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Der Telebasel Glam Beitrag vom 29. März 2021.
Basel

Sophie Taeuber-Arps Kunst nach 84 Jahren zurück im Kunstmuseum

Das Kunstmuseum widmet Sophie Taeuber-Arp eine Sonderausstellung. 1937 setzte sie mit anderen Künstlern einen Kontrapunkt zum Kunsthass des Naziregimes.

Sophie Taeuber-Arp gilt als eine der grossen Avantgardistinnen der Klassischen Moderne. Zusammen mit ihrem Mann Hans Arp fand sie während dem 1. Weltkrieg zum Dadaismus. Einer künstlerischen Bewegung, welche die damals konventionelle Kunst ablehnte. Doch ihr künstlerisches Schaffen war um einiges breiter und begann schon vorher. Eine Sonderausstellung im Kunstmuseum Basel blickt nun auf ihr Werk zurück.

Vom Kunsthandwerk mit abstrakten Zügen zur abstrakten Kunst

Dass Sophie Taeuber-Arp in ihren frühen Jahren vor allem kunsthandwerklich tätig war, ist heute vielen unbekannt. Dies liegt auch daran, dass sie ihre Werke als Gebrauchsgegenstände verkaufte und heute nur noch wenige erhalten sind. So produzierte sie beispielsweise Halsketten aus Glasperlen oder mit Glasperlen geschmückte kleine Beutel. Ihre Kunsthandwerkliche Ausbildung genoss die gebürtige Davoserin in St. Gallen und München.

Dieses Wissen setzte sie während ihrer ganzen Tätigkeit ein. Ihr Schaffen beschränkte sich nicht auf das Arbeiten mit einzelnen Materialien, sondern war äusserst vielfältig. So malte sie auf Leinwand, fertigte bunte Glasfenster an, konstruierte Möbelstücke und war sogar architektonisch tätig. «Man kann sie eben nicht festlegen oder in eine Schublade stecken,» meint Eva Reifert, welche die Ausstellung kuratierter hat. Was sich jedoch quer durch ihr Werk zieht ist die Freude an abstrakten geometrischen Formen.

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Krisen ohne Ende

Die Zeit in der Sophie Taeuber-Arp lebte, war quasi eine Dauerkrise. Es kam zu zwei Weltkriegen, die Weltwirtschaftskrise brachte viel Elend und die Spanische Grippe grassierte. Diese Einflüsse wurden auch in ihren Werken verarbeitet.

Zum Beispiel in den Marionettenfiguren, welche nicht wie üblich nur Menschen darstellen. Eine Figur trägt den Namen «Wache». Sie ist mit mehreren bewaffneten Armen ausgestattet. Dieser Kampfroboter sollte auf die Grausamkeiten der maschinellen Kriegsführung aufmerksam machen. Gleichzeitig wurde in dem Theaterstück, dass mit diesen Figuren aufgeführt wurde, die damals aufkommende Psychoanalyse persifliert. Aufgeführt wurde das Stück aber nur dreimal. Dies wegen der 1918 grassierenden Grippeepidemie.

Grosse Ausstellung vor 84 Jahren

Es ist nicht das erste Mal, dass Sophie Taeuber-Arp in Basel einen grossen Auftritt hat. Schon 1937 spielten ihre Werke eine wichtige Rolle in einer grossen Ausstellung von KonstruktivistInnen in der Kunsthalle. Zusammen mit Künstlern wie Wassily Kandinsky oder Piet Mondrian setzte sie damals einen Kontrapunkt zum Naziregime auf der anderen Seite der Grenze. Denn die Nationalsozialisten gingen damals in Deutschland bereits massiv gegen alle Formen der modernen und abstrakten Kunst vor.

Die Künstlerin war damals selbst in Basel. So wurden auch einige KunstsammlerInnen aus der Stadt auf sie und ihre Kunst aufmerksam. Später gelangten einige ihrer Werke durch Schenkungen in den Bestand des Kunstmuseums.

Tragischer Tod

Die aktuelle Ausstellung zeichnet das Lebenswerk der Künstlerin sehr gut nach, was jedoch fehlt, ist ein Blick auf ihr Spätwerk. Denn dafür hatte Sophie Taeuber-Arp keine Gelegenheit mehr. Während des zweiten Weltkriegs flüchtete das in Paris lebende Ehepaar Arp-Taeuber nach Südfrankreich und später in die Schweiz. Dort verstarb sie 1943 während einer Januarnacht im Hause des befreundeten Künstlers Max Bill. Todesursache war eine Kohlenmonoxidvergiftung wegen eines falsch bedienten Ofens.

Kostenlos ins Museum

Die Ausstellung ist noch bis zum 20.06.2021 im Kunstmuseum Basel zu sehen. Dann wird sie in London und New York gezeigt. Sie kann jeden Mittwochabend im März und April von 17 bis 20 Uhr kostenlos besucht werden. Interessierte werden gebeten, online ein Zeitslot zu reservieren.

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