Die Lufthansa verzeichnete 2020 einen Riesenverlust. (Bild: Keytone)
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Lufthansa Chancen des Corona-Horrorjahrs nutzen

Die Corona-Krise hat die Swiss-Mutter Lufthansa an den Rand der Pleite gebracht. Trotz eines Rekordverlustes will Konzernchef Spohr durchstarten.

Dazu verzichtet das Unternehmen sogar auf sein Flaggschiff. «Wir sind fest entschlossen, diese einzigartige Krise als Chance für unser Unternehmen zu nutzen», sagte Vorstandschef Carsten Spohr am Donnerstag bei der Bilanzvorlage in Frankfurt. Das Unternehmen werde nach der Krise beweglicher, digitaler und nachhaltiger sein. Notwendig seien Einsparungen beim Personal und in der Flotte.

Riesenverlust

Der Einbruch in der Corona-Krise hat der Lufthansa für 2020 einen Rekordverlust von 6,7 Milliarden Euro eingebracht nach einem Gewinn von 1,2 Milliarden ein Jahr zuvor. Der Umsatz brach um fast zwei Drittel auf 13,6 Milliarden Euro ein. 2020 bot der Konzern nur noch ein Drittel der Flüge an und erreichte ein Viertel der vorherigen Passagierzahl.

Einzige Ertragsperle war die Frachttochter Lufthansa Cargo, die einen Betriebsgewinn von 772 Millionen Euro beisteuerte. Auch für 2021 rechnet Spohr konzernweit mit einem operativen Verlust, der aber geringer als 2020 ausfallen werde.

Voraussetzung für eine Erholung des Luftverkehrs sind Fortschritte beim Impfen und Testen, die zur Aufhebung von Reisebeschränkungen führen. Spohr verlangte ein einheitliches Vorgehen ohne nationale Alleingänge: «International anerkannte, digitale Impfnachweise und Testzertifikate müssen an die Stelle von Reiseverboten und Quarantäne treten.» Der von der EU vorangetriebene elektronische Impfnachweis müsse auch Ergebnisse von Corona-Tests enthalten.

Ohne Flaggschiff – weniger Mitarbeitende

In der einstmals 800 Jets zählenden Flotte verzichtet der Konzern künftig auf sein Flaggschiff A380. Das grösste Passagierflugzeug der Welt werde aus heutiger Sicht nicht mehr in den Liniendienst zurückkehren, sagte Spohr. Die 14 Super-Jumbos stehen wie rund 500 weitere Flugzeuge derzeit am Boden.

Künftig will der Konzern mit den Marken Lufthansa, Swiss, Austrian, Brussels und Eurowings nur noch 650 Flugzeuge betreiben. Acht Langstrecken-Typen lässt Lufthansa ganz auslaufen und setzt künftig auf kleinere, zweistrahlige Maschinen.

Weiterhin hat der Konzern auch eine zu grosse Mannschaft an Bord. Zwar haben weltweit rund 31’000 von einstmals 141’000 Beschäftigten das Unternehmen bereits verlassen, aber Spohr hält nur eine Höchstzahl von 100’000 Mitarbeitern für möglich. In Deutschland hat der Konzern noch rund 62’000 Beschäftigte.

Der Konzern versucht derzeit, Mitarbeiter mit Abfindungen zum Gehen zu bewegen, bereitet sich aber auch auf Entlassungen insbesondere von Piloten vor. «Wer einen Pilotenjob bei der Lufthansa hat, hat das goldene Los gezogen und verlässt das Unternehmen nicht», sagte Spohr.

Milliarden gesucht

Lufthansa will sich zudem zu einem reinen Airline-Konzern wandeln und sich von Nebengeschäften trennen. So hat der Vorstand schon das aussereuropäische Catering-Geschäft zum Kauf gestellt, folgen soll der Geschäftsreise-Dienstleister AirPlus. Langfristig könnte der Konzern auch einen Minderheitsanteil der Wartungssparte Lufthansa Technik veräussern, die in normalen Zeiten stabile Erträge geliefert hat.

Trotz allem benötigt Lufthansa absehbar weitere Milliarden, um ihr Eigenkapital zu stärken, Staatshilfen zurückzuzahlen und anschliessend wieder frei handeln zu können. Denn solange der Konzern vom Staat gestützt wird, darf er weder Dividenden ausschütten noch bei anderen Fluggesellschaften mit mehr als zehn Prozent als Anteilseigner einsteigen.

Dies verhindere in den kommenden Jahren zunächst auch Fusionen und Übernahmen in der Branche, sagte Spohr. Schliesslich habe praktisch jede Airline in Europa staatliche Hilfen bekommen.

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