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(Video: Youtube)
International

Deutsche Schauspieler kritisieren mit #allesdichtmachen Corona-Politik

Rund 50 prominente Film- und Fernsehschauspieler sorgen mit einer grossangelegten Internetaktion unter dem Motto #allesdichtmachen für Aufsehen.

Künstler wie Ulrich Tukur, Volker Bruch, Meret Becker, Ulrike Folkerts, Richy Müller, Heike Makatsch, Jan Josef Liefers und viele weitere verbreiteten am Donnerstag, 22. April, bei Instagram und auf der Videoplattform Youtube gleichzeitig ironisch-satirische Clips mit persönlichen Statements zur Coronapolitik der Bundesregierung. Andere prominente Schauspielkollegen reagierten entsetzt.

Wie die Aktion koordiniert wurde, war zunächst nicht bekannt. Die Hashtags #allesdichtmachen, #niewiederaufmachen und #lockdownfürimmer wurden am Abend binnen kurzer Zeit zu den am meisten verwendeten bei Twitter in Deutschland.

«Schliessen Sie ausnahmslos jede menschliche Wirkungsstätte und jeden Handelsplatz», fordert etwa Tukur die Bundesregierung auf. «Nicht nur Theater, Cafés, Schulen, Fabriken, Buchhandlungen, Knopfläden nein, auch alle Lebensmittelläden, Wochenmärkte und vor allem auch all die Supermärkte.» Und er fügt hinzu: «Sind wir erst am Leibe und nicht nur an der Seele verhungert und allesamt mausetot, entziehen wir auch dem Virus und seiner hinterhältigen Mutantenbagage die Lebensgrundlage».

Richy Müller atmet in zwei Tüten

Jan Josef Liefers bedankt sich in seinem Clip mit ironischem Unterton «bei allen Medien unseres Landes, die seit über einem Jahr unermüdlich verantwortungsvoll und mit klarer Haltung dafür sorgen, dass der Alarm genau da bleibt, wo er hingehört, nämlich ganz, ganz oben».

Richy Müller atmet in seinem Clip abwechselnd in zwei Tüten und kommentiert ironisch: «Wenn jeder die Zwei-Tüten-Atmung benutzen würde, hätten wir schon längst keinen Lockdown mehr. Also bleiben Sie gesund und unterstützen Sie die Corona-Massnahmen. Ich geh jetzt mal Luft holen».

In den sozialen Medien stiess die Aktion teilweise auf begeisterte Zustimmung, aber vor allem bei Prominenten auch auf sehr heftige Ablehnung. «Die Schauspieler*innen von #allesdichtmachen können sich ihre Ironie gerne mal tief ins Beatmungsgerät schieben», twitterte Moderator Tobias Schlegl, der auch Notfallsanitäter ist.

Schauspieler Marcus Mittermeier kommentierte: «Niemand hat mich gefragt, ob ich bei #allesdichtmachen mitmachen will. Gott sei Dank!» Der Pianist Igor Levit twitterte: Die stumpfste Waffe gegen die Pandemie sei «schlechter, bornierter Schrumpfsarkasmus, der letztendlich bloss fader Zynismus ist, der niemandem hilft. Nur spaltet».

«Grösster Erfolg der Querdenkerzene»

Medienjournalist Stefan Niggemeier vom Onlinemagazin «uebermedien.de» schrieb von «ekliger Ironie» und einem «Dammbruch», der zugleich der «grösste Erfolg der Querdenkerzene bisher» sei. Der Grünen-EU-Abgeordnete Erik Marquardt kritisierte, er finde die Aktion schlecht und «sehe sie als Ausdruck einer zunehmenden Resignation von eigentlich Vernünftigen».

Weitere prominente Schauspieler mischten sich via Instagram in die Diskussion ein. Elyas M’Barek schrieb: «Mit Zynismus ist doch keinem geholfen». Jeder wolle zur Normalität zurückkehren, und das werde auch passieren. Hans-Jochen Wagner nannte die Aktion peinlich. Er verstehe sie nicht, schrieb der Schauspieler, der an Liefers gerichtet fragte: «Das kann doch nicht Dein Ernst sein». Christian Ulmen fühlte sich sogar an den rechten Verschwörungserzähler Ken Jebsen erinnert: Dieser «hätte es nicht schöner sagen können». Nora Tschirner warf den Machern der Clips Handeln aus Langeweile und Zynismus vor.

Satiriker Jan Böhmermann hielt der Aktion bei Twitter entgegen, das einzige Video, das man sich ansehen solle, «wenn man Probleme mit Corona-Eindämmungsmassnahmen hat», sei die ARD-Doku aus der Berliner Charité mit den Titel «Station 43 – Sterben». Dazu stellte er den Hashtag #allenichtganzdicht und einen weinenden Smiley.

«Das ist intelligenter Protest»

Beifall gab es dagegen vom früheren Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maassen, der die Aktion auf Twitter «grossartig» nannte. Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit sprach von einem «Meisterwerk», das «uns sehr nachdenklich machen» sollte. Die AfD-Bundestagsabgeordnete Joana Cotar twitterte: «Das ist intelligenter Protest.» Sie feiere Jan Josef Liefers.

Die Kunst- und Kulturszene leidet seit mehr als einem Jahr schwer unter den Corona-Massnahmen. Laut dem Bundesverband Schauspiel (BFFS) etwa haben viele der SchauspieleInnen in Deutschland seit März 2020 kaum Einkommen. Dem Verband zufolge leben zwei Drittel bis drei Viertel aller Schauspielerinnen und Schauspieler von Gastverpflichtungen an Theatern, die aktuell nicht oder kaum arbeiten können. In Deutschland gibt es insgesamt etwa 15’000 bis 20’000 Schauspieler.

