Aryzta hat sein Nordamerika-Geschäft und damit das Sorgenkind des Konzerns zu einem guten Preis verkauft. (Bild: Keystone)
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Aryzta verkauft «Sorgenkind» Nordamerika-Geschäft

Der Backwarenkonzern Aryzta kommt mit seiner Restrukturierung einen grossen Schritt voran. Er hat sein Nordamerika-Geschäft zu einem guten Preis verkauft.

Man habe eine endgültige Vereinbarung über den Verkauf des Eigenkapitals und der Vermögenswerte des nordamerikanischen Geschäfts an eine Tochtergesellschaft von Lindsay Goldberg LLC zu einem Unternehmenswert von 850 Millionen US-Dollar in bar getroffen, teilte der Backwarenkonzern am Freitagabend mit.

Die Transaktion werde voraussichtlich bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres 2021 (31. Juli) abgeschlossen sein und unterliege den für diese Art von Transaktion üblichen Abschlussbedingungen, heisst es in der Mitteilung.

Der frühzeitige Abschluss der Transaktion zu einem Preis innerhalb der ursprünglichen Prognosespanne bestätige die Strategie des Verwaltungsrates, dass Aryzta unabhängig bleiben solle. Das Gremium sei «voll und ganz davon überzeugt, dass seine Strategie den besten Interessen der Aktionäre und Stakeholder dient und den optimalen Weg zur Wertschöpfung darstellt».

Halbjahreszahlen bereits am Montag

Aufgrund der Transaktion wird Aryzta den Halbjahrs-Abschluss nun einen Tag früher als geplant, am kommenden Montag 15. März, veröffentlichen. Zusätzliche Angaben und Kommentare würden dann zusammen mit den H1-Ergebnissen veröffentlicht, so die Meldung.

Der seit letztem Herbst amtierende neue CEO Urs Jordi zeigt sich in der Mitteilung sehr zufrieden mit dem Verkauf. «Diese Vereinbarung stellt einen bedeutenden Wendepunkt für Aryzta dar und ist eine Bestätigung unserer Vereinfachungsstrategie», wird er in der Mitteilung zitiert.

Die heutige Transaktion führe nun zu einem signifikanten Schuldenabbau und stärke die Bilanz. «Jetzt können wir uns darauf konzentrieren, weitere operative Verbesserungen zu erzielen und zu organischem Wachstum zurückzukehren.»

Der vereinbarte Preis von 850 Millionen US-Dollar (gut 700 Mio Euro) für den Verkauf des Nordamerika-Geschäftes widerspiegle die zugrundeliegende Qualität des Geschäftes und sei ein «gutes Vorzeichen für die zukünftigen Leistungsaussichten unter den neuen Eigentümern», so Jordi.

Aryzta selber wollte mit Verkäufen von Firmenteilen zur Stabilisierung des Unternehmens 600 bis 800 Millionen Euro einnehmen, wie der CEO im Dezember an einer Telefonkonferenz gesagt hatte. Rund 40 Millionen Euro erhielt Aryzta bereits Anfang Jahr für den Verkauf des Restanteils von Picard und des nordamerikanischen Pizzageschäfts, noch zum Verkauf steht jetzt das Lateinamerika-Geschäft.

Aryzta hat ein sehr turbulentes Jahr 2020 hinter sich: Der bereits angeschlagene Tiefkühlbäcker war durch die Coronakrise zusätzlich durchgeschüttelt worden. Das hatte dann aktivistische Investoren auf den Plan gerufen. In der Folge installierten die Grossaktionäre Veraison und Cobas im letzten September eine neue Spitze im Verwaltungsrat, angeführt von Ex-Hiestand-Chef Urs Jordi. Diese sollte Aryzta mit Teilverkäufen sanieren, was jetzt zu einem grossen Teil geglückt scheint.

Neue Aktionäre

In der Folge machten die aktivistische Investoren wieder Platz für längerfristig orientierte Anleger. Der Investmentfond Elliott, der sich lange für eine Übernahme von Aryzta interessiert hatte, zog denn auch kurz vor Weihnachten sein Angebot zurück, nachdem der Verwaltungsrat von Aryzta dieses abgelehnt hatte. Dafür interessieren sich nun offenbar neue Aktionäre für Aryzta.

So hatte am Vortag die Online-Plattform «The Market» geschrieben, dass die Jacobs Holding mit einem Anteil von knapp unter 3 Prozent bei Aryzta eingestiegen sei. Die Beteiligungsgesellschaft Veraison habe einen Teil ihres Aryzta-Aktienpakets im Dezember an die Jacobs Holding verkauft habe, hiess es dort. Und ein anderer Teil sei an den Stadler-Chef Peter Spuhler als Privatperson gegangen, schreibt die «Finanz und Wirtschaft» nun in ihrer neuesten Ausgabe (13.3.). Auch er soll einen Anteil von knapp 3 Prozent gekauft haben, so das Blatt.

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