen nur zu starten, wenn bei einem Angriff bewohnte Gebiete bedroht sind. Der Einsatz einer Abfangrakete kostet nach Medienberichten umgerechnet rund 66’000 Euro.

Israels Armee reagiert auf den Beschuss seit Montag mit Angriffen auf Ziele im Gazastreifen, vor allem durch die Luftwaffe. Israel macht die im Gazastreifen herrschende, islamistische Hamas für alle Angriffe aus dem Gazastreifen verantwortlich. Die Palästinensergruppe wird von Israel und der EU als Terrororganisation eingestuft.

Netanjahu: Hamas mit Angriff auf Tunnelsystem «hart geschlagen»

Israel Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat sich zufrieden mit den jüngsten Angriffe der Armee auf ein Tunnelsystem der Palästinenserorganisation Hamas gezeigt. «Ich habe gesagt, wir würden die Hamas und die anderen Terrororganisationen sehr hart schlagen. Und genau das tun wir», sagte Netanjahu am Freitag nach einer Mitteilung seines Büros. Die Hamas habe gedacht, sie könnte sich in dem Tunnelsystem verstecken. Dies sei aber nicht gelungen. Nach Angaben des israelischen Militärs wurden bei dem Angriff in der Nacht zu Freitag «viele Kilometer» des Tunnelsystems beschädigt.

Israel Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat sich zufrieden mit den jüngsten Angriffe der Armee auf ein Tunnelsystem der Palästinenserorganisation Hamas gezeigt. (Bild: Keystone)
Protest im Libanon an Grenze zu Israel – Mann stirbt nach Panzerfeuer

Ein Demonstrant hat im Südlibanon die Grenze nach Israel überquert und ist durch Panzerfeuer tödlich verletzt worden. Der 21-Jährige sei getroffen worden, nachdem er mit Dutzenden anderen am Freitag über den Grenzzaun auf israelisches Gebiet gelangte, berichtete die staatliche libanesische Agentur NNA. Laut Augenzeugen wurde er am Bauch getroffen und starb später im Krankenhaus.

Die israelische Armee bestätigte, dass Panzer Warnschüsse auf eine Gruppe von Randalierern abfeuerten. Diese hätten den Zaun beschädigt und Feuer gelegt, ehe sie in libanesisches Gebiet zurückkehrten. Die Demonstranten hatten ihre Solidarität mit den Menschen in Gaza und Jerusalem gezeigt und palästinensische Flaggen mit Blick auf das Dorf Metula im Norden Israels geschwenkt.

Libanons Präsident Michel Aoun verurteilte den Angriff. Die UN-Friedensmission Unifil teilte mit, im Kontakt mit der israelischen und libanesischen Armee zu stehen zur Vermeidung einer weiteren Eskalation. Der Vorfall würde «sofort» untersucht. «Wir fordern jeden auf, ruhig zu bleiben und eine Gefährdung weiterer Menschenleben zu vermeiden.» Die Blauhelme überwachen seit 1978 das Grenzgebiet der beiden Länder.

Im Süden der Hauptstadt Beirut versammelten sich unterdessen Hunderte Palästinenser und Anhänger der mit Israel verfeindeten Hisbollah. Sie schwenkten Flaggen und riefen Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah auf, einzugreifen und die Menschen in den Palästinensergebieten zu retten.

Ein israelisches Kampfflugzeug griff im Libanon im Morgengrauen auch ein Fahrzeug an, wie es aus libanesischen Sicherheitskreisen hiess. Anwohner in der Region Hermel im Nordwesten nahe der Grenze zu Syrien berichteten von einer lauten Explosion. Unbestätigten Berichten zufolge wurde dabei ein Militärfahrzeug der Hisbollah getroffen. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür nicht. Aus dem Libanon wurden am Donnerstag drei Raketen auf Israel abgefeuert.

Palästinenser: Acht Tote nach Zusammenstössen im Westjordanland

Bei Zusammenstössen mit israelischen Sicherheitskräften sind nach palästinensischen Angaben acht Menschen im Westjordanland getötet worden. Zwei Palästinenser seien durch Schüsse von Soldaten in Bauch beziehungsweise Brust getroffen worden und gestorben, teilte das palästinensische Gesundheitsministerium am Freitag mit. Die anderen sechs seien in verschiedenen Orten im Westjordanland ums Leben gekommen. 50 Palästinenser seien zudem durch Kugeln und Gummigeschosse verletzt worden. Israels Armee reagierte zunächst nicht auf Anfragen zu den geschilderten Vorfällen.

Ein israelischer Soldat hatte zuvor nach Angaben der Armee im Westjordanland auf einen Angreifer geschossen und ihn dabei getötet. Der Mann habe versucht, auf den Soldaten an einem Militärposten einzustechen.

Israel greift Hamas-Tunnelnetz im Gazastreifen an

Mit einem Grossangriff hat Israels Armee ein bedeutendes Tunnelsystem der im Gazastreifen herrschenden Hamas attackiert. «Viele Kilometer» des Netzes seien beschädigt worden, teilte das Militär am Freitag über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Militante Palästinenser setzten derweil den Beschuss Israels aus dem Gazastreifen am Mittelmeer fort. Nach Angaben der Armee wurden inzwischen insgesamt 1800 Raketen abgefeuert. Vor allem im Umkreis des Palästinensergebiets am Mittelmeer ertönten am Freitag immer wieder Warnsirenen.

Nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums wurden in Gaza seit Beginn der Eskalation des Konflikts am Montagabend mehr als 120 Menschen getötet. Wie die israelische Armee mitteilte, kamen in Israel durch den Raketenbeschuss der vergangenen Tage acht Menschen ums Leben. Ägyptischen Sicherheitskreisen zufolge lehnte Israel ein Angebot der Regierung in Kairo zur Vermittlung einer Feuerpause ab.

Lufthansa streicht Israel-Flüge – Swiss entscheidet nach Lage

Angesichts des militärischen Konflikts in Israel setzt die Lufthansa ihre Flüge nach Tel Aviv noch bis einschliesslich Montag aus. «Wir planen, die Flüge am 18. Mai wieder aufzunehmen», ergänzte eine Lufthansa-Sprecherin am Freitag. Doch dazu werde sich die Lufthansa mit den Behörden weiter austauschen und die Sicherheitslage genau beobachten. Die Airline-Gruppe hatte die Verbindungen nach Tel Aviv am Donnerstag eingestellt.

Bei Tochter Swiss hiess es, dass man die Verbindung am Donnerstag auf heute verschoben hatte und den Flug nun annulliert habe. Die nächste Verbindung sei für Sonntag geplant. Man beobachte die Lage und entscheide dann entsprechend.

(Bild: Keystone)

Auch andere Fluggesellschaften wie British Airways, American Airlines und der Billigflieger Wizz Air setzten Flüge nach Israel ab. Die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA warnte die Airlines vor Luftschlägen und Raketenangriffen. Das Auswärtige Amt rät von Reisen in das Land sowie in palästinensische Gebiete ab.

Österreichs Kanzleramt lässt Israel-Fahne hissen

Aus Solidarität mit Israel haben Österreichs Kanzler Sebastian Kurz und Aussenminister Alexander Schallenberg auf ihren Amtsgebäuden die Fahne des Landes hissen lassen.

«Ich verurteile die seit Tagen stattfindenden Angriffe auf Israel aus dem Gazastreifen auf das Schärfste», begründete Kurz am Freitag den Schritt. Israel habe das Recht auf Selbstverteidigung gegen diese Angriffe.

«Für die über tausend Raketen, die bislang von der Hamas und anderen Terrorgruppen aus Gaza auf Israel abgeschossen wurden, gibt es keine Rechtfertigung», sagte Schallenberg. Die Regierung in Wien stehe unerschütterlich hinter Israels Sicherheit. Kurz und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verbindet eine enge politische Freundschaft.

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz verurteilt die Angriffe der Hamas auf Israel – ihn verbindet mit Präsident Benjamin Netanjahu eine enge Freundschaft. (Bild: Keystone)
Wieder Ausschreitungen in Israel – Polizei nimmt Verdächtige fest

Die israelische Polizei hat bei neuen Ausschreitungen in mehreren Städte einige Verdächtige festgenommen. In Lod bei Tel Aviv schleuderten Menschen Steine und Molotowcocktails, wie ein Polizeisprecher am Freitagmorgen mitteilte. Sie griffen demnach auch Polizisten an.

In Tel Aviv wurden in der Nacht zudem zwei Verdächtige mit Eisenstangen festgenommen – mehr Einzelheiten zu dem Fall gab die Polizei zunächst nicht bekannt. Auch in den Städten Beerscheva und Netanja wurden mehrere Menschen festgenommen. In dem Ort Kalansawe in der Nähe des Westjordanlands untersucht die Polizei einen Vorfall, bei dem eine Polizeistation in Brand gesteckt worden sein soll.

