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Der Telebasel News Beitrag vom 7. April 2021.
Baselland

Obstbauern könnten mit «einem blauen Auge» davonkommen

Frostschäden bei den Obstkulturen lassen böse Erinnerungen an den Ernteausfall von 2017 aufkommen. Dieses Jahr gibt es hingegen noch Hoffnung für die «Chirsi».

Der Wintereinbruch hat die Obstkulturen von Matthias Kleiber eiskalt erwischt. Er zeigt eine entblätterte Kordia-Kirschblüte. «Hier sieht man, wie braun die ist. Die ist ganz sicher erfroren», sagt der Landwirt aus Biel-Benken. Die Eiskristalle haben die Blütenzellen richtiggehend aufgesprengt. Zwar ist der meiste Schnee weggeschmolzen, doch die frostigen Temperaturen seit Ostermontag haben ihre Spuren hinterlassen.

Zwar stehen auch bei Matthias Kleiber einige Frostkerzen zum Einsatz bereit. Nur: Bei starkem Wind, wie dies in den letzten Tagen der Fall war, bringen sie nicht viel, wie der Obstbauer erklärt. Die andere Option wäre, die Kulturen mit aufgespannten Isolierplanen zu schützen. Doch auch hier hat das Wetter den LandwirtInnen einen Strich durch die Rechnung gemacht: Die Schneelast und Windböen würden diese Schutzvorkehrung nicht lange stehen lassen.

Unterschiede zum Nullrunden-Jahr 2017

Bei Matthias Kleiber kommen ungemütliche Erinnerungen an das Jahr 2017 auf. Damals zerstörte eine später Wintereinbruch einen grossen Teil der Schweizer Ernte. Auch beim Obst- und Weinbauhof in Biel-Benken waren die Folgen verheerend: «Ich hatte eine Nullrunde in meinem Betrieb – 15 Prozent Traubenernte, alles andere ist erfroren», erinnert sich Kleiber. Mit Geldern aus dem Swisslos-Fonds stemmte er damals die Durststrecke.

Zum Glück ist die jetzige Situation bis dato nicht mit derjenigen von 2017 vergleichbar. Das bestätigt Franco Weibel, Leiter Spezialkulturen beim Landwirtschaftszentrum Ebenrain. «Damals hatten wir bereits Jungfrüchte, die Befruchtung war erfolgreich abgelaufen», erklärt der Agraringenieur. «Wenn es die Jungfrüchte kaputt macht, gibt es kein Potenzial mehr, um das zu kompensieren».

Schlechte Aussichten für die Zwetschgen

Anders sieht es jetzt aus. Nicht alle Blütenstempel sind braun, manche noch grün. Diese könnten den ganzen Prozess von der Bestäubung bis zur Fruchtbildung noch durchmachen. Es gebe also noch Reserven, wie Franco Weibel erklärt. Allerdings hänge vieles von der Wetterentwicklung der nächsten Tage ab. Schliesslich taucht mit dem Kälteeinbruch noch ein anderes Problem auf: Bestäubungsinsekten wie Bienen und Hummeln ziehen sich zurück.

Für eine Prognose beim Steinobst ist es jedenfalls noch zu früh: «In der ersten Maihälfte kann man sagen, wie es mit der Ernte aussieht, darum möchte ich keine Alarmstimmung verbreiten», sagt Franco Weibel. Für die Äpfel könne man erst später weitere Aussagen machen.

Trotzdem sei es frustrierend: So habe es viele Zwetschgen vernichtet, wie die Landwirtschaftsbetriebe melden. Das bestätigt auch Matthias Kleiber. Die Zwetschgen seien momentan im Vollblust und daher besonders empfindlich. «Bei den Kirschen könnten wir noch mit einem blauen Auge davonkommen», so der Obstbauer. Noch aber gelte es diese Frostnacht und die weiteren paar Wochen abzuwarten.

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