Epidemiologe Christian Althaus äussert sich kritisch zu den nächsten Öffnungsschritten des Bundesrats. (Keytone)
Schweiz

Althaus: «Aufpassen, dass wir uns den Sommer nicht verspielen»

Epidemiologe Christian Althaus ist von den Lockerungen des Bundesrats überrascht. Zudem warnt er, dass Unachtsamkeit grosse Folgen haben kann.

«Schwer nachzuvollziehen, wie man sich so kurz vor dem Ziel noch ins eigene Knie schiessen kann», twittert der Berner Epidemiologe Christian Althaus. Dabei spielt er auf die jüngsten Öffnungsschritte des Bundesrats an. Im Interview mit dem «Tagesaanzeiger» erläutert er seine Bedenken.

Das ehemalige Mitglied der Taskforce des Bundes ist erstaunt: «Das ursprünglich geplante Vorgehen mit monatlichen Öffnungsschritten basierend auf festgelegten Kriterien wurde schon wieder über den Haufen geworfen.» Und dies, obwohl auch die Zahl der momentan im grünen Bereich liegenden Hospitalisationen wieder anzieht. Der Druck auf die Spitäler würde sich nun weiter erhöhen.

Ausbreitung des Virus vom Herbst schwingt noch mit

Lob hat der Epidemiologe für Dänemark, Norwegen oder Finnland. Diese Länder würden es schaffen mit relativ milden aber konsequenten Massnahmen die Auswirkungen auf die Gesellschaft zu minimieren. Zwar sei die Schweiz lange vergleichbar unterwegs gewesen, «muss aber immer noch den Preis für die starke Ausbreitung des Virus im letzten Herbst zahlen», so Althaus gegenüber der Zeitung.

Die Situation sei nach wie vor ziemlich fragil und längst nicht bewältigt, das zeige der Blick ins Ausland und in einzelne Schweizer Kantone, betont denn auch der Bundesrat am Mittwoch. Jeder Öffnungsschritt stelle auch ein Risiko dar. Aber auch dank der Fortschritte beim Impfen und beim Testen sollte eine gute Entwicklung ohne Jojo-Effekt möglich sein, meint Berset.

«Schutz der Risikogruppe reicht nicht»

Zu früh, meint Althaus. So wünscht er sich eine konsequentere Umsetzung von Massentests in Schulen und Betrieben. Zudem sei die Immunitätsrate der Schweizer Bevölkerung noch zu niedrig. Ein weiterer Anstieg der Neuinfektionen könne der derzeitige Impffortschritt noch nicht bremsen: «Wir dürfen nicht glauben, dass der Schutz der Risikogruppen ausreicht, um sofort wieder zur Normalität zurückzukehren.»

Seine Schlussfolgerung ist dann auch mit einer Warnung versehen an die ganze Bevölkerung: «Wir sollten aufpassen, dass wir uns mit den weitreichenden Lockerungen den Sommer nicht verspielen.»

3 Kommentare

  1. ich finde, es hätte völlig gereicht,die Restaurant Terrassen zu öffnen;das Jahr Pandemie hat gezeigt, dass viele Menschen nicht mit der Verantwortung umgehen können;d.h. ab Montag sind noch mehr Menschen unterwegs und noch schneller steigende Hospitalisationzahlen sind schon vorprogrammiert.Verschieden Akteure sind mit ihrer Politik nicht ganz unschuldig daran,da sie immer wieder die Massnahmen kritisieren,viele Menschen in unserem Land damit verunsichern und gegen den Bundesrat schiessen.Vielen Dank dafür an die SVP,FDP,Gastro Suisse,Wirtschaftsverbände etc.Report

  2. Sehr guter Kommentar von Herrn Althaus – bin der gleichen Meinung. Jetzt wird schnell alles verspielt – schade, eine Chance, die jetzt vertan wurde.Report

  3. Bin absolut gleicher Meinung!
    Die Test- und Impfoffensiven sind erfreulich, doch reicht das bei Weitem nicht aus um die 3. Welle aufzuhalten.
    Die Auswirkungen der Abgabe von Selbsttests sind noch nicht abschätzbar.
    Bei einer 30% Wahrscheinlichkeit ein zuverlässiges Resultat zu erhalten, ist die Gefahr relativ gross, dass sich manch eine/r (mit einem negativen Resultat) in falscher Sicherheit wiegt.Report

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