Die Hausärzte wären bereit zu impfen, der Kanton startet aber erst mit einem Pilotprojekt. (Bild: Keystone)
Basel

Wegen Impfungen: Hausärzte verzweifeln in Telefon-Warteschlaufen

Die medizinische Gesellschaft Basel erhebt schwere Vorwürfe gegen das Gesundheitsdepartement. Die Zusammenarbeit mit den Hausärzten laufe schlecht.

Die Medizinische Gesellschaft Basel fordert eine direkte Kommunikationslinie zwischen den Hausärzten und den Impfzentren. In einem offenen Brief an Regierungsrat Lukas Engelberger, Kantonsarzt Thomas Steffen sowie an Kantonsapothekerin Esther Ammann wird eine bessere Koordination zwischen dem kantonalem Gesundheitsdepartement und den Hausärzten gefordert.

«Seit über einem Jahr sind die Haus- und KinderärztInnen erste und direkte Anlaufstelle für PatientInnen mit Covid-Symptomen. Zu Beginn mussten sie die Untersuchungen und Behandlungen ohne Schutzausrüstung machen, Masken waren nicht genügend vorhanden, Schutzbekleidung sowieso nicht», heisst es im Schreiben. «Trotzdem wurden sie in der Impfstrategie – im Gegensatz zu den Medizinalpersonen auf den Covid-Stationen in den Spitälern – übergangen und haben erst jetzt ihre Impftermine erhalten.»

Kritik an Kommunikation

Die Haus- und KinderärztInnen seien dabei erste und direkte Anlaufstelle für Patienten, wenn sie mit der Administration bezüglich Impfanmeldung überfordert sind. Die Erfüllung dieser Aufgaben erweise sich als unverhältnismässig zeitaufwändig.

«Eine Kontaktaufnahme mit dem Callcenter der Meconex erweist sich als sehr schwierig, Wartezeiten von mindestens einer halben Stunde sind an der Tagesordnung», klagt die Gesellschaft weiter an: «Eine Änderung der Impfpriorität ist nicht organisierbar, die Abmeldung per Mail dauert über eine Woche, eine telefonische Änderung ist gar nicht möglich.»

Dass die ÄrztInnen in der Sprechstunde eine halbe Stunde in der Telefon-Warteschlaufe hängen, sei nicht zumutbar. Auch bei der weiteren Kommunikation blieben viele Punkte offen: So würden die ÄrztInnen über die neusten Meldungen zur Pandemie nicht vom Kanton informiert, sondern alles aus den Medien erfahren. Aktuell etwa seien KinderärztInnen wegen verunsicherter Eltern zum Thema Testvorgaben für SchülerInnen mit Anfragen überhäuft, aber nicht vom Kanton informiert worden.

Impfungen nicht kostendeckend

Ebenso wird das Pilotprojekt mit den Impfungen in Praxen von der Gesellschaft in Frage gestellt. «Wieso wird die Zusammenarbeit mit den Praxen nicht gleich langfristig geplant?», heisst es im Schreiben.

Zudem kritisiert die Gesellschaft, dass die Vergütung der Impfungen in den Praxen mit 24.50 Franken nicht kostendeckend sei: «Wir sehen nicht ein, weshalb unsere sowieso schon stark belasteten ÄrztInnen nicht kostendeckend arbeiten sollen».

Gesundheitsdepartement weist Vorwürfe zurück

Das Gesundheitsdepartement weist die Vorwürfe auf Anfrage von Telebasel zurück: «Das Gesundheitsdepartement Basel-Stadt hat den offenen Brief der Medizinischen Gesellschaft Basel zur Kenntnis genommen. Wir sind erstaunt über die darin erhobenen Vorwürfe und weisen diese zurück. Wir sind über die angesprochenen Themen sehr wohl mit den Grundversorgerinnen und Grundversorgern, Kinderärztinnen und Kinderärzten, respektive ihren Verbänden im Gespräch und klären die einzelnen Fragen in diesem Dialog mit den Betroffenen direkt», so Valentin Kressler, Mitarbeiter Kommunikation beim Gesundheitsdepartement in einem Statement.

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