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Der Telebasel News-Beitrag vom 30. März 2021.
Basel

«Konzerte sind mein Haupterwerb»: Musikerinnen hoffen auf Taggelder

Seit Februar sind beim Kanton 192 Gesuche um Taggelder eingegangen. Basler Musikerinnen erklären, was sie sich von dieser Hilfe erhoffen.

«Die Hälfte bis zwei Drittel des Einkommens fallen weg», sagt Viviane Chassot. Die Akkordeonistin reichte im Februar beim Kanton Basel-Stadt ein Gesuch für Taggelder ein. Eine Antwort steht noch aus.

Auch die Jazzmusikerin Yumi Ito ist kurz davor, ein solches Gesuch zu stellen. «Finanziell reicht es nicht mehr, da so viele Konzerte abgesagt wurden und ich gar keine Anfragen mehr erhalte», so die Sängerin und Pianistin. Für sie als selbständig Erwerbende seien die Konzerte der Haupterwerb. In den letzten zwölf Monaten habe sie mit Unterrichten etwas Abhilfe schaffen können.

Die Angst, durch die Maschen zu fallen

Die beiden Musikerinnen hoffen nun auf die Taggelder des Kantons für Kulturschaffende. Der Regierungsrat bewilligte im Februar 6 Millionen aus dem Krisenfonds.

Die Frage, wer alles anspruchsberechtigt ist, sorgt dabei für Verunsicherung, wie Viviane Chassot zu bedenken gibt: «Das ist das grosse Thema unter uns Musikern, dass es wahnsinnig viele Rahmenbedingungen und Kriterien gibt, bei denen ganz viele wieder durch die Maschen fallen», sagt die Akkordeonistin. So sei der Alltag von Berufsmusikern sehr kompliziert und oft schwierig in Kategorien zu fassen: «Wir haben so viele verschiedene Standbeine, es ist als Ganzes freischaffend, aber es gibt Anstellungsverhältnisse, die als Festanstellung gelten», sagt Viviane Chassot.

Wo setzt der Kanton also diese Trennung an? «Wenn jemand mit einem anderen Tätigkeitsbereich als Kulturschaffender im engeren Sinn, also mit Unterrichten, mit sonstigen Tätigkeiten ein massgebliches Einkommen erzielt, das über 3’000 Franken liegt, dann fällt er nicht unter diese Verordnung», erklärt Katrin Grögel, Co-Leiterin der Abteilung Kultur beim Präsidialdepartement. Die Gelder von 98 Franken pro Tag sollen der Existenzsicherung in der Corona-Krise dienen. Bei diesem «Basler Modell» sind neben selbständig Erwerbenden sind auch Freischaffende, die von einer Kurzanstellung zur anderen wechseln, anspruchsberechtigt.

Bis dato 65 Gesuche bewilligt

Eine erste Bilanz, seit das Formular Ende Februar aufgeschaltet wurde: «Es sind Stand heute 192 Gesuche eingegangen, bis jetzt wurden 65 davon bereits positiv beantwortet», sagt Katrin Grögel. «Es gibt eine kleine Anzahl Ablehnungen, die meisten sind aber in Bearbeitung». Dies nehme etwa vier Wochen in Anspruch.

Viviane Chassot müsste oder dürfte also bald eine Antwort bekommen, damit mehr Klarheit herrscht. Yumi Ito ist zuversichtlich. «Mit dem Angebot in Basel fühle ich mich hoffnungsvoll», so die Jazzmusikerin.

Das Problem gehe aber noch viel tiefer als der finanzielle Aspekt. So höre sie oft von MusikerkollegInnen, die unter Depressionen und Burnouts leiden, auch in anderen Ländern. Die Verlagerung auf den Onlinebereich mache vielen zu schaffen. «Ich hoffe, dass wir bald wieder Musik machen können – es ist schwierig, wenn man seinen Hauptberuf nicht ausüben kann».

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