Das geplante aktive Desinfektionssystem in einem Bus der Basler Verkehrs-Betriebe kommt später als geplant zum Einsatz. (Bild: Keystone)
Basel

BAG empfiehlt BVB-Desinfektionssystem nicht – gefährliche Stoffe

Die BVB verschieben den Start des Testbetriebs mit dem Desinfektionssystem. Das BAG hat wegen möglicher gesunheitlicher Gefahren noch keine Zulassung erteilt.

Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) müssen den Start des Testbetriebs mit einem aktiven Desinfektionssystem unter anderem gegen das Coronavirus in einem Bus verschieben. Grund ist eine fehlende Teilzulassung des eingebauten Geräts im Rahmen der Schweizer Biozidprodukteverordnung.

Diese Zulassung sei nötig, damit das Gerät auch im öffentlichen Verkehr eingesetzt werden könne, teilten die BVB am Mittwoch mit. Die BVB gehen davon aus, dass der Lieferant die entsprechende Teilzulassung des BAG in den nächsten Wochen erhalten und nachreichen wird. Danach soll der Testbetrieb im Bus 7026 starten.

System für Menschen nicht ungefährlich

Weniger optimistisch klingt es von Seiten des Bundesamts für Gesundheit: «Das BAG empfiehlt solche Systeme zur Desinfektion von Umgebungsluft während der Anwesenheit von Personen grundsätzlich nicht», heisst es gegenüber der «bz». Durch das Desinfektionssystem würde Wasserstoffperoxid in Form von Radikalen freigesetzt. Diese Radikale könnten, je nach Konzentration in der Umgebungsluft, nicht ganz ungefährlich für den Menschen sein. Laut Yves Meyer, Geschäftsführer der Firma IBN GmbH, die das System liefern soll sei man unter den im Arbeitsgesetz Grenzwerten im Arbeitsgesetz.

Um ihre Fahrgäste vor dem Coronavirus zu schützen, möchten die BVB ein aktives Desinfektionssystem erproben. Das System macht sich die desinfizierenden Wirkung von Wasserstoffperoxid zunutze. Vom Gerät aus gelangt der Wirkstoff in den Klimakanal des Busses, und der gesamte Innenraum des Fahrzeugs wird kontinuierlich desinfiziert.

Das bereits im Deckenbereich des Busses eingebaute aktive Desinfektionssystem wird in den kommenden Tagen vorübergehend entfernt. Der Bus war seit Ankündigung des Testbetriebs Ende März noch nicht im Linienbetrieb eingesetzt worden.

Bereits im Trambetrieb Rouen im Einsatz

Neben Viren bekämpft das Desinfektionssystem auch Bakterien und Pilze. Das vom französischen Hersteller Greenreso entwickelte System kommt bereits im Trambetrieb in Rouen (F) zum Einsatz.

Ob die Desinfektionsgeräte die Erwartungen erfüllen, soll die wissenschaftliche Begleitung des Testbetriebs durch das Basler Kantonslabor aufzeigen. Nach Abschluss des Testbetriebs werden die Daten ausgewertet und allenfalls Anpassungen angenommen. Danach soll nach Angaben der BVB ein zweiter Test in einem Flexity-Tram folgen. Erst danach wird entschieden, ob weitere Fahrzeuge mit dem aktiven Desinfektionssystem ausgerüstet werden sollen.

BAG findet klare Worte

Bis dahin ist die Position des BAG klar: «Den Passagieren wird eine Sicherheit suggeriert, die unseres Erachtens nicht gegeben ist, wohl aber die Exposition zu nicht unbedenklichen Stoffen in der Atemluft.» Grund dafür sei die nicht toxische Konzentration.

Erst wenn die Wirksamkeit des Systems für den Menschen belegt ist und klar ist, dass es ungefährlich ist, kann das BAG eine Bewilligung erteilen. Die IBN erarbeitet derzeit ein Dossier, das die Wirksamkeit des Systems belegen und Gefahren für die menschliche Gesundheit ausschliessen soll.

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