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Der Trailer zur Produktion «JUDAS ON TOUR». (Video: Vimeo/Sarah Gärtner)
Basel

Zwischen Fake News und digitaler Empörungskultur – Theater mit Ansage

Die Company DREI präsentiert ihre neue Theaterproduktion im öffentlichen Raum. Diese soll ganz Corona-konform durchgeführt werden können.

Die Corona-Pandemie hat viele zum umdenken gezwungen. So auch die Theaterproduktionen, die im öffentlichen Raum stattfinden. Nichts desto trotz hat sich die Company DREI dazu entschieden, ihre Produktion zu «JUDAS ON TOUR» zu starten.

Doch was bedeutet es für eine Theaterproduktion coronakonform zu sein? Regisseurin Sarah Gärtner sieht es so: «Die Produktion coronakonform umzusetzen heisst, dass man sich an die geltenden Regeln halten muss, sich aber auch an den Bedürfnissen der Zuschauenden orientiert. Es kann ja sein, dass die Theater bald wieder aufmachen dürfen, die Leute sich aber trotzdem nicht gleich wieder trauen, hinzugehen – jedenfalls nicht, wenn das Theater in geschlossenen Räumlichkeiten stattfindet.» Daher eigne sich die Produktion im öffentlichen Raum, da sie unter freiem Himmel stattfinden kann und Abstände eingehalten werden können. Man plane auch mit technischen Hilfsmitteln wie Funkkopfhörern, Augmented Reality oder VR-Brillen die Inszenierung umzusetzen.

Der öffentliche Raum als Bühne

Ein interessanter Aspekt der Produktion «JUDAS ON TOUR» ist die Durchführung im öffentlichen Raum. Sowohl Sarah Gärtner, wie auch die anderen beiden Personen der Company DREI (Produktionsleiter Attila Gaspar und Schauspieler Christian Heller), haben bereits Erfahrungen in solchen Produktionen. Waren doch alle drei an der Abschlussproduktion «DER PROZESS» der TheaterFalle beteiligt, die 2018 durch die Stadt Basel führte. Damals waren rund 30 Personen auf der «Bühne». Das Stück «JUDAS ON TOUR» kommt gerade mal mit einer Person auf der «Bühne» aus. Dies sicherlich auch aus Corona-Gründen.

Dies sieht Gärtner aber auch als Chance. Denn Produktionen im öffentlichen Raum seien immer auch eine Herausforderung. Sowohl für die Beteiligten, als auch die Zuschauenden. «Der öffentliche Raum wird noch für geraume Zeit der Raum bleiben, wo viele Menschen sich am sichersten fühlen», ist sich Gärtner sicher. Dies spielt der Produktion sicherlich auch in die Karten, da die Zuschauenden auch vermehrt dazu bereit sind, sich auf das Spiel im öffentlichen Raum einzulassen.

Wer ist Judas?

Der Trailer stellt die Figur des Judas (gespielt von Christian Heller) in unterschiedlichen Typen vor. Das Stück befasst sich aber weniger mit der biblischen Figur als mit der Frage, was hinter dem Mysterium Judas steckt. «Die Stück-Autorin Lot Vekemans hat sich an den Fragen orientiert: Ist Judas wirklich der Verräter, als den wir ihn alle kennen? Oder haben wir ihn falsch verstanden? Ist er gar der erste Whistleblower der Geschichte?», so Gärtner.

So tritt Judas mal als Staatsmann, mal als Entertainer oder auch als Rebell auf, mit der Frage: «Wer muss ich sein, dass ihr mir glaubt?» Das Stück behandelt Themen wie die Mechanismen der Meinungsbildung, das Spiel mit öffentlichkeitswirksamen Bildern. Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Fake-News ein aktuelles Thema. Denn immer wieder müssen wir uns in der Pandemie fragen, wem wir noch glauben dürfen und aus welchen Gründen wir bestimmten Personen Glauben schenken und anderen nicht. Oder wie es Sarah Gärtner sagen würde: «Ein Plädoyer für den Zweifel.»

Finanzierung durch Crowdfunding

Die Durchführung der Theaterproduktion ist für den Herbst 2021 geplant. Dies hänge aber auch von der Finanzierung ab. Nebst diversen Stiftungen wolle man die Produktionskosten zu einem Teil auch durch ein Crowdfunding finanzieren. Von diesem hängt der Ausgang der Produktion noch ab. «Sollten wir damit Erfolg haben, ist die Produktion finanziert. Andernfalls müssten wir noch einmal über die Bücher und uns genau überlegen, wie wir weitermachen», sagt Gärtner.

Man habe das Budget bereits auf ein Minimum reduziert und weitere Abstriche kämen nicht in Frage. Bei der aktuellen Situation, die Kulturschaffende seit gut über einem Jahr durchmachen müssen, auch absolut nachvollziehbar. Oder, um es in den Worten von Sarah Gärtner zu sagen: «Ein Verzicht auf eine angemessene Entlöhnung ist ja oft ein Reflex der Kultur, wenn man nur irgendwie weiterarbeiten kann. Das kann ich aber nicht verantworten, schon gar nicht in Zeiten wie diesen, wo es den meisten Kulturschaffenden ohnehin schon an allen Ecken und Enden fehlt. Die Menschen sollen bekommen, was sie verdienen, im Wortsinn.»

Gut die Hälfte des Crowdfunding Beitrags ist bereits finanziert. Daher stehe man dem Ganzen positiv gegenüber. So wird sich zeigen, ob Judas im Herbst 2021 durch die Basler Strassen touren wird und uns ihn seinen Bann ziehen kann.

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