Am Donnerstag, 16. Juli 2020, beschmierten FCB-Fans die Geschäftsstelle und äussern ihren Unmut gegen Centricus. (Bild: Telebasel)
Basel

Centricus gibt erstes Interview über den FCB

Erstmals nimmt Centricus Stellung zu einem möglichen Investment beim FC Basel. Darin wird auch die Vereinsführung durch Bernhard Burgener gelobt.

Es ist der Centricus-Mitbegründer Dalinc Ariburnu (52), der erstmals über mögliche Investitionen in den FCB Auskunft gibt und sich den Fragen der «bz» stellte. Das Interview wurde schriftlich durchgeführt und aus dem Englischen übersetzt. Hier die wichtigsten Erkenntnisse:

Wer oder was Centricus ist

«Centricus ist eine globale Investmentfirma, die sich auf Private Equity, Beratung und Kapitalmärkte konzentriert. Wir verwalten ein Vermögen von 30 Milliarden Dollar und haben umfangreiche Transaktionen begleitet. Darunter etwa das Fundraising für den 100-Milliarden-Dollar Vision Fund der japanischen Softbank. Wir haben aber auch eine europäische Versicherungsplattform aufgebaut.»

Gründe für Investitionen in der Region Basel

«Basel ist eine sehr attraktive europäische Region, die nach unserer Einschätzung stark unterschätzt wird. Wir haben uns in der Vergangenheit Investitionen in bestimmte Unternehmen angeschaut, wie zum Beispiel die MCH Group mit der Art Basel. Historisch hat die Stadt nicht nur in der europäischen Geschichte bleibende Spuren hinterlassen, sondern ist Heimat von weltweit herausragenden Unternehmen wie Roche oder Novartis. Unzählige Start-ups machen die «Greater Basel Area» zu einem Hotspot innovativer Denkfabriken in Medizin, Forschung und Hightech. Kulturell erlangt Basel mit der Art Basel und internationalen Messen Weltruf. Und im Sport hat Basel mit den Swiss Indoors und dem FC Basel zwei internationale Sportikonen. Wir wollen in dieser Region weiter investieren, wobei über den FC Basel hinaus noch keine Entscheidungen getroffen wurden.»

Wieso der FCB für Centricus interessant ist

«Wir haben uns für eine Investition in den FC Basel entschieden, weil der FC Basel ein Traditionsverein mit internationaler Ausstrahlung und grossem sportlichen und wirtschaftlichen Potenzial ist. Für eine strategische Investition benötigen wir zwei sehr wichtige Faktoren: erstens die Geschichte und die Tradition. Der FC Basel hat eine erstaunliche Geschichte mit grossen Werten. Sein Fokus auf Akademie, Ausbildung und Kultur ist einer der besten der Welt. Zweitens: Management und Partnerschaft. Wir kennen Bernhard Burgener seit vielen Jahren. Wir haben grosses Vertrauen in seine Professionalität und seine Management-Philosophie. Es ist sehr einfach, zu sehen, dass fast jeder Fussballverein wegen der Pandemie viel Geld verliert. Die finanziellen Ergebnisse des FCB zeigen deutlich, was für einen fantastischen Job Herr Burgener und sein Team unter solch schwierigen Bedingungen gemacht haben. Es gibt heute viele Mannschaften in Europa in einer sehr schwierigen finanziellen Situation. Es ist sehr beeindruckend, wie der FCB dem Sturm getrotzt hat.»

Sportliche Ambitionen des FCB

«Das Ziel muss sein, dass der FC Basel mittelfristig wieder die Nummer eins in der Schweiz wird und wieder regelmässig an internationalen Wettbewerben teilnimmt. Ich weiss nicht, wie lange das dauern wird, aber wenn wir die Möglichkeit haben, beim FC Basel einzusteigen, werden wir alles tun, um dieses Ziel zu erreichen.»

So will Centricus Einfluss nehmen

«Wir werden unsere globalen Beziehungen zu den Topklubs nutzen, wo es wünschenswert und sinnvoll ist. Wir werden sicherstellen, dass wir Herrn Burgener und den Vorstand dabei unterstützen, Erfolge für den Klub zu erzielen. Wir werden weiterhin auf Kooperationen wie die mit San Lorenzo in Argentinien setzen. Aber der FC Basel wird eigenständig bleiben; ein Traditionsverein, der in Basel beheimatet ist.»

2 Kommentare

  1. Grosse Worte….

    Solche kamen und gingen…. siehe bei anderen «sogenannten» Investoren wie bei Neuchatel Xamax und anderen.

    Dan sollen sie doch «erst einmal im Vorfeld» die sogenannten und versprochenen 200 Milionen einbringen und erst dann, wird ein wirkliches Interesse sichtbar sein!!! Vorher sind es nur alles grosse Worthülsen…

    Die werden n i e kommen.Report

  2. Private Equity meint Investition zum Zwecke eines Wiederverkaufs. Man will den Bilanzwert des Targets (FCB) steigern und dieses in 6-10 Jahren zu einem höheren Preis verkaufen. Dass man gegen Ende der Coronapandemie einsteigt, ergibt aus Perspektive eines Private Equity Hauses Sinn, denn da ist der Preis tief. Warum man ausgerechnet einen Fussballclub auswählt, weiss ich nicht: da gäbe es Branchen mit mehr Planungssicherheit. Jedenfalls geht es nicht um ein langfristiges Engagement: es geht nicht um das Target, sondern den Return on Investment.Report

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