Die Öffnung der Terrassen sorgte hierzulande lange für Diskussionen. In Deutschland sind sie derweil noch immer geschlossen. (Bild: Keystone)
Schweiz

Deutscher Journalist schwärmt von «Schweizer Freiheit»

Die hiesigen Terrassen-Öffnungen lassen deutsche Augen eifersüchtig auf die Schweiz schielen. Die «Schweizer Freiheit» wird in den Medien gelobt.

Die Schweiz als Paradies? Erneut schwärmt mit der «Frankfurter Allgemeinen» ein deutsches Medium von den Lockerungen in der Schweiz – Mitte April tat das bereits die «Bild».

Der Hauptgrund: Die Öffnung der Restaurantterrassen. «Doch es gibt noch gute Laune auf Erden, Lebensfreude, Alltagsgenuss, das grosse Glück der kleinen Freiheit – in der Schweiz zum Beispiel, die vor ein paar Tagen ihre Aussengastronomie wieder geöffnet hat, in Basel, in Bern, in Zürich, überall», schreibt Jakob Strobel y Serra, der bei der «FAZ» stellvertretender Leiter des Feuilletons ist.

«Wir sind an der Limmat gewesen und haben das Unglaubliche gesehen: Zürich lächelt, Zürich lacht», so der Autor weiter. Die ganze Stadt scheine nur auf diesen Augenblick gewartet zu haben und sitze jetzt geschlossen auf den Terrassen der Restaurants, Bars und Cafés, wie der Autor weiter anführt.

«Es ist ein seltsam bedrückend beglückendes Gefühl, weil diese Menschen uns zeigen, in welch seltsamer Welt wir in Deutschland gerade leben und in welcher viel schöneren wir doch leben könnten», so Strobel y Serra.

Strengere Regeln in Deutschland

Im Nachbarland sind die Corona-Regeln, wie in fast ganz Europa, derzeit strenger als in Europa. So greift in Deutschland derzeit eine Corona-Notbremse, wenn die Zahl der Neuinfektionen pro 100’000 EinwohnerInnen und Woche in einem Kreis an drei Tagen in Folge über 100 liegt. Dies hat Ausgangssperren und weitere Beschränkungen zur Folge.

Die Schweizer seien aber nicht naiv oder gedankenlos, sondern einfach weniger paranoid als die Deutschen, schreibt der Autor in seinem Beitrag. Der «Schweizer Weg» findet beim Deutschen Journalisten Anklang: «Es ist ein Fanal: Das Leben kann auch weitergehen».

Das Loblied des Autors, dass von Sätzen wie «die Freiheit ist ein höheres Gut als der absolutistische Gesundheitsschutz» begleitet wird, lässt jedoch aus, dass die Ansteckungszahlen in der Schweiz immer weiter steigen. Der Autor erwähnt in seinem Artikel zwar die Ansteckungszahlen, die in der Schweiz «weder besser noch schlechter» seien als in Deutschland. Ansonsten beschränkt sich der Artikel aber weitgehend auf die Lockerung der Massnahmen und das vom Autor empfundene andere Lebensgefühl in der Schweiz.

Lob und Kritik in der Schweiz selber

In der Schweiz wurden die jüngsten Öffnungsschritte von Politik und Wirtschaft zwar ebenso begrüsst: Neben den Restaurantterrassen haben seit dem 19. April auch die Kinos und Fitnesscenter wieder geöffnet, was bei den betroffenen Branchen für eine positive Resonanz sorgte.

Doch die Lockerungen sorgen auch für harsche Kritik bei wissenschaftlichen Experten in der Schweiz: Kurz nach den Öffnungen machte etwa der Basler Professor Dominique de Quervain Schlagzeilen, als er aus der wissenschaftlichen Taskforce des Bundes austrat. Er erhebt schwere Vorwürfe: «Hätte der Bundesrat die Taskforce vor seiner Entscheidung konsultiert, wäre es klar geworden, dass er mit den Öffnungen vom 19. April sehr viele Schwerkranke und Tote in Kauf nehmen würde», so de Quervain.

Den von den deutschen Journalisten gelobte «Schweizer Weg» kritisiert de Quervain scharf:  «Der Schweizer Weg hat in der zweiten Welle tausenden Menschen das Leben gekostet».

2 Kommentare

  1. Die gleichen Journalisten kritisieren dann die Schweiz, falls die Ansteckungen wieder nach oben gehen🤷🏻‍♂️… Journalisten ebenReport

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