Nach der Eskalation des Gaza-Konflikts ist es auch in Städten im israelischen Kernland, wo ein hoher Anteil arabischer Israelis lebt, zu Gewalt gekommen. Am Mittwoch wurde im Norden des Landes ein jüdischer Einwohner von arabischen Demonstranten lebensgefährlich verletzt. Südlich von Tel Aviv attackierte eine jüdische Menge einen arabischen Einwohner mit Knüppeln. Seit Beginn der Ausschreitungen hat die Polizei insgesamt 750 Verdächtige festgenommen.

Bislang über 100 Todesopfer im Konflikt

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza wurden seit Beginn der Eskalation des Konflikts 119 Menschen getötet und 830 weitere verletzt. Wie die Armee mitteilte, wurden in Israel durch Beschuss bisher acht Menschen getötet.

Israels Militär: 1'800 Raketen aus Gazastreifen abgefeuert

Militante Palästinenser im Gazastreifen haben nach Angaben des israelischen Militärs bislang 1’800 Raketen auf Israel abgefeuert. Rund 430 davon seien noch in dem Küstengebiet niedergegangen, sagte Sprecher Jonathan Conricus am Freitagmorgen. Die Erfolgsquote des Abfangsystems Eisenkuppel («Iron Dome») hat das Militär zuletzt im Schnitt mit rund 90 Prozent angegeben.

Israel macht die im Gazastreifen herrschende, islamistische Hamas für alle Angriffe aus dem Gazastreifen verantwortlich. Die Palästinensergruppe wird von Israel und der EU als Terrororganisation eingestuft.

Raketen werden aus dem Gazastreifen in Richtung Israel abgefeuert. (Bild: Keystone)
Israel greift Tunnelsystem der Hamas an

Das israelische Militär hat Details zu seiner jüngsten Verschärfung der Angriffe im Gaza-Konflikt genannt. Wie ein Sprecher der Armee am Freitagmorgen sagte, starteten in der Nacht 160 «Luftfahrzeuge» von zwölf Geschwadern. Ihr Einsatz dauerte demnach rund 40 Minuten. Kein israelischer Soldat habe den Gazastreifen betreten.

Ziel des komplexen Angriffs sei ein Tunnelsystem der Hamas in dem Küstengebiet gewesen. Es werde «Metro» genannt. Dabei handele es sich um eine Art «Stadt unter der Stadt». Die Hamas habe Jahre in den Bau des Tunnelsystems investiert. Der Grad der Zerstörung sei noch unklar. Zur Unterstützung feuerten unter anderem Panzer von israelischer Seite auf Ziele im Gazastreifen.

Das israelische Fernsehen hatte zuvor von massiven Angriffen der Luftwaffe sowie der Artillerie und Panzertruppen auf den Küstenstreifen berichtet. Die Armee erklärte zunächst: «Luft- und Bodentruppen greifen gegenwärtig im Gazastreifen an.» Anschliessend gab es Berichte, wonach Bodentruppen in den Gazastreifen vorgedrungen seien. Der Armeesprecher entschuldigte sich für Fehlkommunikation.

Gaza-Konflikt eskaliert: Israel verschärft Angriffe mit Bodentruppen

Nach fortwährenden Raketenangriffen militanter Palästinenser hat Israels Armee in der Nacht zum Freitag ihre Angriffe auf den Gazastreifen noch verschärft. «Luft- und Bodentruppen greifen gegenwärtig im Gazastreifen an», teilte die israelische Armee bei Twitter mit. Eine Sprecherin konnte aber nicht erläutern, ob sich auch Bodentruppen in dem Küstenstreifen befanden. Das israelische Fernsehen berichtete von massiven Angriffen der Luftwaffe sowie der Artillerie und Panzertruppen auf den Küstenstreifen.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte zu den Angriffen: «Ich habe gesagt, dass Hamas einen sehr hohen Preis zahlen wird.» Man werde die Angriffe «mit grosser Intensität fortsetzen», sagte er in einer Videobotschaft. «Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen und diese Operation wird so lange wie nötig weitergehen.»

Israel greift den Gazastreifen seit der Nacht auf Freitag auch mit Bodentruppen an. (Bild: Keystone)

Das israelische Fernsehen berichtete, es sei der heftigste und breiteste Angriff im Gazastreifen seit Beginn der Eskalation am Montag. Die Armee rief Israelis in den Grenzorten, die bis zu vier Kilometer entfernt vom Gazastreifen leben, dazu auf, sich bis auf Weiteres in Schutzräume zu begeben.

Verteidigungsminister Benny Gantz hatte zuvor angesichts der Eskalation die Mobilisierung von weiteren 9’000 Reservisten genehmigt. Vor zwei Tagen hatte die Armee bereits 5’000 Reservisten mobilisiert. Nach Medienberichten bereitete sich die Armee auf eine mögliche Bodenoffensive vor.

USA: Sicherheitsratssitzung zum Nahost-Konflikt nun am Sonntag

Nach Einwänden der USA wird eine zunächst für Freitag angedachte Sitzung des UNO-Sicherheitsrates zur eskalierenden Gewalt in Nahost nun am Sonntag abgehalten. Dies teilte die amerikanische UNO-Botschafterin Linda Thomas-Greenfield am Donnerstagabend (Ortszeit) in New York mit. Die Vereinigten Staaten hatten zuvor um eine Verschiebung gebeten, weil diplomatische Bemühungen andauerten und die geplante offene Sitzung diese nach Ansicht Washingtons hätte untergraben können.

Der Sicherheitsrat hatte sich diese Woche bereits zwei Mal wegen der Eskalation zwischen Israelis und Palästinensern getroffen. Die USA – der wichtigste Verbündete Israels – hatte eine gemeinsame Stellungnahme des Gremiums bislang verhindert.

Armee: Drei Raketen aus Libanon auf Israel abgefeuert

Aus dem Libanon sind nach Militärangaben drei Raketen auf Israel abgefeuert worden. Sie seien aber vor der Küste im Norden des Landes ins Mittelmeer gefallen, teilte die israelische Armee am Donnerstagabend mit. Libanesische Sicherheitskreise bestätigten, es seien drei Raketen vom Süden des Libanons aus abgefeuert worden. Es war zunächst unklar, welche Gruppierung für den Angriff verantwortlich ist. Das israelische Fernsehen berichtete, es gebe weder Verletzte noch Sachschaden.

Mehr als 100 Tote in Gaza

Nach der Eskalation im Gaza-Konflikt zeichnet sich vorerst kaum Beruhigung ab. Militante Palästinenser im Gazastreifen setzten auch drei Tage nach Beginn der Raketenangriffe den Beschuss Israels fort. Im Grossraum Tel Aviv, dem am dichtesten besiedelten Gebiet Israels, heulten die zweite Nacht in Folge Warnsirenen. Das israelische Militär setzte am Donnerstag seine massiven Angriffe auf das Küstengebiet fort. Einem Armeesprecher zufolge wurden in Israel bislang sieben Menschen durch Beschuss getötet. Im Gazastreifen starben nach Angaben des Gesundheitsministeriums 103 Menschen seit der Eskalation der Gewalt.

USA wollen erstmal keine Sicherheitsratssitzung zum Nahost-Konflikt

Die Vereinigten Staaten lehnen eine für Freitag angedachte erneute Sitzung des UN-Sicherheitsrates zur eskalierenden Gewalt in Nahost ab. Die USA kündigten in einem internen Schreiben Diplomatenangaben zufolge an, die von 9 der 15 Ratsmitgliedern angefragte offene Sitzung nicht unterstützen zu können, weil die diplomatischen Bemühungen andauerten.

«Wir glauben, dass ein offenes Treffen morgen diese deeskalatorischen Bemühungen nicht unterstützen wird», hiess es darin. Die Amerikaner schlugen die Verlegung der Beratungen auf Dienstag vor. Kreise im mächtigsten UN-Gremium gehen nun davon aus, dass die angedachte Sitzung damit wahrscheinlich zunächst nicht stattfindet.

Der Sicherheitsrat hatte sich diese Woche bereits zwei Mal wegen der Eskalation zwischen Israelis und Palästinensern getroffen. Die USA – der wichtigste Verbündete Israels – hatte eine gemeinsame Stellungnahme des Gremiums bislang verhindert.