4 Kommentare

  1. Das ist doch mal ein Protest auf hohem Niveau der Anerkennung verdient und bei dem man nun wirklich weder eine rechte Nähe zur AFD noch eine zu den Weltuntergangsspinnern erkennen kann. Wer das behauptet, hat nicht zugehört oder hat es nicht verstanden. Das Recht auf freie Meinungsäußerung vermisse ich seit 1 Jahr. Man hat den Eindruck, dass die gesamte Medienberichterstattung zur Coronapolitik vom RKI bestimmt wurde.Report

  2. Solche Schauspieler wie Liefers und Co müssen wissen wem sie mit diesen Videos dienen. Am schlimmsten fand ich das Video von Richy Müller.Report

  3. Ich bin Krankenschwester in einer Kleinstadt mit ca. 40000 Einwohner , ich bin Mutter von 2 Grundschüler. Ich bin also gerade auch Lehrerin und Freundin und muss viel ausgleichen. Weil im OP gerade nur das Notprogramm läuft um vor allem die Intensivstation zu entlasten sind meine Anästhesiepflegekollegen/Innen und ich zurzeit auf der Intensivststation eingesetzt um die Schwestern und Pfleger in ihrem Kampf gegen Corona zu unterstützen. Ich sehe dort verzweifelte infizierte Menschen, die sämtliche Muskeln ihrer Atemhilfsmuskulatur benutzen für einem Atemzug, für ein Wort, für einen Schluck zu trinken. Ich sehe ihren Blick, ihre Angst und Panik. Ich sehe Menschen, die intubiert sind und wie ihre Chancen schwinden. Ich sehe Hubschrauber landen um Coronapatienten in größere Krankenhäuser zu verlegen, damit Beatmungsplätze frei bleiben für die, die sie brauchen. Ich sehe Intensivpfleger/Innen, die stundenlang in ihrem Anzügen schwitzen um das Leben der infizierten Patienten kämpfen. Sie sind übrigens auch Eltern, Lehrer/Innen und gleichen viel aus daheim. Ich sehe Ärzte, die kämpfen. Ich sehe gerade eine Politik, die nicht bis zu Ende denkt….zu späte Entscheidungem trifft, konfus ist, zu spät für Impfstoff sorgt, dumme Sachen beschließt um die um zu beschließen, am Ende aber sind Abstand, Maske und Stille wichtig. Es ist auch für uns Pflegende hart. Wir sind auch Eltern, Kinder, Tanten und Onkels, Freunde und wir gehen gern essen, was trinken und in Kinos. Wir lieben auch die Freiheit. Wir möchten auch alles so machen, wie wir es gern hätten. Aber das ist eine Zeit der Einschränkung. Wir Pflegende haben aber eine zusätzliche Belastung: Der Kampf die infizierten Menschen zu retten.
    Würde man alles öffnen, würde man wohl Lose ziehen müssen, wer einen Beatmungsplatz erhält und wer leider leer ausgeht und jämmerlich ersticken muss. Muss man so etwas den Ärzten und Pflegenden auch noch zu muten zu entscheiden welcher Coronainfizierte leben oder sterben muss?
    Ich bin entsetzt über diese Satire und würde Sie gern einmal einladen zu einer Früh-Spät und Nachtschicht stundenlang in einem Plastikanzug herum zu rennen, der den Effekt von einem Saunagang hat, mit doppelten Handschuhen, Kopfhaube und Brille zusätzlich wohlbemerkt. Sehen Sie die infizierten Menschen. Sehen Sie die Pfleger/Innen. Ich bin sicher, dass Ihre Satiere ein jähes Ende hätte. Ich habe auch Zukunftssorgen um die Kinder, die Wirtschaft und und und wie jeder andere.
    Was Sie, liebe gut situierte Schauspieler/Innen die ich einmal geschätzt habe, die groß geworden sind durch uns Zuschauer, da gesagt haben, beschämt die Ärzte-und Pflegeschaft zutiefst. Letztes Jahr hat man uns beklatscht…. Wir konnten uns nichts kaufen dafür, aber es war eine Art Anerkennung. Ein Jahr später folgt kein Applaus sondern eine Satiere von Ihnen.
    Sie sollten sich alle schämen. Was Sie anrichten könnte eine Welle auslösen, die uns in den Krankenhäusern dermaßen trifft, dass wir letztendlich doch noch losen müssen, wer leben und wer sterben muss….. LIEFERS ODER BRUCH, Sommer oder Müller…. .
    Sie Schauspieler sind einfach Schauspieler. Das können Sie gut. Werden Sie echt und besuchen Sie die Intensivstation und auch die Kinderintensiv, auf der Sie 8 Jährige sehen, für aufgrund von Corona um Ihr Leben kämpfen.
    Aber bleiben Sie lieber bei Ihrer Satire. Die Echtheit live würden Sie gar nicht verkraften.
    Bleiben Sie gesund.Report

  4. Ironie gehört einfach mit
    zur „individuellen Überlebungskunst“!!
    …… drücke ganz fest die Daumen,
    dass diese #fürmichsehrmutigen#
    Schauspieler*innen nun nicht „verachtet“
    werden, sondern ganz liberal
    betrachtet werden 🍀🍀🍀Report

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