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Sehen Sie hier die Medienkonferenz mit den Fachexperten des Bundes im Rückblick. (Stream: Youtube/Der Eidgenössische Bundesrat)
Schweiz

Taskforce-Ackermann: «In drei Monaten sollte der Impf-Effekt greifen»

Die Fachexperten des Bundes informierten am Mittwochnachmittag über die aktuelle Corona-Lage. Alle wichtigen Informationen der Medienkonferenz gibt es hier.

Weil sich der ansteigende Trend bei den Corona-Fallzahlen fortsetzt, warnt der Bund vor einer neuerlichen Belastung der Spitäler. Insbesondere die noch nicht durchgeimpfte Altersgruppe der 50- bis 70-Jährigen bereite den Behörden Sorgen.

Das sagte Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit im Bundesamt für Gesundheit (BAG), am Mittwoch vor den Bundeshausmedien. Es gebe «noch keinen statistisch signifikanten Impfeffekt auf die Belastung der Intensivbetten». Umso wichtiger sei es nun, eine Überlastung des Gesundheitswesens zu vermeiden.

Zwar stiegen die Fallzahlen nicht so stark, wie es der R-Wert in den vergangenen Wochen habe erwarten lassen, sagte Mathys. Bei den Spitaleinweisungen und den Todesfällen gebe es aber einen «leicht zunehmenden Trend». Alles zum Thema lesen Sie hier.

Definierte Richtwerte sprechen gegen neue Lockerungen

Drei der vier vom Bundesrat definierten Richtwerte für allfällige Lockerungsschritte sind aktuell nicht erfüllt. Weitere Aussagen zu den Entscheiden des Bundesrats von kommender Woche war der Expertenrunde des Bundes nicht zu entlocken.

Der Bundesrat würde den Gesamtkontext bei seinen Entscheidungen beachten, da spielten auch andere Fragen eine Rolle, sagte Patrick Mathys vom BAG. Er wage deshalb keine Prognose.

Auch er gebe keine Empfehlungen ab, sagte Martin Ackermann, Präsident der wissenschaftlichen Covid-Taskforce des Bundes. Klar sei aber, dass es sehr viel wert sei, die Fallzahlen tief zu halten. «Wie dies geschieht, ist eine politische Frage.»

Selbsttest befreit nicht von Quarantäne

Selbsttests können nicht beigezogen werden, um von einer Quarantäne oder einer Isolation entbunden zu werden. Dies betonte am Mittwoch Linda Nartey, Berner Kantonsärztin und Vizepräsidentin der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte-

In der Schweiz würden zunehmend serielle Tests angeboten, etwa in den Schulen. Über die Ostertage habe es eine Impf-Baisse gegeben. Im Kanton Bern seien nun aber am ersten Tag nach Ostern bereits wieder 6200 Impfdosen verabreicht worden. Dies sei ein Rekord, sagte Nartey.

Ackermann: «Die Ziellinie ist nahe»

Laut Martin Ackermann, Präsident der wissenschaftlichen Covid-Taskforce des Bundes, lohnt es sich, die Fallzahlen bis zum Ende der Impfkampagne tief zu halten. «Die Ziellinie ist nahe.» Es lohne sich, in den nächsten drei Monaten noch einmal einen Effort zu leisten.

«Es gibt viele Gründe, noch etwas durchzuhalten», sagte Ackermann- Studien zeigten, dass sich die Situation deutlich und spürbar entspanne, sobald rund die Hälfte der Menschen einer Bevölkerungsgruppe geimpft sei. Bis alle geimpft seien, die dies wollen, gelte es, die Fallzahlen unter Kontrolle zu halten, sagte Ackermann. Damit seien zahlreiche Vorteile verbunden – wie etwa die Entlastung des medizinischen Personals oder die Sicherstellung einer lückenlosen Kontaktverfolgung.

«Tiefere Fallzahlen reduzieren auch die wirtschaftlichen Risiken, weil sonst drastische Massnahmen notwendig würden», sagte Ackermann. Aus Sicht der Experten der Taskforce sei deshalb klar: Eine erfolgreiche und fortlaufende Eindämmung des Virus sei besonders lohnenswert. Zudem ist es laut Ackermann wichtig, dass der Bund verschiedene Datenlücken schliesse. So sollte etwa klar werden, wie viele Personen trotz Impfung positiv getestet würden, und wie viele Personen von welcher Altersgruppe genau geimpft seien.

Keine weitere Lieferverzögerungen bei Impfstoffen erwartet

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) geht davon aus, dass die Schweiz die restlichen Impfstoffe termingerecht erhalten wird. Es rechnet nicht mit weiteren Verzögerungen wie in anderen Ländern.

Dies sagte Patrick Mathys vom BAG. Wann der Astrazeneca-Impfstoff in der Schweiz zugelassen werde, sei noch unklar. Das Heilmittelinstitut Swissmedic sei unabhängig und werde den Entscheid alleine fällen.

Auf eine Journalistenfrage, ob eine dritte Welle die Spitäler an die Grenzen bringen würde, sagte Mathys, die Betten seien nicht das Problem. Das Problem sei das Personal in den Spitälern. Sollte es zu einer starken Zunahme der Fälle kommen, werde das Gesundheitspersonal wohl erneut überlastet sein. Alle Hintergründe dazu finden Sie hier.

Entscheid über technische Lösung für Impf-Zertifikat in 14 Tagen

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) will in den nächsten zwei Wochen den Entscheid fällen, welche technische Lösung für die Umsetzung des Covid-Zertifikats zur Anwendung gelangen soll. Bis im Sommer will der Bund ein international anerkanntes Impf-Zertifikat zur Verfügung stellen.

Man sei derzeit mit verschiedenen Produkteanbietern in der Evaluationsphase für eine technische Lösung, sagte Patrick Mathys vom BAG. Der Entscheid werde voraussichtlich in den kommenden zwei Wochen fallen.

Bis es soweit sei, bleibe eine Impfbestätigung gültig, die jede Impfstelle ausstelle. Zum Teil würden die Impfungen ins bestehende Impfbüchlein eingetragen, bis das Impfzertifikat verfügbar sei. Alles zum Thema lesen Sie hier.

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