Zahl der Angriffe steigt
 

Mit rund 2750 Raketen haben Israel und Palästina sich seit Montagabend beschossen. (Bild: Keystone)

Wie der Sprecher weiter mitteilte, wurden seit Montagabend rund 1750 Raketen auf Israel abgefeuert. Das israelische Militär hat nach Angaben von Regierungschef Benjamin Netanjahu knapp 1000 Ziele im Gazastreifen beschossen. In der Nacht zum Donnerstag und am frühen Morgen verstärkten israelische Kampfflugzeuge ihre Angriffe auf Einrichtungen der islamistischen Hamas und der militanten Gruppe Islamischer Dschihad.

9000 weitere Reservisten der israelischen Armee mobilisiert

Israels Verteidigungsminister Benny Gantz hat angesichts der Eskalation im Gaza-Konflikt die Mobilisierung von weiteren 9000 Reservisten genehmigt. Dies teilte sein Büro am Donnerstag mit. Die zusätzlichen Kräfte sollen demnach unter anderem dem südlichen und zentralen Regionalkommando der Streitkräfte zugeteilt werden. Am Dienstag hatte die israelische Armee bereits 5000 Reservisten mobilisiert.

Militante Palästinenser im Gazastreifen setzten am Donnerstag ihre Raketenangriffe auf Israel fort, während Israel weiterhin Ziele in dem Palästinensergebiet beschoss. Nach Angaben der Armee wurden seit Montagabend rund 1750 Raketen auf Israel abgefeuert. Dabei wurden in Israel bislang sieben Menschen getötet. Im Gazastreifen starben nach Angaben des Gesundheitsministeriums 87 Menschen.

Macron will zu Beruhigung im Gaza-Konflikt beitragen

Nach der Eskalation im Gaza-Konflikt will der französische Staatspräsident Emmanuel Macron zu einer raschen Beruhigung beitragen. In einem Telefonat mit dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas habe der 43-Jährige die Raketenangriffe der islamistischen Hamas und «anderer terroristischer Gruppen» auf Israel verurteilt, teilte der Élyséepalast am Donnerstag in Paris mit. Macron habe auch sein Beileid für die zahlreichen Opfer in der palästinensischen Zivilbevölkerung bekundet.

Macron wolle auch mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu telefonieren. Geplant seien weitere Kontakte mit Partnern in der Region, unter anderem mit dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi.

Seit Montagabend beschiessen militante Palästinenser im Gazastreifen Israel mit Raketen. Israels Armee reagiert darauf mit Angriffen auf Ziele im Gazastreifen, vor allem durch die Luftwaffe.

Israel greift Anlage des Hamas-Geheimdienstes an

Israelische Kampfjets haben nach Militärangaben eine Anlage des Hamas-Geheimdienstes beschossen. Auf dem Areal befindet sich das wichtigste militärische Beobachtungszentrum der Organisation, wie die Armee am Donnerstag mitteilte. Dutzende Mitglieder der islamistischen Hamas sollen sich demnach zur Zeit des Angriffs dort aufgehalten haben. Ob es Tote oder Verletzte unter ihnen gab, sagte die Armee nicht.

Als Reaktion auf fortwährende Raketenangriffe militanter Palästinenser auf israelische Städte setzte das israelische Militär am Donnerstag seine massiven Angriffe auf den Gazastreifen fort. Ziel sind vor allem Einrichtungen der Hamas und der militanten Gruppe Islamischer Dschihad.

Einem Armeesprecher zufolge wurden in Israel bislang sieben Menschen durch Beschuss getötet. Im Gazastreifen starben nach Angaben des Gesundheitsministeriums 87 Menschen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu stimmte die Bürger des Landes zuletzt erneut auf einen längeren Einsatz im Gazastreifen ein.

Demonstrationen in Deutschland

In der Bundesrepublik kam es zu mehreren antisemitischen und anti-israelischen Demonstrationen. In Gelsenkirchen stoppte die Polizei am Mittwochabend einen Demonstrationszug, der sich in Richtung Synagoge bewegte. In einem per Twitter verbreiteten Video des Zentralrats der Juden sind Sprechchöre mit antisemitischen Inhalten zu hören. Die Polizei bestätigte am Donnerstag die Echtheit des Videos. Auch in Hannover musste die Polizei bei einer Anti-Israel-Demonstration einschreiten. Zudem wurden in mehreren Städten israelische Flaggen angezündet. Maas forderte ein Verbot der Demos, «wenn Straftaten zu erwarten sind».

Frankreichs Innenminister lässt Nahost-Demonstrationen verbieten

Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin lässt geplante Nahost-Demonstrationen in Paris verbieten. 2014 sei die öffentliche Ordnung massiv gestört worden, teilte Darmanin am Donnerstag via Twitter als Begründung mit.

Tausende Menschen hatten vor sieben Jahren gegen die damalige israelische Militäroffensive im Gazastreifen demonstriert. Bei Ausschreitungen attackierten Randalierer auch eine Synagoge und jüdische Geschäfte.

Kind stirbt in Gaza

Bei Angriffen auf den Gazastreifen soll ein zwölfjähriges Kind bei einem Luftangriff durch die Israelis getötet worden sein. Das berichtet die Plattform «Conflict News».

Russland bemüht sich um Vermittlung im Nahost-Konflikt

Nach der Eskalation im Gaza-Konflikt bemüht sich Russland um eine Vermittlung für ein Ende der Gewalt im Nahost. «Verschiedene Länder unternehmen Anstrengungen und nutzen ihre Kontakte, um die Parteien zur Zurückhaltung zu ermutigen – auch Russland», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Donnerstag in Moskau der Staatsagentur Tass zufolge. Details nannte er zunächst nicht. Israelis und Palästinenser müssten erkennen, dass es keine Alternative zu einer diplomatischen Lösung des Konflikts gebe.

Kremlchef Wladimir Putin forderte bei einem Gespräch mit UN-Generalsekretär António Guterres ein Ende der Gewalt. Die Sicherheit der Bevölkerung müsse gewährleistet werden, teilte der Kreml nach der Unterredung im Online-Format mit.

Mehr als 1600 Raketenabschüsse auf Israel - Über 80 Tote in Gaza

Nach der Eskalation im Gaza-Konflikt zeichnet sich vorerst kaum Beruhigung ab. Militante Palästinenser im Gazastreifen setzten auch rund 70 Stunden nach Beginn der Raketenangriffe den Beschuss Israels fest. Im Grossraum Tel Aviv, dem am dichtesten besiedelten Gebiet Israels, heulten die zweite Nacht in Folge Warnsirenen. Das israelische Militär setzte am Donnerstag seine massiven Angriffe auf das Küstengebiet fort. Einem Armeesprecher zufolge wurden in Israel bislang sieben Menschen durch Beschuss getötet. Im Gazastreifen starben nach Angaben des Gesundheitsministeriums 83 Menschen seit der Eskalation der Gewalt.

Mehr als 1600 Raketen wurden seit Montag auf Israel abgefeuert. (Bild: Keystone)

Wie Armeesprecher Jonathan Conricus weiter mitteilte, wurden seit Montagabend mehr als 1600 Raketen auf Israel abgefeuert. Rund 400 davon seien noch in dem Küstengebiet niedergegangen. Nach Ansicht des Militär könnte dies Opfer zur Folge haben. Die Erfolgsquote des Abfangsystems Eisenkuppel («Iron Dome») betrage weiterhin im Schnitt rund 90 Prozent. Zur Grösse des Raketenarsenals der militanten Palästinenser äusserte er sich nicht. Sie hätten einen sehr grossen Bestand gehabt. Noch immer verfügten sie über eine beträchtliche Menge. Conricus sagte weiter, das israelische Militär habe bislang rund 600 Ziele im Gazastreifen beschossen.

Erster Tagesangriff auf Tel Aviv - Dutzende Tote in Gaza

Zum ersten Mal heulten am Donnerstag in der israelischen Küstenmetropole Tel Aviv am helllichten Tage die Raketen-Warnsirenen. Aufgeschreckte Menschen in einem grossen Bürogebäude im Stadtzentrum rennen eilig in einen Schutzbunker unter der Erde. Es sind dumpfe Explosionen zu hören.

«Wir müssen hier bleiben, auch Raketensplitter können töten», ruft eine sichtbar verängstigte Frau, als einige nach wenigen Minuten schon wieder zurück nach oben zur Arbeit gehen wollen. Denn erst am Vorabend war in der Stadt Sderot ein Fünfjähriger auf diese Weise ums Leben gekommen. Insgesamt sieben Menschen in Israel wurden nach Armeeangaben bisher durch Beschuss getötet.

Es ist das fünfte Mal, dass militante Palästinenser im Gazastreifen Raketen auf die rund 70 Kilometer entfernte Küstenmetropole feuern. Der Grossraum Tel Aviv ist das am dichtesten besiedelte Gebiet des Mittelmeerstaates. Das häufige Aufschrecken durch Sirenen in der Nacht macht viele Israelis mürbe.

