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Der Telebasel Newsbeitrag vom 11. März 2021.
Baselland

Vom Chemiekatastrophen-Schandfleck zum Wohnquartier

Auf dem ehemaligen Rohner-Areal gleich beim Bahnhof Pratteln soll schon bald gewohnt werden. Zurzeit werden die alten Gebäude abgerissen.

Die Ausmasse des neuen Stadtteils sind eindrücklich. Geplant sind rund 400 neue Wohnungen und Gewerbebauten für 500 neue Arbeitsplätze. Die Grundeigentümerin HIAG will rund 250 Millionen Franken investieren.

Ursprünglich wollte es HIAG langsamer angehen. Laut CEO Marco Feusi ging man beim Kauf des Areals davon aus, dass die Chemiefirma Rohner noch einige Jahre als Mieter des ganzen Geländes erhalten bleibt. Es wurde ein langfristiger Mietvertrag unterzeichnet. Soweit ist es aber nicht gekommen. 2019 ging das Unternehmen in den Konkurs.

Plötzlich mit Chemieabfall konfrontiert

Nach dem Konkurs war das ganze Areal noch voll mit Chemikalien und die alte Betreiberin kümmerte sich um nichts mehr. HIAG musste sich kurzfristig um die Entsorgung kümmern. Diese Aufwände verbunden mit Wertberichtigungen lösten beim Immobilienunternehmen Kosten von über 40 Millionen Franken aus. «Man hat bestehende Chemikalien auf dem Areal entsorgt, welche dort gelagert wurden. Und man hat Gebäudeschadstoffe in mühseliger Arbeit entfernt und fachgerecht entsorgt», sagt Feusi.

Mittlerweile ist das Areal zwar chemiefrei, aber noch immer warten diverse Altlasten. So müssen die alten Produktionsgebäude vor dem Abriss etwa von Asbest und PCB befreit werden. Bis im September sollen alle Bauten abgerissen sein. Bis Ende Jahr sollte auch die Frage geklärt sein, wie viele Altlasten noch im Boden verborgen sind und wie diese entsorgt werden müssen.

Erste Studien liegen vor

Heute wurden die ersten Ideen für die neue Überbauung vorgestellt. Im vorderen Bereich entlang der Bahnlinie sollen vor allem Räume fürs Gewerbe entstehen. Diese Gebäudereihe soll als überdimensionierte Lärmschutzwand dienen, welche die dahinter geplanten Wohngebäude vom Bahnlärm abschirmt. Zwischen den einzelnen Bauten soll ein Park mit grossgewachsenen Bäumen entstehen. Und selbst die Fallwinde aus den nahen Jurahügeln sollen dank einer ausgeklügelten Architektur für ein angenehmes Klima sorgen.

Noch handelt es sich dabei aber nur um Ideen. Bis Ende Jahr wird ein Richtprojekt erarbeitet, danach geht es an den Entwurf für einen Quartierplan. Auch die Einwohner sollen dazu ihre Anliegen einbringen können. Später muss der Einwohnerrat darüber entscheiden. Wenn alles optimal läuft, könnte 2024 mit dem Bau angefangen werden.

Ein wichtiger Entwicklungsschritt für Pratteln

Das Areal liegt nur wenige Schritte vom Bahnhof Pratteln entfernt und ist daher von zentraler Bedeutung für die weitere Entwicklung des Ortes, wie Gemeinderat Philipp Schoch von den Unabhängigen Pratteln sagt. Die Zusammenarbeit mit HIAG sei sehr gut angelaufen und die Gemeinde sei insbesondere dankbar, dass sich das Unternehmen so rasch um die Beseitigung der Chemikalien gekümmert habe.

Auch mit der weiteren Planung des Unternehmens sei man in Pratteln zufrieden, der Gemeinderat wünsche sich eine nachhaltige Bauweise. Und was Schoch besonders freue, mit der neuen Nutzung als Wohn- und Gewerbegebiet sei nicht mehr mit den gleichen Geruchsemissionen wie früher zu rechnen. «Rohner war dafür bekannt, dass er immer gestunken hat», sagt Schoch.

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