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Der Telebasel News Beitrag vom 19. April 2021.
Region

Wie sicher ist das Training im Fitnesscenter?

Am Montag öffneten die Fitnessstudios wieder ihre Türen. Doch wie hoch ist das Infektionsrisiko beim Trainieren? Eine Basler Ärztin gibt ihre Einschätzung ab.

Nach 118 Tagen, im Kanton Basel-Stadt sogar nach 147 Tagen, gehen am Montag zum ersten Mal wieder die Türen der Fitnesscenter auf. Die Lockerungen vom Bundesrat kamen unerwartet, schnellstmöglich mussten die Studios in der Region den bereits zum siebten Mal aktualisierten Schutzvorgaben nachkommen.

«Nicht nur wir haben Freude, auch unsere Kunden»

Auch der Fitnesstreff Niklaus in Reinach empfängt seit Montag wieder Kundschaft. «Es ist natürlich ein wunderbares Gefühl, dass diese Fläche wieder deren Bestimmung nachkommen kann. Ich denke, nicht nur wir haben Freude, auch unsere Kunden», meint der Betreiber des Studios Stephan Niklaus.

Der grosse Ansturm blieb am Montag aus, damit habe man aber bereits gerechnet. «Wir sammelten schon im ersten Lockdown Erfahrung. Da lagen wir bei Sequenzen von 55 Prozent. Das ist jetzt gleich. Es gibt immer noch viele Leute, die noch zwei Wochen abwarten, bis sie das Training wieder aufnehmen», worauf sich der Fitnessbetreiber auf das Feedback seiner Kunden bezieht.

«Infektionsrisiko als relevant zu beurteilen»

Die Leitende Ärztin der Klinik für Infektiologie und Spitalhygiene am Basler Unispital, Sarah Tschudin Sutter, erklärt gegenüber Telebasel: «In einem Fitnesscenter ist das Infektionsrisiko sicher als relevant zu beurteilen.» Laut der Infektiologie-Expertin sei das deshalb der Fall, da im Studio mehrere Umstände zusammenkommen, welche eine mögliche Übertragung begünstigen.

«Einerseits handelt es sich um Innenräume, da wissen wir bereits, dass eine Übertragung besser stattfinden kann als in Aussenbereichen. Dann ist man natürlich körperlich aktiv. Das heisst, man atmet mehr. Gerade beim intensiven Atmen können vermehrt infektiöse Partikel ausgeschieden werden», erklärt Tschudin Sutter.

Umso ernster nehme man das Schutzkonzept. Auch Infektionen über Gegenstände sollen dadurch vermieden werden. Wer etwas Kontaminiertes berührt und sich danach ins Gesicht fasst, kann sich anstecken. Das passiere aber eher selten: «Insgesamt ist dieser Übertragungsweg bestimmt als weniger relevant zu betrachten», so die Ärztin.

Rückerstattung und wenig finanzieller Ausgleich

Wer im Besitz eines Jahresabos war, in der Zeit, in welcher der Fitnesstreff Niklaus schliessen musste, bekommt nun 104 Tage gutgeschrieben. «Wir haben das in unserem Vertrag schon seit Jahren so geregelt. Kunden haben diesen Anspruch bei jeder Schliessung, die länger als zwei Wochen dauert», so Stephan Niklaus.

Einen deckenden Ausgleich für diese Monate ohne Einkommen gibt es nicht. Kurzarbeitsentschädigung und Härtefallbeiträge decken gerade mal die Kosten der Löhne und Miete. Eine Mietreduktion gibt es keine. «Die intensiven Zeiten, in denen am meisten Umsatz gemacht wird, also Januar und Februar, sind jetzt leider vorbei. Die schlechten Monate kommen jetzt. Das wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Ich sage jetzt aber mal, wir als Betrieb, der seit über dreissig Jahren auf dem Markt ist, hätten etwas falsch gemacht, wenn wir das nicht überleben würden», schätzt der Fitnessinhaber die finanzielle Lage ein.

Erste Branche, die wieder schliessen wird

Das Betreiben eines Fitnesscenters während der Pandemie, scheint keine leichte Aufgabe. «Ich komme mir manchmal ein wenig vor, als wären wir ein Bauernopfer. Das sage ich jetzt vor allem für Fitnesscenter und die Gastronomie», so Stephan Niklaus. Und bereits am Sonntag erreichten ihn wieder wenig erfreuliche Nachrichten: «Wir bekamen gestern in den neusten Informationen mit, dass wir die erste Branche sind, die wieder geschlossen wird, wenn es mit den Zahlen wieder schlechter aussieht.»

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