Netanjahu: Einsatz in Gaza «wird einige Zeit dauern»

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die Bürger des Landes erneut auf einen längeren Einsatz im Gazastreifen eingestimmt. «Es wird einige Zeit dauern, aber mit grosser Entschlossenheit, sowohl defensiv als auch offensiv, werden wir unser Ziel erreichen – die Ruhe im Staat Israel wiederherzustellen», sagte er am Donnerstag bei einem Besuch der Raketenabwehreinheit. Die Verteidigung durch das System «Iron Dome» (Eisenkuppel) gebe Israel Raum für Angriffe, so Netanjahu. Demnach seien schon fast 1000 Ziele der militanten Palästinenser beschossen worden.

 

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigt einen längeren Einsatz im Gazastreifen an. (Bild: Keystone)

Präsident Reuven Rivlin verurteilte die Gewalt auf Israels Strassen. Sie sei «eine echte Bedrohung für die israelische Souveränität». Die gemässigte Mehrheit von Juden und Arabern müsse sich für Rechtsstaatlichkeit und eine gemeinsame Existenz einsetzen, forderte Rivlin. «Wir dürfen nicht zulassen, dass Extremisten den Ton angeben.»

Ägypten schickt Delegation zur Vermittlung nach Tel Aviv und Gaza

Nach der Eskalation im Gaza-Konflikt bemüht sich Ägypten erneut um Vermittlung zwischen Israelis und Palästinensern. Eine ägyptische Delegation traf dafür am Donnerstag in Tel Aviv ein, um auf eine Feuerpause zwischen beiden Seiten hinzuarbeiten, wie es aus Sicherheitskreisen hiess. In den Gesprächen solle es auch um Wohnungsräumungen gehen, die palästinensischen Familien in Jerusalem drohten. Am Mittwoch führte eine Delegation aus Kairo bereits Gespräche mit der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas und der militanten Gruppe Islamischer Dschihad im Gazastreifen.

Ägypten ist im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern schon mehrfach als arabischer Vermittler aufgetreten. In der letzten besonders schweren Eskalation im Gaza-Krieg 2014 hatte das Land ebenfalls mit auf eine Waffenruhe hingewirkt. Israelische und palästinensische Unterhändler hatten dafür in Kairo über ägyptische Vermittler Papiere mit ihren jeweiligen Forderungen ausgetauscht.

70 Stunden der rohen Gewalt in Nahost

Nach der Eskalation im Gaza-Konflikt zeichnet sich vorerst kaum Beruhigung ab. Militante Palästinenser im Gazastreifen setzten auch rund 70 Stunden nach Beginn der Raketenangriffe am Beschuss Israels fest. Im Grossraum Tel Aviv, dem am dichtesten besiedelten Gebiet Israels, heulten die zweite Nacht in Folge Warnsirenen.

Das israelische Militär setzte am Donnerstag seine massiven Angriffe auf das Küstengebiet fort. Einem Armeesprecher zufolge wurden in Israel bislang sieben Menschen durch Beschuss getötet. Im Gazastreifen starben nach Angaben des Gesundheitsministeriums 83 Menschen seit der Eskalation der Gewalt.

In der vergangenen Nacht und am frühen Morgen verstärkten israelische Kampfflugzeuge ihre Angriffe auf Einrichtungen der Hamas und der militanten Gruppe Islamischer Dschihad. Nach Armee-Angaben wurde erneut ein mehrgeschössiges Gebäude beschossen. Im Vergleich zu früheren israelischen Einsätzen waren die Zerstörungen der vergangenen Tage im Gazastreifen sehr gross.

Armee: Dutzende Raketen in der Nacht auf Israel abgefeuert

Militante Palästinenser haben nach Angaben der israelischen Armee in den vergangenen Stunden Dutzende Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert. Seit 20 Uhr am Mittwochabend wurden rund 130 Starts registriert, schrieb die Armee am Donnerstagmorgen bei Twitter. Etwa 25 seien noch im Gazastreifen niedergegangen, Dutzende seien vom Abwehrsystem Eisenkuppel («Iron Dome») abgefangen worden. Auch in der Küstenmetropole Tel Aviv waren in der Nacht wieder Warnsirenen ertönt.

Militante Palästinenser hatten am Montagabend mit massiven Raketenangriffen auf Israel begonnen. Israel beschoss anschliessend vor allem aus der Luft Ziele in dem von der islamistischen Hamas beherrschten Gebiet.

Dutzende Raketen sind in der Nacht auf Donnerstag aus dem Gazastreifen in Richtung Israel abgefeuert worden, wie die israelische Armee meldet. (Bild: Keystone)
Israels Militär: Mehr als 1'600 Raketen aus Gazastreifen abgefeuert

Militante Palästinenser im Gazastreifen haben nach Angaben des israelischen Militärs bislang insgesamt mehr als 1’600 Raketen auf Israel abgefeuert. Rund 400 davon seien noch in dem Küstengebiet niedergegangen, sagte Sprecher Jonathan Conricus am Donnerstagmorgen. Die Erfolgsquote des Abfangsystems Eisenkuppel («Iron Dome») betrage weiterhin im Schnitt rund 90 Prozent.

Dem Sprecher zufolge starben seit Beginn des Beschusses aus dem Gazastreifen am Montagabend bislang sieben Menschen in Israel, sechs Zivilisten und ein Soldat.

Conricus sagte, das israelische Militär habe bislang rund 600 Ziele in dem Gazastreifen beschossen, darunter Stätten zur Produktion von Raketen und Lagerräume. Angegriffen worden sei zuletzt auch ein Tunnel, der Kämpfern unter anderem als Versteck gedient habe. Dieser sei unter einer Schule in besiedeltem Gebiet gegraben worden.

In Gaza steigen Rauchsäulen empor, nachdem Israel mehrere Ziele mit Raketenbeschüssen angriff. (Bild: Keystone)

Zur Grösse des Raketenarsenals der militanten Palästinenser äusserte sich der Sprecher nicht konkret. Sie hätten einen sehr grossen Bestand gehabt. Noch immer verfügten sie über eine beträchtliche Menge.

Israel macht die im Gazastreifen herrschende, islamistische Hamas für jegliche Angriffe aus dem Gazastreifen verantwortlich. Die Palästinensergruppe wird von Israel und der EU als Terrororganisation eingestuft.

Polizei: Fünf Verletzte bei nächtlichen Angriffen auf Israel

Bei den Raketenangriffen aus dem Gazastreifen auf Israel sind in der Nacht auf Donnerstag nach Angaben der Polizei fünf Menschen in Petach Tikwa leicht verletzt worden. Wie ein Sprecher am Morgen mitteilte, gab es einen direkten Treffer in der Stadt. Ein Gebäude und dessen Umgebung seien schwer beschädigt worden. Fünf Menschen seien leicht verletzt in ein Krankenhaus gebracht worden. Experten zur Kampfmittelbeseitigung seien vor Ort. Petach Tikwa liegt im Osten der Küstenmetropole Tel Aviv.

Aus dem Gazastreifen werden Raketen in Richtung Israel abgefeuert. (Bild: Keystone)
Israel reagiert auf die Angriffe der Hamas mit der Beschiessung des Gazastreifens mit eigenen Raketen. (Bild: Keystone)
Israels Sicherheitskabinett beschliesst Ausweitung der Gaza-Angriffe

Nach massiven Raketenangriffen militanter Palästinenser im Gazastreifen hat Israels Sicherheitskabinett eine Ausweitung des Militäreinsatzes gegen die dort herrschende Hamas beschlossen. Die Armee solle gezielt «Symbole der Hamas-Herrschaft» in dem Palästinensergebiet angreifen, berichtete der Sender Kanal 12 am Mittwochabend. Medienberichten zufolge wurden das Finanzministerium im Herzen der Stadt Gaza sowie eine Bank der Hamas zerstört. Das Militär teilte mit, Kampfflugzeuge hätten eine Reihe strategisch wichtiger Gebäude sowie ein Marinekommando der Hamas angegriffen. Die Angriffe auf Terrorziele würden fortgesetzt.

Kurz darauf wurde in Tel Aviv am frühen Donnerstagmorgen erneut Raketenalarm ausgelöst. Nach Angaben einer dpa-Reporterin war mindestens eine Explosion zu hören. Medienberichten zufolge gab es auch im Norden des Landes Raketenalarm.

