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Der Telebasel News Beitrag vom 18. März 2021.
Basel

Die bewegende Geschichte des Markthofs

In den Räumlichkeiten des ehemaligen Interdiscounts zieht ein Hotel ein. Wir haben dies zum Anlass genommen, etwas in der Vergangenheit zu stöbern.

Vier Sterne und knapp 70 Hotelzimmer. Das Hotel Märthof zieht ins historische Gebäude an der Nordseite des Marktplatzes ein. Nach Warenhaus, Elektro-Discounter jetzt also eine Herberge. Die Fassade des Hauses steht dabei unter Denkmalschutz, erklärt die Autorin des Architekturbuches «Fin de siecle – Bauen in Basel um 1900» und Stadtführerin Rose Marie Schulz Rehberg. «Es ist auf einem grossen Grundstück gebaut worden, wo ursprünglich fünf Häuser standen. Und man hat es dann 1894 als Ersatz für eine Gastwirtschaft, die Brotlaube hiess, angefangen zu bauen und 97 war dann der jetzige Komplex fertig gestellt.»

Das Haus am Marktplatz im Jahr 1895. (Bild: Staatsarchiv BS)

Der deutsche Architekt Heinrich Tamm hat das Haus, welches heute noch dort steht, damals im modischen Neubarock-Stil entworfen. Es ist nicht das einzige Haus in Basel, das aus der Feder Tamms stammt. Anschliessend war es lange still um das Gebäude. Bis in den 70er Jahren der Coop in die Liegenschaft einzog und das Haus abreissen wollte. 1973 wurde ein neues Projekt vorgestellt, welches ein riesiges Einkaufstempel für Basel vorsah.

Stimmvolk eilt zur Rettung

Schnell regte sich Widerstand gegen das Projekt und es formierte sich ein «Komitee gegen den Markthof». Im Sommer 1975 legte die Direktion von Coop ein gegenüber dem Ursprungsprojekt stark verändertes Konzept mit Namen «Märthof» vor. Das Parlament akzeptierte die neue Version am im 1976 mit 71 gegen 7 Stimmen. «Glücklicherweise gab es schon damals Leute die fanden, das wäre ein Jammer. Und es haben 27’000 dazu geführt, dass man eine Abstimmung machte und das Haus dann stehengelassen werden musste», sagt Schulz Rehberg. Mit einer Zweidrittel-Mehrheit wurde das Projekt abgeschmettert.

Dennoch zog Coop 1978 nach Renovationsarbeiten in das Gebäude ein. Das Warenhaus «Märthof» blieb bis 2004. Die Coop war und ist immer noch Eigentümer. Danach zog der ebenfalls zur Coop-Gruppe gehörende «Interdiscount XXL» ein. Im Jahr 2018 gab die Leitung allerding bekannt, dass sie die Liegenschaft verlassen werden. Heute ist nur noch die Fassade im Original-Zustand. Innen ist das Gebäude über die Jahre immer wieder radikal verändert worden. Seit der Interdiscount nicht mehr drin war, stand es sogar kurze Zeit leer. Mit dem Einzug des «Märthof Hotels» wird diesem Haus jetzt immer hin neues Leben eingehaucht.

Visualisierung des neuen «Märthof» Boutique-Hotel. (Copyright: romanweyeneth.ch)

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