Insgesamt wurden im Baselbiet vergangenes Jahr 343 Straftaten mehr registriert als 2019. (Symbolbild: Polizei Basel-Landschaft)
Baselland

Mehr Gewaltdelikte und Jugendkriminalität im Baselbiet

Die Gewaltdelikte und die Jugendkriminalität haben im Baselbiet im vergangenen Corona-Jahr zugenommen.

Die Zahl der polizeilich registrierten Straftaten stieg 2020 um 3 Prozent auf 11’937 Delikte. Die Polizeileitung fordert mehr Stellen. Insgesamt wurden 343 Straftaten mehr registriert als 2019, wie der am Mittwoch erschienenen Kriminalstatistik der Baselbieter Polizei zu entnehmen ist.

Bei den Gewaltstraftaten verzeichnete Baselland letztes Jahr einen Anstieg um 11 Prozent auf 865. Zugenommen haben insbesondere minderschwere Delikte wie Drohungen oder einfache Körperverletzungen. Durch eine Straftat ums Leben gekommen ist 2020 eine Person.

Bei den Sexualdelikten wurde ein Anstieg von 143 auf 199 registriert. So haben die Fälle von Vergewaltigungen um 3 auf 16 zugenommen.

Bei den sexuellen Nötigungen wurde eine Zunahme um 13 auf 20 registriert. Dieses Plus sei aber auf eine Änderung der Erfassungsmethode zurückzuführen, sagte Martin Grob, Chef der Kriminalpolizei, an einer Online-Medienkonferenz. Mehr als die Hälfte dieser Fälle hätten sich bereits 2019 oder früher ereignet, seien aber erst 2020 zur Anzeige gebracht worden.

Polizeiliche Interventionen im Rahmen von häuslicher Gewalt stiegen im vergangenen Pandemie-Jahr um 30 auf 710. Die Anzahl erfasster Delikte in diesem Bereich nahm um 14 Prozent auf 378 zu. In 67 Prozent der Fälle handelte es sich um Tätlichkeiten, Drohungen und Beschimpfungen. Insgesamt musste die Polizei 94 gewalttätige Personen wegweisen, was einer Zunahme von 21 Prozent entspricht.

Mehr Jugendkriminalität, weniger Unfälle

Die polizeilich erfassten Delikte gegen das Strafgesetzbuch durch jugendliche Tatverdächtige stieg um 4 Prozent auf 524. Gar um 33 Prozent zugenommen hat die Betäubungskriminalität bei den 15- bis 19-Jährigen. «Diese Entwicklung bereitet mir Sorgen», sagte die Baselbieter Sicherheitsdirektorin Kathrin Schweizer (SP). Vermutlich sei die Corona-Pandemie Mitverursacherin dieser Entwicklung, da das Freizeitangebot für Jugendliche massiv eingeschränkt sei.

«Diese Entwicklung bereitet mir Sorgen», sagte die Baselbieter Sicherheitsdirektorin Kathrin Schweizer (SP). Vermutlich sei die Corona-Pandemie Mitverursacherin dieser Entwicklung, da das Freizeitangebot für Jugendliche massiv eingeschränkt sei.

Ein markanter Anstieg während der Corona-Pandemie wurde bei den Delikten im Bereich Cyberkriminalität registriert, wie der Baselbieter Polizeikommandant Mark Burkhard sagte. Diese nahmen gemäss internen Zahlen der Polizei gegenüber dem Vorjahr um 33 Prozent auf 604 zu. Vermögensdelikte wie der Missbrauch von Kleinanzeigen-Plattformen oder der Missbrauch von Zugangsdaten machten dabei den grössten Teil aus.

Bei den Einbruchsdelikten wurde hingegen kantonsweit eine Abnahme um 9 Prozent auf 799 registriert – ein historischer Tiefstand. Diesen Rückgang führt die Polizeileitung unter anderem auf die Homeoffice-Pflicht während der Corona-Pandemie zurück. Die Grenzschliessungen während des Lockdowns hätten hingegen wenig Einfluss auf diese Entwicklung gehabt.

Neben der Kriminalitäts- präsentierte die Baselbieter Polizei am Mittwoch auch die Verkehrsunfallstatistik 2020. Demnach ereigneten sich letztes Jahr auf den Baselbieter Strassen 926 Unfälle, 104 weniger als 2019.

Die Gesamtzahl der auf Baselbieter Strassen Verunfallten sank um 6 Prozent auf 527 Personen. Die Zahl der Verkehrstoten hingegen nahm um 4 auf 9 zu. Ebenfalls wurden 17 Prozent mehr Schwerverletzte registriert, nämlich 68.

Polizeileitung fordert mehr Stellen

Die Zahl der eingegangenen Notrufe nahm im vergangenen Pandemie-Jahr um 6’079 auf insgesamt 54’968 zu. «Es gibt immer mehr Momente, in denen keine Patrouillen mehr verfügbar sind, weil alle bereits im Einsatz sind», sagte Kommandant Burkhard. Die Arbeitsbelastung sei im letzten Jahr für die Polizei sehr gross gewesen. Die Auftragslage nehme zu, was zu einem grösseren Stellenbedarf führe.

Burkhard betonte, dass man über einen «Verzichtsplan der Polizeiaufgaben» reden müsse, weil die Polizei nicht noch mehr arbeiten könne und ein grosser Stellenausbau aufgrund der wirtschaftlichen Situation kaum möglich sei.

Sicherheitsdirektorin Schweizer meinte darauf: «Es ist klar, dass wir nicht jeden Wunsch erfüllen können». Wie sie und die Regierung mit der Forderung der Polizeileitung umgehen würden, sei noch offen. Unklar seien auch noch die alternativen Strategien.

Kriminalpolizei-Chef Grob mahnte, dass bei einem Nicht-Ausbau die Prävention zu kurz kommen würde.

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