Schon zuvor hatten militante Palästinenser am Mittwochabend Dutzende Raketen auf israelische Städte geschossen, darunter Aschdod und Aschkelon an der Mittelmeerküste. Auch im Grossraum Tel Aviv heulten Warnsirenen. In der Grenzstadt Sderot wurde ein Fünfjähriger beim Einschlag einer Rakete tödlich verletzt, wie die Stadtverwaltung mitteilte.

US-Präsident Biden betont Selbstverteidigungsrecht Israels

US-Präsident Joe Biden hat angesichts der eskalierenden Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern das Selbstverteidigungsrecht Israels betont. Das Weisse Haus teilte am Mittwochabend (Ortszeit) mit, Biden habe bei einem Telefonat mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu die Raketenangriffe der Hamas und anderer Terrorgruppen gegen Israel verurteilt. Der US-Präsident habe ausserdem «seine unerschütterliche Unterstützung für Israels Sicherheit und für Israels legitimes Recht, sich selbst und sein Volk zu verteidigen», zum Ausdruck gebracht. Biden habe Israel zugleich ermutigt, «einen Weg zur Wiederherstellung einer nachhaltigen Ruhe zu beschreiten».

Netanjahus Büro teilte mit, der Premierminister habe Biden in dem Gespräch für die amerikanische Unterstützung des israelischen Rechts auf Selbstverteidigung gedankt. Netanjahu habe auch angekündigt, «dass Israel weiterhin Massnahmen ergreifen werde, um die militärischen Fähigkeiten der Hamas und der anderen im Gazastreifen operierenden Terrororganisationen anzugreifen». Biden äusserte am Rande eines Auftritts im Weissen Haus am Mittwoch seine Hoffnung, dass die Gewalt bald gestoppt werden könne.

US-Präsident Joe Biden hat Israel «seine unerschütterliche Unterstützung» zugesichert. (Bild: Keystone)
Israels Sicherheitskabinett beschliesst Ausweitung der Gaza-Angriffe

Israels Sicherheitskabinett hat nach Medienberichten eine Ausweitung des Militäreinsatzes gegen die im Gazastreifen herrschende islamistischen Hamas beschlossen. Die Armee solle von sofort an gezielt «Symbole der Hamas-Herrschaft» in dem Palästinensergebiet angreifen, berichtete der Sender Kanal 12 am Mittwochabend. Es sei bereits die Zerstörung des Finanzministeriums im Herzen der Stadt Gaza angekündigt worden. Dies solle der Hamas die finanzielle Kontrolle im Gazastreifen erschweren.

Zusammenstösse zwischen Juden und Arabern in israelischen Städten

Zwischen jüdischen und arabischen Israelis ist es am Mittwoch in mehreren israelischen Städten zu schweren Konfrontationen gekommen. Trotz einer Ausgangssperre flammten Unruhen in der Stadt Lod in der Nähe von Tel Aviv erneut auf. Nach Medienberichten wurde in der Stadt ein Polizeifahrzeug in Brand gesetzt. In Akko im Norden des Landes wurde nach Angaben des israelischen Fernsehens ein jüdischer Einwohner von arabischen Demonstranten lebensgefährlich verletzt.

In Bat Jam südlich von Tel Aviv attackierten ultrarechte Juden nach Medienberichten arabische Geschäfte. Ein arabischer Einwohner wurde nach Fernsehberichten von einer jüdischen Menge brutal mit Knüppeln angegriffen. In Haifa bewarfen jüdische Demonstranten nach Angaben der «Times of Israel» einen arabischen Autofahrer mit Steinen. Er habe daraufhin einen der Angreifer angefahren und verletzt. Auch in Tiberias wurde nach Polizeiangaben ein arabischer Fahrer von jüdischen Demonstranten mit Steinen angegriffen und verletzt.

Die Gewalt zwischen Israel und den Palästinensern war zuletzt auch auf arabische Ortschaften im israelischen Kernland übergeschwappt. Das israelische Fernsehen berichtete, Regierungschef Benjamin Netanjahu wolle Soldaten in die Städte entsenden, um die Ruhe wiederherzustellen. Verteidigungsminister Benny Gantz habe dies jedoch abgelehnt.

Europäer im Sicherheitsrat fordern Ende der Gewalt in Nahost

Europäische Länder des UN-Sicherheitsrats haben ein Ende der Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern gefordert. «Wir fordern alle Akteure dringend auf, Spannungen abzubauen, Gewalt zu beenden und äusserste Zurückhaltung zu zeigen», sagte der estnische UN-Botschafter Sven Jürgenson in einer Stellungnahme Estlands, Frankreichs, Irlands und Norwegens am Mittwoch nach einer Dringlichkeitssitzung des mächtigsten UN-Gremiums in New York. Die Länder verurteilten dabei die Raketenangriffe auf israelische Gebiete aus dem Gazastreifen sowie Israels Luftangriffe dort.

Palästinensische Angriffe gegen die Zivilbevölkerung in Israel seien «besorgniserregend und inakzeptabel». Trotz seines Rechts auf Selbstverteidigung müsse Israel aber maximale Zurückhaltung üben und das Völkerrecht beachten. Dies gelte auch für die Situation in Ost-Jerusalem: «Wir fordern Israel auf, die Siedlungsaktivitäten, Zerstörungen und Vertreibungen, auch in Ost-Jerusalem, im Einklang mit seinen Verpflichtungen aus dem humanitären Völkerrecht einzustellen», hiess es. Zuvor war die Dringlichkeitssitzung des 15-köpfigen Sicherheitsrates wegen einer Blockade der USA ohne eine gemeinsame Stellungnahme zuende gegangen. Die Vereinigten Staaten sind der engste Verbündete Israels.

Sechsjähriges Kind bei Raketenangriff gestorben?

Wie die Israelische Botschaft in Österreich mitteilt, soll beim Raketenangriff ein sechsjährige Kind an den Folgen seiner Verletzungen verstorben sein:

Derweil berichtet die Israelische Botschaft in Berlin von einem schwerverletzten Sechsjährigen:

Verletzte bei Raketenangriff auf Sderot

Nach einem Raketenangriff von Militanten aus Gaza auf die israelische Stadt Sderot schwebt ein Mensch in Lebensgefahr. Fünf weitere seien verletzt, teilte der Rettungsdienstes Magen David Adom am Mittwochabend mit. Israelische Medien berichteten, es handle sich bei dem lebensgefährlich verletzten Menschen um ein sechsjähriges Kind.

Erneut Raketenalarm im Grossraum Tel Aviv

Im Grossraum Tel Aviv ist am Mittwoch erneut Raketenalarm ausgelöst worden. Heulende Warnsirenen waren am Abend zu hören. Es war die dritte Angriffswelle seit Dienstagabend. Die Küstenmetropole – Israels Wirtschaftszentrum – war in der Nacht zum Mittwoch so heftig mit Raketen beschossen wie nie zuvor.

Ausschreitungen vor der israelischen Botschaft in Athen

Palästinenser und griechische Sympathisanten haben sich am Mittwochabend Zusammenstösse mit der Polizei vor der Botschaft Israels in Athen geliefert. Aus Protest gegen die – wie sie sagten – israelischen Angriffe auf den Gazastreifen zündeten die Demonstranten eine israelische Fahne an und schleuderten Steine gegen die Bereitschaftspolizei. Sie skandierten «Aufstand und Freiheit für Palästina» sowie antiisraelische Parolen, berichteten Reporter vor Ort. Die Sicherheitskräfte lösten die Demonstration mit Blendgranaten und Tränengas auf, wie das Staatsfernsehen (ERT) berichtete. Die Lage beruhigte sich am frühen Abend, hiess es.

Israels Luftwaffe zerstört weiteres Hochhaus in Gaza

Israelische Kampfflugzeuge haben ein weiteres von Militanten genutztes Hochhaus in Gaza zerstört. In dem 14-stöckigen Gebäude hatten sowohl die islamistische Hamas als auch der militante Islamische Dschihad Büros. Allerdings gab es auch Cafés und Geschäfte in dem Haus. Videos zeigten, wie das Haus nach dem Angriff einstürzte.

Die Hamas kündigte an, als Reaktion 130 Raketen auf die israelischen Orte Aschkelon, Sderot und Netivot abzufeuern.

Im Grossraum Tel Aviv ist am Mittwoch erneut Raketenalarm ausgelöst worden. Heulende Warnsirenen waren am Abend zu hören. Es war die dritte Angriffswelle seit Dienstagabend. (Keystone)

Die Luftwaffe hatte zuvor auch das Haus eines ranghohen Mitglieds der islamistischen Hamas zerstört. Das Gebäude diente demnach als Waffenlager. Insgesamt zerstörte das Militär seit Dienstag bislang drei Hochhäuser. Ausserdem tötete Israel bei Angriffen mehrere hochrangige Vertreter der Hamas.

