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Der Telebasel News-Beitrag vom 25. April 2021.
Baselland

Jeder Mensch hat das Recht auf sexuelle Gesundheit

Die kantonale Beratungsstelle für Schwangerschafts- und Beziehungsfragen setzt sich seit 45 Jahren für die sexuelle Gesundheit ein.

Jeder Mensch hat ein Recht auf Gesundheit – auch auf sexuelle. Damit jede Person frei von Diskriminierung und Zwang über seine Sexualität bestimmen kann, gibt es nationale Beratungsstellen, die Aufklärungsarbeit leisten. So auch die Kantonale Beratungsstelle für Schwangerschafts- und Beziehungsfragen in Binningen. Die Fachstelle für sexuelle Gesundheit feiert in diesem Jahr 45-jähriges Jubiläum.

Doch was ist überhaupt sexuelle Gesundheit? Zunächst einmal ist sie untrennbar von der Gesundheit insgesamt zu betrachten. Es geht aber auch um das Wohlbefinden und die Lebensqualität an sich. Sexuelle Gesundheit ist ein Zustand des körperlichen, emotionalen, mentalen und sozialen Wohlbefindens in Bezug auf die Sexualität – und nicht nur das Fehlen von Krankheit, Funktionsstörungen oder Gebrechen.

Beratungsstelle für alle

Was vor 45 Jahren als Beratungsstelle für Frauen angefangen hat, ist mittlerweile ein Ort, an dem sich Personen jedes Geschlechts, jeder sexuellen Orientierung oder Religion beraten lassen können. «Jetzt sind wir offen für alle Bevölkerungen, auch für Menschen mit einer psychischen, körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung. Wir sind hier für Institutionen und Fachstellen. Der Austausch mit anderen Fachstellen ist etwas ganz Wichtiges für die Weiterentwicklung von uns und der Professionalität», sagt die Leiterin der Fachstelle Elisabeth Bammatter.

Weiterentwickeln würde sich die Arbeit auch wegen Veränderungen in der Gesetzeslage. So war ein Schwangerschaftsabbruch in den ersten 12 Wochen bis 2002 verboten. Auch wegen solcher Veränderungen wandeln sich die Fragen der Kunden laufend. «Die Bedürfnisse unterscheiden sich. Auch dieses Spektrum hat sich geöffnet. Es kommen alle Fragen zum Thema sexuelle Gesundheit. Und es ist immer der psychosoziale Aspekt, also nicht der medizinische Aspekt. Der wird anders abgedeckt. Aber zum Beispiel Schwangerschaft und Arbeit oder Schwangerschaft und Beziehung», erklärt Elisabeth Bammatter.

Je nach Alter verschiedene Interessen

Gemäss der Sexual- und Paartherapeutin werden auch verschiedene Interessen je nach Altersgruppe in den Fokus gerückt. «In den Schulen gibt es natürlich alle Fragen zum Thema Pubertät. Was ist normal? Bin ich normal? Diese Auseinandersetzung. Was kommt auf mich zu?

Bei etwas älteren Personen kommt der Beziehungsaspekt dann dazu. Da haben wir den Auftrag, die Beziehungsfragen zu klären. Dann kommt auch der Aspekt: Möchte ich Kinder, oder möchte ich keine Kinder? Ich bin schwanger, möchte ich diese Schwangerschaft fortführen?», so Bammatter.

Das Thema Verhütung werde ebenfalls immer wichtiger in einer Partnerschaft – gerade auch aus Sicht der Männer. Früher wurde die Verhütung eher als Frauensache abgetan. Heute interessierten sich immer mehr Paare auch für das Thema Vasektomie, also den chirurgischen Eingriff zur Sterilisation des Mannes, und sich dazu in der Fachstelle beraten lassen.

Es seien aber auch gesellschaftliche Veränderungen spürbar, sagt die Beraterin. «Es gab eine wirklich wichtige Änderung der Haltung. Die Gesellschaft kam von der Gefahren- und Angst machenden Krankheitsprävention weg hin zur gesundheitsfördernden.» Dadurch stehen Aspekte wie die sexuelle Lust und die eigene Orientierung mehr im Vordergrund, als die Angstmacherei vor Schwangerschaft oder sexuelle Gewalt. Diese Aspekte seien zwar auch wichtig und ein Teil davon, aber eben nicht mehr der primäre Aufhänger der sexuellen Gesundheit.

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