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Der Telebasel News-Beitrag vom 19. April 2021.
Basel

Gastro-Branche fürchtet den Mindestlohn

Im Juni wird in Basel über den Mindestlohn abgestimmt. Die Wirtschaftsverbände schlagen Alarm: Gebeutelte Branchen könnten diese Zusatzkosten nicht tragen.

Linke Parteien und Gewerkschaften fordern mittels Initiative «Kein Lohn unter 23 Franken». Das Basler Parlament hat sich im Januar auf einen Gegenvorschlag geeinigt. Dieser sieht einen Mindestlohn von 21 Franken in der Stunde vor. Über die Initiative und den Gegenvorschlag stimmt die Bevölkerung in Basel-Stadt am 13. Juni 2021 ab.

Bislang konnten Gewerkschaften und Linke nur in den Westschweizer Kantonen Genf, Neuenburg und Jura sowie im Tessin die Forderung durchsetzen. Wird er hier eingeführt, wäre Basel-Stadt der erste Deutschschweizer Kanton, der so einen Mindestlohn kennt. Aber egal, ob Initiative oder Gegenvorschlag: Die regionalen Wirtschaftsverbände lehnen beide Vorlagen ab.

Sorgen nehmen nicht ab

Eine Umfrage der Wirtschaftsverbände und der Standortförderungen Basel-Stadt und Baselland zeige das Ausmass der Betroffenheit gewisser Branchen von der Corona-Krise. 351 Firmen aus dem Kanton Basel-Stadt haben an der Umfrage teilgenommen.

Während gesamthaft 42,7 Prozent der Unternehmen den Geschäftsgang als unbefriedigend bis schlecht bezeichneten, sind es in den Branchen Gastronomie, Tourismus und Hotellerie 97,4 Prozent und im wiedereröffneten Detailhandel immerhin noch 69,7 Prozent.

Trotz der Perspektive auf gewisse Lockerungen und etwas mehr Normalität rechnen knapp 70 Prozent der Unternehmen aus Hotellerie, Gastronomie und Tourismus mit einer schlechteren Entwicklung im kommenden Halbjahr, heisst es in einer Medienmitteilung.

«Es betrifft insbesondere Branchen, die eine geringe Wertschöpfung haben. Dort sehen wir jetzt in der Krise auch, dass sie nicht viel Reserven haben. Und wenn jetzt zusätzlich ein staatlich diktierter Mindestlohn kommt, dann wird es schwer, dass sie diese Arbeitsplätze künftig immer noch anbieten können», äussert sich Saskia Schenker, Direktorin des Arbeitgeberverbands Basel.

Falscher Zeitpunkt, falscher Ort

Betroffen wären also wieder Unternehmen aus Hotellerie, Gastronomie und Tourismus, sagen die Mindestlohn-Gegner. Wir haben bei Gilmara Rüedi nachgefragt. Sie führt eine Reinigungsfirma und zwei Restaurants (Walliser Stube und Klybeck Casino) in Basel. Auch Rüedi spricht sich deutlich gegen beide Mindestlohn-Varianten aus: «Beide sind für uns nicht attraktiv. In der Gastronomie zählt jeder Rappen. Wir können das nicht tragen».

Ungünstig findet die Wirtin auch den Zeitpunkt. Die Corona-Krise wird laut Gilmara Rüedi noch jahrelang an den Reserven der Restaurants zerren. «Trotzdem versuche ich, meine Mitarbeiter zu halten. Und dafür brauche ich das ungelehrte Personal. Und wenn die Löhne zu hoch sind, kann ich das nicht schaffen.»

Auch eine Erhöhung der Preise ist für sie keine Option. Die Verlockung jenseits der Grenze sein Cordon Bleu zu geniessen, werde dadurch noch grösser. «Ich glaube die Gäste wären nicht bereit dazu, noch mehr zu zahlen», so Rüedi. Momentan würde sie die Krise überstehen. Es sei aber noch ein langer Weg.

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