Seit Montagabend beschiessen militante Palästinenser Israel mit Raketen. Israels Armee reagiert darauf mit Angriffen auf Ziele im Gazastreifen, vor allem durch die Luftwaffe. Auf beiden Seiten gab es Tote.

USA schicken Spitzendiplomaten nach Nahost - Aufruf zur Deeskalation

Die US-Regierung hat sich zutiefst besorgt über die Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern gezeigt und die Konfliktparteien eindringlich zur Deeskalation aufgerufen. US-Aussenminister Antony Blinken sagte am Mittwoch in Washington, er habe den zuständigen Spitzendiplomaten Hady Amr darum gebeten, umgehend in die Region zu reisen und sich mit führenden Vertretern beider Seiten zu treffen. Amr werde auch im Namen von US-Präsident Joe Biden auf eine Deeskalation der Gewalt drängen.

Blinken verurteilte die Raketenangriffe der «Terrororganisation Hamas» aus dem Gazastreifen auf israelische Zivilisten auf das Schärfste. «Israel hat das Recht, sich zu verteidigen», sagte er. «Die Palästinenser haben ein Recht darauf, in Sicherheit zu leben. Und das Wichtigste ist jetzt, die Gewalt einzudämmen.» Der Minister fügte hinzu, die USA seien weiterhin einer Zweistaatenlösung verpflichtet. «Diese Gewalt bringt uns weiter weg von diesem Ziel.»

Bundesrat Cassis fordert sofortigen Stopp der Gewalt in Nahost

Aussenminister Ignazio Cassis hat einen sofortigen Stopp der Gewalteskalation in Nahost gefordert. Den Familien der Opfer sprach er auf Twitter sein tiefstes Beileid aus.

Die Eskalation der Gewalt in Nahost müsse sofort stoppen, schrieb der Vorsteher des Eidgenössischen Departementes für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Mittwoch auf Twitter. Die Schweiz rufe alle Parteien dazu auf, die internationalen Menschenrechte zu respektieren.

Israel verkündet Tötung ranghoher Hamas-Vertreter

Bei gezielten Angriffen im Gazastreifen sind nach Angaben der israelischen Armee und des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet mehrere hochrangige Vertreter der dort herrschenden Hamas getötet worden. Diese stünden Mohammed Deif nahe und seien Teil des militärischen Stabs der Hamas, erklärten Armee und Geheimdienst am Mittwoch.

Deif ist ein legendärer Militärchef der islamistischen Hamas. Israel hat jahrelang immer wieder vergeblich versucht, ihn zu töten. Im August 2014 kamen bei einem Luftangriff Israels im Gazastreifen die Frau des Hamas-Führers sowie zwei seiner Kinder ums Leben. Die Hamas verkündete direkt anschliessend, Deif habe überlebt. Zuletzt war Deif erstmals seit langem wieder öffentlich aktiv geworden und hatte Israel im Rahmen des Konflikts um Jerusalem gedroht.

Die Einsätze gegen die Hamas-Vertreter erfolgten den israelischen Angaben zufolge gleichzeitig in Chan Junis und Gaza. Weitere Details wurden zunächst nicht genannt. Die Namen der Getöteten sollten später veröffentlicht werden.

Konflikt in Nahost: Putin und Erdogan verurteilen Gewalt

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und Kremlchef Wladimir Putin haben den Gewaltausbruch in Nahost verurteilt.

Erdogan habe in einem Telefonat mit Putin deutlich gemacht, dass die Vereinten Nationen einschreiten müssten, bevor der Konflikt weiter eskaliere, teilte das türkische Präsidialamt am Mittwoch mit. Die UN müssten «entschlossene und klare Botschaften» finden, um die «Angriffe Israels» zu stoppen.

Erdogan sprach sich zudem dafür aus, internationale Schutztruppen zum Schutz von palästinensischen Zivilsten in die Region zu senden.

Putin zeigte sich nach Kreml-Angaben «ernsthaft besorgt» angesichts der anhaltenden Zusammenstösse und der wachsenden Zahl von Toten und Verletzten. Die beiden Präsidenten hätten die Konfliktparteien zum Abbau von Spannungen aufgerufen, hiess es aus Moskau.

Israels Verteidigungsminister: Gibt kein Enddatum für Gaza-Einsatz

Israels Verteidigungsminister Benny Gantz hat die Bürger des Landes auf einen längeren Militäreinsatz im Gaza-Konflikt eingestimmt.

Die Streitkräfte würden ihre Angriffe fortsetzen, um vollständige und langfristige Ruhe zu erzielen, schrieb Gantz am Mittwoch nach einem Besuch in der zuletzt stark mit Raketen aus dem Gazastreifen beschossenen Stadt Aschkelon. Es gebe dafür kein Enddatum.

Seit Montagabend kurz nach 18.00 Uhr beschiessen militante Palästinenser Israel mit Raketen. Israels Armee reagiert darauf mit Angriffen auf Ziele im Gazastreifen, vor allem durch die Luftwaffe.

Israels Raketenabwehr Eisenkuppel

Das von Israel entwickelte Abwehrsystem «Iron Dome» (Eisenkuppel) soll das Land vor Angriffen mit Kurzstreckenraketen schützen. Entwicklung, Bau und Instandhaltung des Systems haben die USA bisher mit mehr als 1,6 Milliarden Dollar unterstützt.

«Iron Dome» gilt daher auch als Symbol für die Rolle der USA als Schutzmacht Israels. Die «Eisenkuppel» ist Teil eines mehrstufigen Verteidigungssystems, das auch Abfangwaffen zum Schutz gegen Mittel- und Langstreckenwaffen umfasst.

Ein Radargerät erkennt die anfliegenden Geschosse und gibt die Information an einen Raketenwerfer weiter. Der startet eine Abfangrakete, um das feindliche Geschoss möglichst vor dem Einschlag noch in der Luft zu zerstören – und das nach israelischen Angaben mit einer Trefferquote von rund 90 Prozent. Um das System auszuhebeln, verfolgen militante Palästinenser in der jüngsten Angriffswelle offenbar die Strategie, möglichst viele Raketen gleichzeitig abzufeuern.

Israels Militär: Mehr als 1000 Raketen aus Gazastreifen abgefeuert

Militante Palästinenser im Gazastreifen haben nach Angaben der israelischen Armee bislang mehr als 1000 Raketen auf Israel abgefeuert. Rund 850 Raketen seien abgefangen worden oder in Israel niedergegangen, etwa 200 weitere seien noch im Gazastreifen niedergegangen, sagte Militärsprecher Jonathan Conricus am Mittwochmorgen. Nach seinen Angaben starben in Israel bislang fünf Menschen durch Raketenbeschuss. Mehr als 200 weitere seien verletzt worden.

(Bild: Keystone)
Todesopfer bei Raketenangriffen auf Grossraum Tel Aviv

Bei den bisher schwersten Raketenangriffen auf Israels Küstenmetropole Tel Aviv seit Beginn des Nahostkonflikts sind mindestens drei Menschen getötet worden. Nach Angaben der Rettungsorganisation Zaka starb am Dienstagabend eine Frau in der Stadt Rischon Lezion bei einem direkten Einschlag, bei einer zweiten Angriffswelle am frühen Mittwochmorgen wurden dann in Lod bei Tel Aviv eine Frau und ein Kind getötet. In Jehud, ebenfalls im Grossraum Tel Aviv, sei ein Haus direkt getroffen worden. Israels Luftwaffe reagierte nach eigenen Angaben mit dem umfangreichsten Bombardement des Gazastreifens seit dem Gaza-Krieg von 2014. Palästinensische Quellen sprachen von Dutzenden Toten in dem abgeschotteten Küstengebiet.

Erneut Raketenalarm in Tel Aviv - Zwei Todesopfer aus Lod gemeldet

In der israelischen Küstenmetropole Tel Aviv ist am frühen Mittwochmorgen binnen kurzer Zeit mehrfach Raketenalarm ausgelöst worden. In der Stadt waren heulende Warnsirenen und mehrere Explosionen zu hören. «Familien werden aufgeweckt und eilig in Schutzräume gebracht», hiess es auf der Twitter-Seite der israelischen Armee. Auch in der Wüstenstadt Beerscheva im Süden des Landes sowie in der Küstenstadt Aschkelon gab es Raketenalarm.

UN-Sicherheitsrat erneut mit Notfallsitzung

Angesichts der zunehmend entfesselten Gewalt in Nahost soll der UN-Sicherheitsrat zum zweiten Mal binnen weniger Tage zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen. Die für Mittwochvormittag (Ortszeit) in New York angesetzten Beratungen wurden Diplomaten zufolge von China, Tunesien, Norwegen, Frankreich, Estland, Irland, St. Vincent und die Grenadinen, Niger und Vietnam initiiert. Der UN-Nahostbeauftragte Tor Wennesland soll das mächtigste UN-Gremium bei dem Treffen hinter verschlossenen Türen über die Lage informieren.

