Nach dem überlegenen Sieg im Super G wird Marco Odermatt an der Siegerehrung gefeiert. (Bild: Keystone)
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Ein überlegener Sieg als Kampfansage

Marco Odermatt ist im Weltcup-Super-G in Saalbach-Hinterglemm eine Klasse für sich. Der überlegene Sieg ist eine Kampfansage an den Gesamtklassement-Leader.

Es durfte mal eine besondere Maske sein bei der Siegerehrung, am Ende dieses besonderen Tages. Marco Odermatt erlaubte sich den Spass mit dem schwarzen Mund- und Nasenschutz mit aufgedrucktem Gesicht mit breitem Grinsen und Zahnlücke, mit dem Justin Murisier schon vor Wochen für Lacher gesorgt hatte. Odermatt tat dies nach einer Fahrt, mit der er alle seine Konkurrenten in den Senkel gestellt und vorab dem im Gesamtklassements führenden Alexis Pinturault seine Zähne gezeigt hatte.

62 Hundertstel betrug Odermatts Vorsprung auf den überraschenden Zweiten, den Franzosen Matthieu Bailet, der zuvor im Weltcup nie besser als Sechster war. Weltmeister Vincent Kriechmayr lag als Dritter schon acht Zehntel zurück. Der Oberösterreicher befindet sich im Kampf um die kleine Kristallkugel trotzdem in einer ausgezeichneten Position. Zum Finale in Lenzerheide tritt er mit dem Vorsprung von 83 Punkten auf Odermatt an.

Der mehr als halbierte Rückstand

Deutlich mehr Boden als auf Kriechmayr machte Odermatt auf Pinturault in der Gesamtwertung gut. Weil der Franzose nur Fünfzehnter wurde, vermochte der Nidwaldner den Rückstand um mehr als die Hälfte auf 81 Punkte zu reduzieren. Das Rest-Programm besteht aus je zwei Riesenslaloms und Slaloms sowie einer Abfahrt und einem Super-G.

Odermatts gut zwei Sekunden Vorsprung auf den WM-Dritten waren eine deutliche Kampfansage an Pinturault. Der Innerschweizer erwartet denn auch «einen grossen Kampf bis zum Schluss». Odermatt sieht für sich den Vorteil, in der Endphase der Saison «noch etwas mehr im Flow zu sein» – ohne ausser Acht zu lassen, dass «Alexis mit den Slaloms noch gute Chancen hat».

Ähnlich klar wie die Einschätzung der Ausgangslage für den Endspurt war Odermatts Analyse seiner Leistung, die ihm den dritten Sieg im Weltcup eintrug. Den zweiten in einem Super-G nach jenem im vorletzten Dezember in Beaver Creek, Colorado. Für die «nahezu perfekte Fahrt» hatte er das richtige Rezept gefunden – eines, das eigentlich für jeden Super-G gilt. Er ging an jenen Stellen mit der nötigen Cleverness zu Werke, wo es unbedingt erforderlich war, und in jenen Passagen mit Risiko, in denen es möglich war, sich am Limit zu bewegen.

Die nicht selbstverständliche Hochform

Odermatts Hochform ist keine Selbstverständlichkeit. Noch vor zwei Wochen war seine Gefühlswelt eine ganz andere gewesen. Mit dem Ausscheiden im ersten Lauf des WM-Riesenslaloms hatte er die bisher grösste Enttäuschung seiner Karriere hinnehmen müssen. Doch Odermatt blies nicht lange Trübsal. Er kehrte so stark und selbstbewusst in den Weltcup zurück, wie er an die Titelkämpfe in Cortina d’Ampezzo gereist war. Er zeigte ein weiteres Mal die Tugenden, die den Champions vorbehalten sind, den grossen Fahrern, zu denen Odermatt schon im Alter von 23 Jahren gehört.

Im Sog von Odermatt zeigten in Saalbach auch Murisier und Beat Feuz starke Leistungen. Murisier überraschte mit der Startnummer 40 als Fünfter. Der Walliser, der erst seinen sechsten Weltcup-Super-G bestritt, sicherte sich seine ersten Punkte in dieser Disziplin. Feuz war so gut klassiert in einem Super-G wie seit zwei Jahren nicht mehr, als er in Kvitfjell Dritter geworden war.

Für Feuz war Odermatts Fahrt «doppelte Motivation». Der Emmentaler selber half wie Murisier aber auch dem Innerschweizer. Beide trugen sie mit ihren Platzierungen dazu bei, den Abstand zwischen Odermatt und Pinturault in der Rangliste zu vergrössern. Skirennfahrer sind ab und zu halt auch Mannschaftssportler.

Odermatt schätzt selbstredend die Schützenhilfe seiner Teamkollegen. Um den grossen Coup schon in diesem Winter schaffen zu können, muss in erster Linie aber er Leistung bringen. Und weiter seine Zähne zeigen.

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