Von den insgesamt 7'397 Haftplätzen in den 92 Justizvollzugseinrichtungen waren 85,4 Prozent belegt. (Symbolbild: Keystone)
Schweiz

So wenige Inhaftierte wie seit 2011 nicht mehr

6'316 Menschen waren am 31. Januar 2021 in der Schweiz in Haft. Das sind 8,4 Prozent weniger als am gleichen Stichtag 2020.

Der Anteil der Personen in Sicherheits- oder Untersuchungshaft ist indes im gleichen Zeitraum um 4,4 Prozent gestiegen von 1’902 auf 1’986.

Bei allen anderen Haftformen gingen die Zahlen zurück, wie die Aufstellung des Bundesamts für Statistik vom Dienstag zeigt. Am stärksten war dies bei den Zwangsmassnahmen nach Ausländergesetz der Fall: Ende Januar 2021 waren 115 Personen deswegen inhaftiert, ein Jahr davor waren es mehr als doppelt so viele gewesen (267). Im vorzeitigen Strafvollzug sank die Anzahl Häftlinge um 8,4 Prozent, im allgemeinen Strafvollzug um 10,8 Prozent.

Von den insgesamt 7’397 Haftplätzen in den 92 Justizvollzugseinrichtungen waren 85,4 Prozent belegt. So viele freie Plätze in Schweizer Haftanstalten gab es zuletzt im Jahr 2003. Bei der reinen Anzahl Gefangenen muss man ein bisschen weniger weit zurückgehen, allerdings auch um zehn Jahre: 2011 waren letztmals weniger Personen in der Schweiz hinter Schwedischen Gardinen als 2021.

Glücklose Ausbrecher, wenig Todesfälle

Bezüglich Ausbrüchen war 2020 ein relativ gutes Jahr für den Schweizer Freiheitsentzug: Von den zwölf Personen, welche die Fliege machten, kamen zwei von alleine zurück und acht wurden innerhalb von nur einer Woche eingefangen. Eine weitere Person ging den Ordnungskräften innerhalb des Berichtsjahrs ins Netz. Nur eine Person hat das Weite nachhaltig gesucht und gefunden.

Die Ausbrecherzahl variiert allerdings von Jahr zu Jahr erheblich: 2019 gelang die Flucht 19 Personen, 2018 entflohen deren acht. Am wenigsten Häftlinge entwischten in jüngster Zeit im Jahr 2015, als nur drei erfolgreich türmten, am meisten stahlen sich 2011 davon, nämlich 25.

Todesfälle gingen im Haftjahr 2020 zurück, und zwar überproportional: Neun Menschen sind im Schweizer Freiheitsentzug gestorben, nur halb so viele wie im Jahr davor. Zwei davon waren 2020 Suizide, 2019 hatte es deren acht gegeben. In beiden Jahren erfolgten die Hälfte der Suizide in Untersuchungshaft.

Fast jeder 4. U-Häftling sitzt in Genf

Die knapp 2’000 Untersuchungshäftlinge verteilen sich grosso modo auf die Kantone in Korrelation zur Einwohnerzahl. Eine deutliche Ausnahme ist Genf. Der Kanton verzeichnet weitaus am meisten Untersuchungshäftlinge, obwohl er bezüglich Einwohnerzahl nur an sechster Stelle steht: 450 von gesamtschweizerisch 1’986, also fast jeder vierte Untersuchungshäftling des Landes sitzt in einer Genfer Vollzugsanstalt ein.

An zweiter Stelle rangiert Zürich, der bevölkerungsreichste Kanton, mit knapp 400 U-Häftlingen oder 20 Prozent, gefolgt von der Waadt mit etwas mehr als 300 Untersuchungshäftlingen, über den Daumen gepeilt 15 Prozent.

Fast jeder 2. U-Häftling ist Kriminaltourist

Wie schon seit Jahren hatte fast die Hälfte der Insassen in Untersuchungshaft ihren Wohnsitz im Ausland. 47,6 Prozent der U-Häftlinge waren solche «Kriminaltouristen», leicht mehr als im Jahr davor, aber weniger als 2019. Schweizer machten 22,15 Prozent der Insassen in Untersuchungs- oder Sicherheitshaft aus – ungefähr wie in den Jahren davor.

Die Frauenquote in U-Haft betrug Ende Januar dieses Jahres 7,3 Prozent. Der Anteil des weiblichen Geschlechts in dieser Haftform steigt seit Jahren an – langsam aber stetig: Vor zehn Jahren stellten Frauen noch 6,3 Prozent der U-Häftlinge.

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