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Der Telebasel News Beitrag vom 15. April 2021.
Basel

Pestizid-Rechtsstreit: Syngenta hält an der Beschwerde fest

KritikerInnen von Pestizid-Einsätzen reichten heute bei Syngenta eine Petition ein. Hintergrund ist, dass der Konzern ein Verbot von Chlorothalonil anficht.

Ob Imkerin, Fischer, Biobauer oder Arzt: Sie alle verbindet eine Sorge: «Euer Gift nicht in unserem Wasser» stand auf ihren Protestplakaten geschrieben. Zusammen mit dem Verein «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» gingen heute beim Syngenta-Sitz 30’000 Unterschriften ein.

Hintergrund der Aktion ist ein Rechtsstreit zwischen dem Konzern und dem Bund. Vor zwei Jahren hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) das Fungizid Chlorothalonil als «wahrscheinlich krebserregend» eingestuft und verboten. Syngenta stellt Pflanzenschutzmittel mit diesem Fungizid her und hat gegen diesen Entscheid Beschwerde eingelegt.

Beunruhigende Beobachtungen bei Fischen und Bienen

Pestizid-KritikerInnen fordern nun mit dieser Petition den Konzern dazu auf, diese Beschwerde zurückzuziehen. Dabei nehmen die beteiligten die Auswirkungen von synthetischen Stoffen in der Natur auf verschiedene Weise war. Die Imkerin Sonja Burri-Schmassmann etwa sorgt sich um die Bienen. Durch das Wasser könne Chlorothalonil ganze Völker kontaminieren.

Für Dominic Tanner, Präsident des Fischereiverbands, ist die Petition eine symbolträchtige Geschichte. Dabei gehe es um weit mehr als Chlorothalonil. Gerade die Fische seien oft Indikatoren, dass etwas nicht stimmt. «Für uns Fischer und für mich persönlich ist wichtig, dass etwas geht mit der ganzen Pestizid-Geschichte. Wir haben im Baselland so viele Probleme mit impotenten Fischen, die sich nicht mehr vermehren können», sagt Dominic Tanner.

Anfänglich war unklar, ob es zu einer direkten Übergabe der Petition kommt. Die PetentInnen standen schliesslich beim Syngenta-Sitz nicht vor verschlossenen Türen: Roman Mazzotta, Länderpräsident von Syngenta, empfing die AktivistInnen höchstpersönlich vor der Pforte und liess sich das Couvert aushändigen. «Wir nehmen das ernst und haben immer gesagt, dass wir offen sind für einen Dialog», sagte Mazzotta gegenüber Telebasel.

Syngenta wirft Behörden Widersprüche vor

An der Beschwerde halte der Konzern aber nach wie vor fest: «Ich hoffe, dass man versteht, dass wir die entsprechenden Rechtsmittel einlegen können, wenn wir mit einem Behördenentscheid nicht einverstanden sind», sagt der Chef von Syngenta Schweiz. Dass Chlorothalonil eine Gefährdung für Mensch und Umwelt darstelle, bestreitet er und bezieht sich dabei auf ein Gutachten des BLV von 2019. Dieses stufte diese Metaboliten damals als nicht relevant ein. «Die widersprüchliche Kommunikation der Bundesbehörde hat zu dieser Verunsicherung geführt», kritisiert Mazzotta. Daher wolle Syngenta diese Sache mit diesem Gang vor Gericht klären.

Dies stösst auf Kritik. Natalie Favre, Sprecherin der PetentInnen wirft Syngenta vor, mit ihrer Beschwerde die ganze Pestizid-Problematik auf ein administratives Versagen zu schieben. Der Arzt Alfred Weidmann verweist auf die Höchstwerte im Kanton Thurgau. «Auch in niedriger Dosis gehört so ein Gift, das nicht abbaubar ist, nicht in unser Grundwasser.» Ob die Behörden am Verbot von Chlorothalonil festhalten können, ist noch offen. Der Entscheid liegt beim Bundesverwaltungsgericht.

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