Hat das Unternehmen Mitte ein Sexismus-Problem? (Bild: Facebook/Unternehmen Mitte)
Basel

Mobbing und sexuelle Übergriffe im Unternehmen Mitte

Das Unternehmen Mitte gilt als Basels progressiver Vorzeigeort. Doch das Bild des beliebten Kaffeehauses scheint zu trügen – hinter den Kulissen brodelt es.

Das Unternehmen Mitte im Kern von Basel gilt als beliebter Ort besonders für Familien aber auch für Studenten und Kreativschaffende. Das grosse Kaffeehaus wird gerne als Treffpunkt für diverse Gespräche oder Meetings genutzt und auch die nicht vorhandene Konsumpflicht wirkt für viele sehr einladend. Oder wie es Mit-Gründer Daniel Häni in einem Interview einmal sagte: «Es geht uns nicht um Profitmaximierung, sondern um Sinnmaximierung.»

Doch der Schein soll nun trügen. Innerhalb des Teams soll es zu Mobbing, Beleidigungen und sexuellen Übergriffen gekommen sein, wie die «WOZ» schreibt. Ausschlaggebend sei ein Vorfall im Frühjahr 2020, bei dem die Angestellte Elisa Schmidt (Name von der Redaktion geändert) sich zu einer Velotour mit anderen Mitarbeitenden verabredete.

Als sie ihren Vorgesetzen K. fragte, ob dieser auch mitkommen wolle, sei dieser aufbrausend geworden. «Er wurde laut, herrschte mich an, er habe gedacht, wir würden die Tour zu zweit unternehmen», erläutert Schmidt gegenüber der «WOZ». Danach habe er sie zu Boden geworfen und sich auf sie gelegt. Erst nach heftiger Gegenwehr lässt er von ihr ab. Das Unternehmen Mitte möchte dazu jedoch keine Stellung beziehen und auch K. reagierte auf Anfragen von «bajour» nicht.

Nach dem Ende des Lockdowns 2020 und der Wiedereröffnung der Restaurants und Bars, schilderte Schmidt den sexuellen Übergriff via Mail der Geschäftsleitung und bat um eine Versetzung. Es kam zu einem Gespräch mit der Geschäftsleitung, an dem auch die Geschäftsleitungsmitglieder Pola Rapatt, Theresa Prüssen und Carolin Faust beteiligt waren. Im Gespräch wurde Schmidt von K. informiert, dass man das Arbeitsverhältnis mit ihr auflösen werde, auf die Übergriffsvorwürfe geht K. nicht ein. (Die Entlassung wird später von den Verantwortlichen der Mitte gegenüber der Schlichtungsstelle kategorisch bestritten, obwohl sie im Protokoll vermerkt ist.)

Heil-Eurythmie für den Peiniger

Schmidt ist jedoch nicht die Einzige, die von K. belästigt wurde. Auch Carolin Faust sei bereits von K. in Anwesenheit von Gästen verbal herabgesetzt oder auch sexuell beleidigt worden. Auch sie sei mit Beschwerden bei der übrigen Geschäftsleitung aufgelaufen. Doch niemand äusserte sich dazu.

Doch der sexuelle Übergriff auf Schmidt hatte für K. dennoch Konsequenzen. «Mitte»-Ko-Chefin Pola Rapatt liess eine anthroposophische Mediatorin aus Deutschland einfliegen. Diese sollte gemeinsam mit K. und Schmidt den Konflikt erörtern. Schmidt verweigerte jedoch die Teilnahme, weshalb Rapatt und Prüssen ihre Rolle übernahmen.

Gestützt auf den Befund der Mediatorin ordnete Pola Rapatt eine Massnahme an: K. muss zur Heil-Eurythmie. Das Ergebnis der Mediation verschickte die Geschäftsleitung später als externes Gutachten an die restlichen Mitarbeitenden. Darin steht über den Übergriff: «Der Vorfall ist aus dem Spass mit einer akrobatischen Übung heraus gekippt und wurde sehr ernst. K. hat sich dafür entschuldigt und es tut ihm sehr leid. Elisa ist seither nicht zur Arbeit gekommen, und wir wünschen Elisa viel Kraft und bieten unsere volle Unterstützung an».

Diese Mail ist für Schmidt eine Verhöhnung. Der sexuelle Übergriff wird als «akrobatische Übung» heruntergespielt. Sie stellte Strafanzeige gegen K., zog gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber vor die Schlichtungsstelle des Zivilgerichts. Die Anzeige ist noch hängig.

Vor der Schlichtungsstelle willigt die Mitte ein, Schmidt wegen des erlittenen Übergriffs eine Entschädigung zu bezahlen. Ob die Kündigung missbräuchlich war, konnte die Schlichtungsstelle nicht klären, weil sich das Unternehmen auf den Standpunkt stellt, gar nie eine Kündigung ausgesprochen zu haben. Schmidt verzichtet auf einen Gang vor Gericht, um die Frage zu klären.

Auch Faust verlässt das Unternehmen

Im Oktober 2020 verlässt dann auch Carolin Faust das Unternehmen Mitte und ihre Mitgliedschaft in dessen Geschäftsleitung. Zuvor konnte sie jedoch noch durchsetzen, dass gegen K. eine offizielle Verwarnung ausgesprochen wurde. Zudem erarbeitete sie einen Leitfaden für den Umgang mit Mobbing und Belästigung. Auch wollte sie eine externe Anlaufstelle für die Mitarbeitenden einrichten, was aber bei Co-Gründer Daniel Häni auf Unverständnis gestossen sei. «Häni schaute mich irritiert an. Er sagte, er sei diese Anlaufstelle, das müsse im Haus bleiben», schildert Carolin Faust gegenüber der «WOZ». Häni äusserte sich auf Anfrage der «WOZ» nicht dazu.

2 Kommentare

  1. Die „linken Gutmenschen“? Und ein Zwinkersmiley? Seriously?
    Ist das alles was Ihnen zu diesem Thema einfällt?

    Wenn die Mitarbeiterin um die es in diesem wichtigen Artikel geht Ihre Tochter/Freundin/Schwester wäre, würden Sie dann auch über die „linken Gutmenschen“ herziehen?Report

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