Der 15-köpfige Rat konnte sich bei einer ersten Sitzung am Montag nicht auf eine gemeinsame Stellungnahme einigen. Ein Entwurf Norwegens sah Kreisen zufolge neben der Verurteilung der Gewaltspirale zwischen Israelis und Palästinensern auch die Erklärung der Besorgnis über mögliche Vertreibungen von palästinensischen Familien aus Ost-Jerusalem vor. Diese Positionierung sei aber am Widerstand der USA gescheitert, hiess es.

Israel will Militäroperation gegen Gazastreifen notfalls ausweiten

Nach massiven Raketenangriffen militanter Palästinenser auf den Grossraum Tel Aviv hat Israels politische und militärische Führung harte Gegenangriffe angekündigt. Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte am Dienstagabend, die militanten Palästinenserorganisationen Hamas und Islamischer Dschihad würden einen hohen Preis für die jüngsten Angriffe auf Israel bezahlen. «Diese Operation wird Zeit brauchen, aber wir werden den Bürgern Israels die Sicherheit zurückbringen.»

Generalstabschef Aviv Kochavi sagte, Israel sei bereit, die Militäroperation «Wächter der Mauern» notfalls auszuweiten. Israels Armee habe seit Montag «bereits 500 Ziele im Gazastreifen angegriffen und Dutzende Terroraktivisten getötet», sagte er. Man sei fest entschlossen, den militanten Gruppierungen einen harten Schlag zu versetzen.

Video zeigt Einschlag von Rakete in Tel Aviv

Ein Video auf Twitter zeigt, wie am Dienstagabend eine Rakete in der Stadt Cholon einschlägt.

Ölpipeline in Israel bei Raketenangriff getroffen

Bei einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen ist am Dienstag nach Medienberichten eine wichtige Ölpipeline im Süden Israels getroffen worden. Fernsehbilder zeigten einen grossen Behälter, der in Flammen aufging. Die Leitung verläuft zwischen den Städten Aschkelon und Eilat.

Hamas bekennt sich

Es war der bisher schwerste Raketenangriff auf Israels Küstenmetropole Tel Aviv: Mindestens eine Frau wurde bei den Explosionen am Dienstagabend getötet. Nach Angaben der Rettungsorganisation Zaka starb sie in der Stadt Rischon Lezion bei einem direkten Einschlag. Mehrere Menschen wurden nach Angaben von Sanitätern bei den massiven Raketenangriffen von Militanten aus dem Gazastreifen verletzt. In Tel Aviv waren am Abend immer wieder schwere Explosionen zu hören.

Die islamistische Hamas erklärte noch am Abend, 130 Raketen aus dem Gazastreifen nach Tel Aviv und Zentralisrael abgefeuert zu haben.

Israelische Verteidigungsstreitkräfte: Hamas wollen Zivilisten töten

Wie die israelischen Verteidigungsstreitkräfte auf Twitter mitteilen, hat eine der Raketen in Tel Aviv einen Bus getroffen. «Die Hamas wollen klar israelische Zivilisten töten», so die Mitteilung. «Wir werden nicht zusehen und das geschehen lassen.»

In einem weiteren Tweet werden die die Orte, an denen alleine in der vergangenen halbe Stunde die Sirenen aufheulten, angezeigt:

Eine Tote bei Raketenangriffen auf Umgebung von Tel Aviv
 

In Cholon wurde ein Bus getroffen. (Bild: Keystone)

Bei einem Raketenangriff militanter Palästinenser im Gazastreifen auf die Umgebung von Tel Aviv ist dort am Dienstag eine Frau ums Leben gekommen. Nach Medienberichten starb in der Stadt Rischon Lezion eine Frau bei einem direkten Einschlag der Rakete. Die Rettungsorganisation Zaka bestätigte den Todesfall.

In der Stadt Cholon südlich von Tel Aviv wurde am Dienstagabend ein Bus getroffen, er brannte aus. Erste Berichte über den Tod einer Frau bei diesem Zwischenfall wurden später nicht bestätigt. Mindestens sechs Menschen wurden bei dem Raketenangriff verletzt, wie die die Zeitung «Times of Israel» unter Berufung auf Rettungsdienste berichtete.

Bisher schwerster Angriff dieser Art

Im Grossraum Tel Aviv wurde bei massiven Raketenangriffen nach Angaben von Sanitätern weitere Menschen verletzt. Es war der bisher schwerste Angriff dieser Art auf die Küstenmetropole. Die islamistische Hamas hatte zuvor mit Angriffen auf Tel Aviv gedroht.

Der militärische Hamas-Arm bekannte sich zu der massiven Attacke. Es seien vom Gazastreifen 130 Raketen auf den Grossraum Tel Aviv abgefeuert worden.

Der internationale Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv wurde wegen der Angriffe für Landungen und Abflüge geschlossen. Die Flüge wurden nach Zypern umgeleitet.

Tel Aviv unter Beschuss

Am Dienstagabend steht Tel Aviv unter Raketenbeschuss. Twitter-Videos zeigen die Angriffe. Die Lage soll schlimmer als 2012 und 2014 eskaliert sein. Auf den Videos sieht man die Raketen und hört die Alarm-Sirenen über der Stadt heulen.

Die Israelis ihrerseits schiessen die Raketen über der Stadt ab. Die meisten Raketen sollen abgewehrt worden sein, dennoch hat mindestens eine Rakete in Tel Aviv eingeschlagen, so Berichte.

Maas verurteilt Raketenangriffe auf Israel scharf

Bundesaussenminister Heiko Maas hat die massiven Raketenangriffe aus dem Gazastreifen auf Israel scharf verurteilt. «Dass es jetzt noch eine derartige Eskalation der Gewalt gibt, ist weder zu tolerieren noch zu akzeptieren, und das haben wir auch gegenüber der Palästinensischen Autonomiebehörde sehr deutlich gemacht», sagte Maas am Dienstagabend bei seinem Italien-Besuch in Rom. Die Raketenangriffe müssten sofort beendet werden. «Israel hat in dieser Situation das Recht auf Selbstverteidigung», fügte Maas hinzu.

Raketenalarm in Tel Aviv

In Israels Küstenmetropole Tel Aviv ist am Dienstagabend Raketenalarm ausgelöst worden. Im Stadtzentrum waren mehrere Explosionen zu hören.

Die israelische Armee hatte zuvor ein Gebäude mit Büros von Mitgliedern des Hamas-Politbüros und Sprechern der islamistischen Palästinenserorganisation im Gaza-Streifen zerstört. Die Anwohner des Gebäudes wurden vor dem Angriff von den israelischen Streitkräften gewarnt und angehalten, das Haus zu verlassen, wie Augenzeugen am Dienstagabend berichteten.

Ein Sprecher der Hamas hatte zuvor mit einem «harten» Raketenangriff auf Tel Aviv gedroht, sollte der «Hanadi-Turm» zerstört werden.

Konflikt intensiviert sich - viele Opfer in Israel und Gaza

Militante Palästinenser haben innerhalb eines Tages rund 480 Raketen aus dem Gazastreifen in Richtung Israel abgefeuert. Davon wurden rund 200 abgefangen und 150 schlugen beim Start fehl, wie das israelische Militär am Dienstagabend mitteilte. Die Armee geht aufgrund der Intensivierung der Raketenangriffe durch die im Gazastreifen herrschende, islamistische Hamas sowie die militante Gruppe Islamischer Dschihad von einer Zuspitzung des Gaza-Konflikts aus. Nach Angaben des Militärsprechers Jonathan Conricus würden die Raketen inzwischen auch auf weiter entfernte Orte im Norden des Küstengebiets abgefeuert.

Rund 480 Raketen wurden aus dem Gazastreifen Richtung Israel abgefeuert. (Bild: Keystone)

Nach Darstellung des Sprechers wurden bislang mindestens 20 Mitglieder der beiden Organisationen getötet, darunter hochrangige Vertreter. Zudem seien mehr als 150 Vorrichtungen zum Abschuss von Raketen attackiert worden. Laut Conricus wurden viele von diesen in Gebieten stationiert, in denen Zivilisten wohnen. Zivile Opfer könnten daher nicht ausgeschlossen werden, auch wenn sich die Armee darum sehr bemühe.

Das israelische Militär reagierte auf die hundertfachen Angriffe aus dem Gazastreifen mit Dutzenden Luftangriffen auf Ziele in dem Küstengebiet direkt am Mittelmeer. Auf beiden Seiten gab es Tote.

