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Der Telebasel News Beitrag vom 8. April 2021.
Basel

Senioren gehen wegen digitaler Todesanzeigen auf die Barrikaden

Daten der amtlichen Todesfälle werden nicht mehr an Printmedien übermittelt. Das sorgt für rote Köpfe, besonders ältere Leute haben Mühe mit der Alternative.

Wer die amtlichen Todesanzeigen sehen will, muss dies neu über die Internetseite der Stadtgärtnerei tun. Seit Anfang April gilt eine Gesetzesanpassung, die vorsieht, dass die Anzeigen online publiziert werden. Das passt nicht jedem.

Verein 55+ wehrt sich

Der Verein 55+ bildet die Dachorganisation der Basler Seniorenvereine. Präsidentin Gisela Konstantinidis ist gar nicht erfreut über die Änderung: «Gerade ältere Leute schauen doch, ob es jemand ist, den sie kennen oder aus der Nachbarschaft oder dem Bekanntenkreis. Ansonsten erfahren sie das nicht mehr, wenn sie nicht auf diese Seite gehen», so Konstantinidis.

Zwar käme die Präsidentin der Dachorganisation ziemlich gut mit diesem Umstand zurecht. Doch: «Als ob ich jetzt jeden Tag noch schauen würde, was es für Todesanzeigen hat … das mach ich nicht». Laut Konstantinidis sei dies zu viel Aufwand und auch wenn man das machen wollen würde, sei das nicht für jeden umsetzbar: «Ich habe einen Computer und weiss, wie es geht. Es gibt aber viele Leute, die das nicht können».

«Niemand hat hingeschaut»

Das Pikante daran: Es ist das Basler Parlament, das es so wollte. Am 11. März 2020 wurde eine entsprechende Gesetzesanpassung einstimmig angenommen. Die Änderung verweist die Übermittlung der Informationen ausschliesslich ans Internet. Etwas, was im Nachhinein auch der Parteipräsident der SP – der Partei, die am meisten Sitze im Parlament hat – nicht mehr versteht.

SP-Präsident Pascal Pfister gibt zu, im Nachhinein hätte er anders abgestimmt. «Es ist so, dass es ein Bedürfnis ist, dass das in Printmedien veröffentlicht wird. Auch in diesen Zeitungen, in denen man ein Abonnement hat. Ich denke, die wenigsten gehen regelmässig auf die Seite der Stadtgärtnerei nachschauen. Ich denke, das ist ein Fehler, bei dem niemand gut genug hingeschaut hat», so Pfister.

LDP-Grossrätin übergibt Vorstoss

Besonders bei dieser Angelegenheit sollte das Gesetz nicht ausschliesslich auf das Internet verweisen. So sieht es jedenfalls die neue LDP-Grossrätin Annina von Falkenstein. Darum reichte sie einen Vorstoss ein und fordert, dass der Entscheid wieder rückgängig gemacht wird.

«Ich habe unter den Rückmeldungen, die ich auf den Vorstoss bekommen habe, gehört, dass Bestattungsanzeigen auch als eine Art der letzten Würdigung gesehen werden. Dass informiert wird, dass diese Person nicht mehr unter uns ist. Aber auch aus praktischen Gründen: Dieses Portal der Stadtgärtnerei hat kein Archiv. Dort kann ich in einer Woche nicht mehr nachschauen, was heute aufgeschaltet war», so die LDP-Grossrätin.

Es dürfte sich also schon bald wieder ändern. Bis dorthin müssten die Printmedien für ihre Todesanzeigen die Informationen wohl auch über die Seite der Stadtgärtnerei ausfindig machen.

«Basler Zeitung» druckt Bestattungsanzeigen wieder

Die «Basler Zeitung» gab am Donnerstagabend bekannt, ab Montag die Bestattungsanzeigen wieder in ihrer Printausgabe zu drucken. «Die Seite ‹Todesanzeigen› ist ab Montag wieder komplett. Nachdem der Kanton beschlossen hat, Bestattungsmeldungen nur noch online zu vermelden, wird sich unser Verlag der Aufgabe widmen, diese ins Printprodukt der Basler Zeitung zu übertragen», heisst es in einem Statement.

1 Kommentar

  1. Nach diversen Entscheiden, z.B. Bordellbesuch im Gegensatz zum Restaurantbesuch erlaubt, weiter Todesanzeigen nur noch übers Internet, Parkplätze beim Hörnli aufheben usw, stellt sich die Frage, ob ein flächendeckender Intelligenztest sich bei den ParlamentarierInnen nicht aufdrängt.Report

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