Pepe Lienhard feiert am 23. März 2021 seinen 75. Geburtstag. (Bild: Keysotne)
Schweiz

Pepe Lienhard: «Es ging immer vorwärts, ich habe nie zurückgeschaut»

Pepe Lienhard wird heute 75 Jahre alt. Seit einem halben Jahrhundert steht der Bandleader auf der Bühne.

Pepe Lienhard ist seit 50 Jahren Berufsmusiker und es gibt keinen einzigen Bühnenmoment, für den er sich schämt. Während der Coronakrise liess er seine Karriere aus einem konkreten Grund Revue passieren – und er schmiedet Pläne für die Zukunft. Am Dienstag, 23. März 2021, feiert der Bandleader seinen 75. Geburtstag.

Keystone-SDA: Sie wirken entspannt. Empfinden Sie die Coronakrise nicht als bedrückend?

Pepe Lienhard: Das Musikmachen fehlt natürlich. Aber ich habe eine super Partnerin, wir haben es total gut zusammen. Unser Lebensmotto lautet: geniessen, was man hat. Wir haben ein schönes Haus, einen lustigen Hund und uns selber. Und ich telefoniere mit meinen Freunden, es ist so viel Positives da.

Wie haben Sie das letzte Jahr verbracht?

Wir hatten viel zu tun. Unter anderem hat meine Frau das ganze Archiv digitalisiert – da kam einiges zusammen in den letzten 50 Jahren.

Was war das für ein Gefühl?

Es war ein schöner und auch emotionaler Prozess. In meinem Leben ging es immer vorwärts, ich habe nie zurückgeschaut. Nach einem Projekt hatte ich immer unmittelbar das nächste im Kopf. Ich staune, was wir alles geleistet haben.

Haben Sie Material entdeckt, das sie niemandem mehr zeigen wollen?

Ich muss sagen, Qualität war immer unser höchstes Anliegen. In dem Sinne: nein. Gerade im Sextett in den 70er Jahren haben wir ausser am Sonntag jeden Tag geprobt. Da war alles perfekt.

Sie haben gesagt, Sie erinnerten sich gar nicht an alles. Was zum Beispiel war Ihnen nicht mehr präsent?

An eine Show – und ich habe ja nun gesehen, dass ich eindeutig dabei war – erinnere ich mich nicht mehr. Das war die Filmpreis-Verleihung in München. Eine grosse Gala, wir waren mit einem Ballett, zirka 20 Tänzerinnen, auf der Bühne und haben ein George Gershwin-Medley gespielt. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern. Es lief halt einfach viel.

Sie stehen auf der Bühne, seit sie zwölf Jahre alt sind. Konnten Sie das Ausmass Ihrer Karriere damals schon erahnen?

Ich habe nicht einmal daran gedacht, Berufsmusiker zu werden. Mein Vater war Bahnbeamter und sehr sicherheitsbewusst. Er sagte immer, das sei wohl ein schönes Hobby, aber sicher kein Beruf. Demnach habe ich auch nicht Musik, sondern vier Semester Jura studiert. Erst mit ungefähr 23 kam der Entschluss, ganz auf die Musik zu setzen.

Ist Ihnen das Jurastudium je zu Gute gekommen?

Nein, nein, ich war kein sehr ernsthafter Student. In den Zug bin ich morgens zwar noch eingestiegen, mein Vater war ja Stationsbeamter und hatte das genau im Blick. Kaum in Zürich gingen wir aber oft direkt ins Niederdorf. Damals gab es da das Café Africana, einen Jazzclub, der den ganzen Tag offen war. Dazwischen habe ich ein paar Vorlesungen besucht. Aber eigentlich hat es mich nie wirklich zur Juristerei hingezogen.

Haben Sie den Studienabbruch dennoch je bereut?

Nicht wirklich. Zwar ging meine Karriere nicht halligallimässig los. Als Amateurmusiker waren wir in der Schweiz schon sehr bekannt, im Aargau waren wir sogar weltbekannt. Wir dachten, wir könnten als Profimusiker einfach da weitermachen. Doch wurden wir dann schnell mit anderen Ellen gemessen, was zu Situationen führte, in denen wir uns nicht sicher waren, ob es die richtige Entscheidung war, auf die Musik zu setzen. Ich hätte aber auch noch zehn Jahre lang im fünften Semester wieder ins Studium einsteigen können – es war also nicht einfach so ein Sprung ins kalte Wasser.

Wann zum Beispiel haben Sie Ihre Entscheidung hinterfragt?

Ich erinnere mich an einen Auftritt im Juni 1970, da waren wir seit rund sechs Monaten Profimusiker und spielten in Hamburg. Es war Fussball-WM und wir traten in einem Lokal für 600 Leute vor drei, vier Personen auf. Das war ein Taucher. Mit «Sheila Baby» kam dann aber sehr schnell der erste Hit und es ging richtig los.

Wer sind Sie ohne die Musik?

Mein erster Berufswunsch war Zoodirektor. Ich bin bis heute sehr naturverbunden und ein grosser Tierfan. Lange hielt ich tropische Vögel, jetzt nur noch Hühner, Kaninchen und einen Hund. Ich bin sehr gerne als Musiker unterwegs, aber das Heimkommen und die Arbeit mit den Tieren hat mir immer schon gut getan. Im Showbusiness läuft man Gefahr, zu denken, das sei normal. Aber es ist natürlich eine Scheinwelt, die man nicht allzu ernst nehmen darf.

2022 gehen Sie mit ihrer 25-köpfigen Band auf Tournee. Wie bereiten Sie sich konditionsmässig darauf vor?

Ich lebe heute viel bewusster als früher. Ausserdem habe ich habe im Lockdown eine multifunktionale Fitnessmaschine gekauft und mache alle zwei Tage meine Kraftübungen. Und meine Frau kocht sehr bewusst und gesund. In meinem Alter kann natürlich immer etwas passieren, aber ich provoziere es nicht durch einen exzessiven Lebensstil.

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