Zwei Frauen in Israel bei Raketenangriffen getötet

Bei massiven Raketenangriffen militanter Palästinenser im Gazastreifen auf die israelische Küstenstadt Aschkelon sind am Dienstag zwei Frauen getötet worden.

Die Rettungsorganisation Zaka teilte mit, die Frauen seien in zwei verschiedenen Wohnhäusern durch Treffer von Raketen ums Leben gekommen. Es sei auch schwerer Sachschaden entstanden.

Die Palästinenser hätten in einer besonders heftigen Salve mehr als 100 Raketen auf die Stadt gefeuert – offenbar, um die israelische Raketenabwehr zu überfordern und damit auszuschalten.

Kein Raketenalarm: Israels Krankenwagen ändern Ton

Angesichts der angespannten Sicherheitslage in Israel bekommen Krankenwagen dort neue Töne. Normalerweise hörten sich die Sirenen bei Einsätzen wie der Alarm bei Raketenbeschuss an, so der Rettungsdienst Magen David Adom am Dienstag in Tel Aviv. Das soll nun aufhören. Generaldirektor Eli Bin erklärte: «Um unnötige Ängste zu vermeiden, habe ich die Teams angewiesen, die Sirene zu ändern, damit die Öffentlichkeit zwischen einer Krankenwagensirene und Raketenalarm unterscheiden kann.»

Weil die Krankenwagen ähnlich wie der Raketenalarm klangen, haben die Ambulanzen den Ton geändert, damit die Bevölkerung sie unterscheiden kann. (Bild: Keystone)

Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern hat sich in den vergangenen Tagen wieder zugespitzt. Militante Palästinenser feuern aus dem Gazastreifen Raketen auf Israel. Israels Luftwaffe beschiesst Ziele in dem abgeschotteten Küstengebiet, das von der islamistischen Hamas beherrscht wird. Auf beiden Seiten gab es Todesopfer.

Militärsprecher: Israel erwartet Zuspitzung des Gaza-Konflikts

Israels Armee geht nach Angaben eines Sprechers von einer weiteren Zuspitzung des Gaza-Konflikts aus. Militärsprecher Jonathan Conricus begründete dies am Dienstagabend mit einer Intensivierung der Raketenangriffe durch die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas und die militante Gruppe Islamischer Dschihad. Zudem würden die Raketen von dort inzwischen auf weiter entfernte Orte im Norden des Küstengebiets abgefeuert.

Nach Angaben des Sprechers wurden seit Beginn der neuen Auseinandersetzungen mindestens 20 Mitglieder beider Organisationen getötet. Zudem habe Israel mehr als 150 Vorrichtungen zum Abschuss von Raketen attackiert. Conricus zufolge sind viele davon in Gebieten stationiert, in denen Zivilisten wohnen. Zivile Opfer könnten daher nicht ausgeschlossen werden, auch wenn sich die Armee darum sehr bemühe.

Arabische Liga macht Israel verantwortlich für neue Gewaltwelle

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Abul Gheit, hat Israel allein für die jüngste Gewaltwelle in der Region verantwortlich gemacht. Zugleich forderte er den UN-Sicherheitsrat zum Handeln auf. «In den vergangenen Wochen gab es keinen einzigen Vorfall, in dem die Gewalt auf Seite der Palästinenser begann», sagte Abul Gheit in einer Videoschalte der Liga-Aussenminister am Dienstag. Die Angriffe Israels seien «willkürlich» und «unverantwortlich», hiess es in einer Stellungnahme der 22 Mitglieder, zu denen auch die Palästinensischen Autonomiegebiete gehören.

Der Generalsekretär warf Israel eine «rücksichtslose Politik» vor. «Es ist die Besatzungsmacht, die militärische Macht und faktische Kontrolle hat, und es ist dieselbe Partei, die zu Gewalt und Provokation anstiftet.» Mit Bezug auf die Zusammenstösse in Jerusalems Altstadt vor der Al-Aksa-Moschee heisst es in der Erklärung, Israel habe die heiligste islamische Stätte im für Muslime heiligsten Monat Ramadan angegriffen.

Netanjahu kündigt härtere Angriffe im Gazastreifen an

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat eine Verschärfung der Angriffe im Gazastreifen angekündigt.

Die militante Palästinenserorganisation Hamas, die den Küstenstreifen am Mittelmeer beherrscht, werde «Schläge bekommen, die sie bislang nicht erwartet», sagte Netanjahu am Dienstag nach Angaben seines Büros nach einer Lagebesprechung mit Militärs. «Wir sind mitten im Kampf.»

 

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigt härtere Angriffe im Gazastreifen an. (Bild: Keystone)

Israel habe seit Montag Hunderte von Zielen der Hamas und des Islamischen Dschihads im Gazastreifen angegriffen und dabei auch Kommandeure getötet, sagte Netanjahu weiter. Die Aktion bekam inzwischen auch einen eigenen Namen: «Wächter der Mauern». Zuvor hatten militante Palästinenser ihre Angriffe ausgeweitet und hunderte Raketen abgefeuert. Auf beiden Seiten gab es Tote.

Palästinenser und Israel fliegen gegenseitige Raketenangriffe
Ein durch israelische Raketen zerstörtes Gebäude im Gazastreifen. (Bild: Keystone)

Militante Palästinenser haben laut dem israelischen Militär bislang mehr als 200 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert. Israel schlägt zurück. Alles dazu lesen Sie hier.

Entzündet sich am Pulverfass Jerusalem ein neuer Gaza-Krieg?

Der neue Ausbruch der Gewalt zwischen Israel und den Palästinensern ist der heftigste seit Jahren. Dutzende Raketen werden aus dem Gazastreifen auf israelische Städte abgeschossen, Zivilisten fliehen panisch in Schutzräume.

Israels Luftwaffe bombardiert Ziele in dem Palästinensergebiet am Mittelmeer, Menschen werden getötet. Auf dem Tempelberg in Jerusalem gibt es schwere Zusammenstösse muslimischer Gläubiger mit der israelischen Polizei. In zahlreichen arabischen Ortschaften in Israel kommt es zu Ausschreitungen wie seit langem nicht mehr.

(Bild: Keystone)

Die Gewalt hat sich scheinbar plötzlich entladen – die Spannungen zwischen beiden Seiten brodeln allerdings schon seit einem Monat. Was sind die Auslöser dieser neuen gefährlichen Eskalation?

Sperrzäune und  Krawalle

Als Ausgangspunkt gilt der Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan am 12. April. Palästinenser in Jerusalem reagierten zornig darauf, dass die israelische Polizei Sperrzäune am Damaskustor aufstellte. Dies hinderte sie daran, sich auf Treppenstufen des Vorplatzes zu setzen, der im Ramadan als beliebtester Treffpunkt gilt. Viele junge Palästinenser im arabisch geprägten Ostteil der Stadt sehen darin eine Demütigung.

Die Palästinenser werfen der Polizei auch vor, auf dem Tempelberg (Al-Haram al-Scharif) gewaltsam gegen Muslime vorzugehen. Die Anlage mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee ist die drittheiligste Stätte im Islam. Sie ist aber auch Juden heilig, weil dort früher zwei jüdische Tempel standen. Nach israelischer Darstellung haben Palästinenser die Krawalle lange vorbereitet und in der Moschee auch Steine gehortet. Für Zunder sorgt auch die drohende Zwangsräumung palästinensischer Familien im Viertel Scheich Dscharrah.

Angriffe auf Juden und Absage der Palästinenserwahlen

Unter arabischen Einwohnern bestehe grosse Sorge, «dass Israel sie enteignen und dazu zwingen will, die Stadt zu verlassen», sagt der palästinensische Politikwissenschaftler Dschihad Harb. «Es herrscht ein Gefühl der grossen Verzweiflung – nicht nur in Jerusalem, sondern in den gesamten besetzten Gebieten. Es gibt keine Perspektive, keine Friedensverhandlungen, keine politische Lösung.» Der Traum eines unabhängigen Palästinenserstaates sei immer weiter in die Ferne gerückt, während Israel seine Siedlungen ausbaue.

Angeheizt wurden die Spannungen von Videos, die Angriffe junger Araber auf strengreligiöse Juden in Jerusalem zeigten. Dies rief wiederum ultrarechte jüdische Gruppen auf den Plan. Im Westjordanland mehrten sich wieder Anschläge und tödliche Vorfälle. Weiterer Grund für den Frust unter jungen Palästinenser: die Absage der dortigen, für den 22. Mai geplanten Parlamentswahl. Es wären die ersten seit 15 Jahren gewesen.

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