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Der Telebasel News Beitrag vom 11. Mai 2021.
Baselland

Gegenwind für Münchensteiner Quartierplan

In Münchenstein ist ein Referendum gegen die Baupläne auf dem vanBaerle-Areal zustande gekommen. An zentralster Lage soll dort ein neues Wohnquartier entstehen.

Kaum ein anderer grosser zukünftiger Bauplatz im Baselbiet ist derzeit so gut erschlossen, wie das vanBaerle-Areal in Münchenstein. Das Tram und die S-Bahn sind in wenigen Minuten zu Fuss zu erreichen. Auch die Autobahnauffahrt liegt in unmittelbarer Nähe. Hier soll in den nächsten Jahren ein komplett neues Wohnquartier entstehen. Gleich neben dem Areal liegen zudem diverse Gewerbegebiete.

Die Gemeindeversammlung hat dem Quartierplan am 22. März zwar zugestimmt, einige Einwohnerinnen und Einwohner haben aber das Referendum ergriffen. Dieses ist mit 752 Unterschriften zustande gekommen, nötig waren deren 500.

Neues Quartier orientiere sich nur an Rendite

David Huggel ist Mitglied der Referendumsgruppe und sitzt für die SP in der Gemeindekommission. Für ihn ist das Projekt durch und durch auf Rendite getrimmt, daher die starke Verdichtung. Die Architektur sei zudem langweilig und nicht ansprechend, sagt er gegenüber Telebasel.

Es fehle ihr an Elementen, welche dem neuen Quartier eine Identität geben könnten. Er sei überzeugt, dass mit etwas mehr Kreativität, wie etwa einem Spielplatz auf einer schiefen Ebene, mehr Leute fürs Wohnen an diesem Ort begeistert werden könnten.

Gemeinde hofft auf Vorzeigeprojekt und Wachstum

Für den Gemeinderat hingegen ist das Projekt in der jetzigen Form optimal. Für die starke Verdichtung mit 415 Wohnungen und 1’310 Zimmern spreche nicht nur die sehr gute Erschliessung des neuen Quartiers. Mit der modernen Konstruktionsweise liesse sich auch äusserst energieeffizient bauen. GLP-Gemeinderat Daniel Altermatt spricht diesbezüglich von einem Vorzeigeprojekt. Zudem seien auch gemeinnützige Wohnungen, Grünflächen und ein neuer Kindergarten vorgesehen.

Das wichtigste Argument für den Quartierplan aus Sicht von Münchenstein sei jedoch, dass die Gemeinde wachsen müsse. Das Wachstum müsse zumindest auf dem selben Niveau wie der Kantonsschnitt sein. Die Kosten für die Gemeinde-Infrastruktur würden immer grösser und dies liesse sich auf Dauer nur mit mehr Einwohnerinnen und Einwohnern finanzieren. Und da Münchenstein quasi keine Baulandreserven mehr hat, könne die Gemeinde praktisch nur noch durch die Umnutzung von alten Industrieflächen wachsen. Altermatt spricht davon, dass die alten Areale quasi recycelt werden.

Die Gefahr, dass Münchenstein in ein strukturelles Defizit kommen könnte, sieht auch David Huggel. Nur gebe es in der Gemeinde bereits mehrere Projekte, welche zu einem Bevölkerungswachstum führen sollen. Er erwähnt etwa den Spenglerturm oder die Quartierpläne Dychrain Ost und Dychrain West. Daher könne man es sich durchaus leisten, auf dem vanBaerle-Areal etwas weniger dicht zu bauen.

Unklar, was bei einem Nein passiert

Voraussichtlich im September sollen die Münchensteinerinnen und Münchensteiner über den Quartierplan abstimmen. Sollte das Vorhaben an der Urne scheitern, ist noch unklar, wie es weiter gehen würde. Allenfalls würde der Investor, die Firma Halter in Schlieren, einen neuen Anlauf für einen Quartierplan wagen. Das Areal könnte aber auch in Regelbauweise überbaut werden, was nicht gerade attraktiv wäre, wie Gemeinderat Altermatt meint.

David Huggel auf der anderen Seite, würde sich bei einem Nein eine längere Denkpause wünschen. Diese würde Raum für eine Zwischennutzung auf dem Areal schaffen. Zudem ist er überzeugt, dass sich, wenn nötig, relativ einfach ein neuer Investor für das attraktive Gelände finden lasse.

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