Trat nach den jüngsten Lockerungen des Bundesrats aus der Science Taskforce des Bundes aus: Der Basler Professor Dominique de Quervain. (Bild: Archiv Telebasel)
Basel

«Bundesrat nimmt mit Öffnungen sehr viele Tote und Schwerkranke in Kauf»

Der Basler Professor Dominique de Quervain erhebt schwere Vorwürfe gegen den Bundesrat. Die Lockerungen hätten fatale Folgen, sagt er.

Mit Dominique de Quervain hat vergangenen Freitag ein weiterer Basler die Science Taskforce des Bundes verlassen. Dies nach den Lockerungen, die der Bundesrat am Mittwoch davor beschlossen hatte. Der Professor an der Uni Basel meldet sich nun erneut auf Twitter. Unter dem Hashtag #Klartext veröffentlicht de Quervain mehrere Einträge, in denen er den Bundesrat scharf kritisiert.

«Hätte der Bundesrat die Taskforce vor seiner Entscheidung konsultiert, wäre es klar geworden, dass er mit den Öffnungen vom 19. April sehr viele Schwerkranke und Tote in Kauf nehmen würde», schreibt de Quervain. Damit schlägt der Basler Professor nicht nur in Hinblick auf gesundheitliche Bedenken Alarm: Er sagt, dass der Bundesrat die wissenschaftliche Sichtweise der Taskforce überhaupt nicht angehört hat, bevor er die Lockerungen beschloss.

«Dritte Welle wird vor allem Menschen im mittleren Alter treffen»

«Mit der Nicht-Konsultation der Taskforce (sie war über die Pläne nicht informiert) verweigerte der Bundesrat die wissenschaftliche Beratung und vor allem eine zeitgerechte Aufklärung der Öffentlichkeit über die Konsequenzen seines Vorhabens», klagt de Quervain an.

Dabei werde die dritte Welle vor allem Menschen im mittleren Alter treffen, schreibt er weiter. «Besonders tragisch, da sie nur noch Wochen von der Impfung entfernt sind», kommentiert der Professor an der Basler Uni.

Drei-Phasen-Modell kritisiert

Auch das Drei-Phasen-Modell zu den weiteren Lockerungsschritten, dass Gesundheitsminister Alain Berset am Mittwoch vorstellte, kritisiert de Quervain. «Angesichts der Berechnungen der Taskforce mit den zu erwartenden Schwerkranken und Toten ist es zynisch, die jetzige Phase als Schutzphase zu bezeichnen», kommentiert er die aktuelle Situation, die der Bundesrat als «Schutzphase» definierte.

Zudem seien beim Modell Kinder und Jugendliche, die sich noch nicht impfen lassen können, sowie weitere Personengruppen, die sich nicht impfen lassen können, komplett vergessen gegangen. Er stellt die Frage in den Raum, ob die Science Taskforce zur Erstellung des Modells konsultiert worden sei.

Dominique de Quervain erhebt nicht nur wegen der jüngsten Entscheide der Regierung schwere Vorwürfe. Auch eine Aussage vom Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger kritisiert er scharf. Engelberger hatte gegenüber der NZZ am Mittwoch gesagt, die Kantone würden den «Schweizer Weg» des Bundesrats mittragen.

«Der Schweizer Weg hat in der zweiten Welle tausenden Menschen das Leben gekostet», stellt de Quervain fest.

5 Kommentare

  1. Und am Ende des Tages ist und bleibt es das Volk, welches einfach viel zu dumm ist, um das Ganze richtig zu verstehen und umzusetzen. Es kostet nicht viele Tote etc. nur weil man Lockerungen eingeht. Es kostet viele Tote etc. weil sobald eine «Lockerung» in Kraft tritt alle denken es sei vorbei und das ist es leider nicht. Zudem haben hier sehr viele von uns leider ein ungesundes Mass an Egoismus, weshalb auch jetzt schon wieder alle Restaurants bis zum Rand gefüllt sind auf der Terrasse und sich die Menschen nah aufeinander ohne Maske in der Stadt von Laden zu Laden bewegen. Nur weil die Läden wieder offen sind, heisst dies leider nicht, dass man sich draussen nicht mehr anstecken kann…Report

  2. Danke Herr De Quervain für die klaren Worte.
    Ich schätze die Lage genauso ein wie Sie.
    An diejenigen, die Oeffnungen aus finanziellen Sorgen fordern sage ich, bitte erhebt Vorwürfe gegenüber den bürgerlichen Bundesräten und gegenüber dem mehrheitlich rechts dominierten Parlament, die nicht genügend Unterstützung zahlen!Report

  3. Wie es gemacht wird, ist es nicht recht. Lasst man alles zu, motzen die Menschen, aber auch motzen sie wenn alles offen ist. Nur zur info, auch für den Bundesrat ist die ganze Situation neu, wie für uns alle.
    Also motzt nicht immer rum.
    Verwöhntes VolkReport

  4. Das einzige, was man dem Bundesrat vorwerfen könnte, wäre, dass er diese Oeffnungsschritte nicht schon am 22. März in Kraft setzte. Damals hat er sich von den Schreckensszenarien der Epidemiologen einschüchtern lassen.Report

  5. Du hast dein Geld und machst dir sicher keinen Kopf abereite aber Leute die auf die Öffnung arbeit etc angewiesen sind sieht du /ihr nicht.

    wenn des so fatal ist dann könnt ihr auhh gleich alle kosten decken wenn das in diesem Sinne hinnehmbar ist.Report

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