Dario Cologna stand bei Weltmeisterschaften im Einzelrennen über 15km noch nie auf dem Podest. (Bild: Key)
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Dario Colognas Triumphe und Tragödien

Das Einzelrennen über 15 km schuldet Dario Cologna noch etwas. An Weltmeisterschaften war der Bündner oft vom Pech verfolgt. Ganz anders als bei Olympia.

Dreimal startete Dario Cologna zu einem 15er mit Einzelstart bei Olympia, fünfmal bei Weltmeisterschaften. Die Resultate könnten unterschiedlicher kaum sein: Im Zeichen der fünf Ringe triumphierte der Münstertaler, der nächste Woche 35-jährig wird, alle drei Male, bei den WM kam er nie über den 6. Platz hinaus. Nicht immer lag der Misserfolg am eigenen Unvermögen. Vor dem Rennen über 15 km Skating am Mittwoch (13.15 Uhr) lohnt sich ein Blick auf die bisherigen Rennen Colognas über diese Distanz.

WM 2009 Liberec: Der vielversprechende Start

Gleich bei seinem ersten WM-Rennen in der Elite setzt das Jahrzehnt-Talent Cologna eine deutliche Duftmarke. Völlig unbeeindruckt läuft der damals 22-Jährige in Tschechien im klassischen Stil auf den 6. Platz. Es war das beste Schweizer Olympia- oder WM-Resultat über diese Distanz überhaupt. Aus den Top 12 von damals ist übrigens in Oberstdorf nur noch Cologna aktiv.

Olympia 2010 Vancouver: Gold beim Olympia-Debüt

In seinem ersten Olympia-Rennen holt Cologna gleich zum grossen Coup aus. Bereits Anfang Saison hat der junge Rätoromane eine Medaille als hohes Ziel ausgegeben – und auf den Loipen von Whistler in den Rocky Mountains liefert er eindrücklich ab. Mit Top-Material an den Füssen gelingt ihm der perfekte Skating-Lauf. Der zweitplatzierte Italiener Pietro Piller Cottrer verliert über 24 Sekunden.

WM 2011 Oslo: Mit falschem Ski chancenlos

Bei äusserst schwierigen Verhältnissen greifen die Schweizer beim Wachs in die falsche Kiste. Bereits nach einer Runde weiss Cologna, dass er keine Chance haben wird und trudelt als 25. ins Ziel. Ein kleiner Trost: Am Holmenkollen hat rund die Hälfte aller Nationen den falschen Ski an den Füssen.

WM 2013 Val di Fiemme: Norweger überlegen

Vier Tage nach Colognas WM-Titel im Skiathlon sind die Norweger um Petter Northug materialtechnisch und läuferisch nicht zu schlagen. Mehr als Platz 8 liegt im Skating-Rennen nicht drin. Dass die Form stimmt, zeigt der Bündner zum Abschluss mit der Silbermedaille über 50 km.

Olympia 2014 Sotschi: Die nächste Machtdemonstration

Nach überstandener Fussverletzung und seinem dramatischen Olympiasieg im Skiathlon läuft Cologna in Sotschi über 15 km klassisch überlegen zu seinem insgesamt dritten Olympia-Gold. Er holt sogar den 30 Sekunden vor ihm gestarteten Johan Olsson ein, der dennoch die Silbermedaille gewinnt.

WM 2015 Falun: Mit hoher Startnummer chancenlos

Im weichen und nassen Schnee ist Cologna mit der hohen Startnummer 71 chancenlos und als 18. nicht mal bester Schweizer (Toni Livers 15.). Olsson gewinnt unter anderem deshalb, weil er in der FIS-Rangliste weit zurückgefallen ist und mit Nummer 17 starten darf. Titelverteidiger Petter Northug kommt als 62. (!) von 85 Startern ins Ziel.

Olympia 2018 Pyeongchang: Tränen der Erleichterung

In Südkorea ist Cologna wieder unwiderstehlich. Er gewinnt in der Skating-Technik gut 18 Sekunden vor dem norwegischen Skiathlon-Olympiasieger Simen Hegstad Krüger – und weint im Ziel Tränen der Erleichterung. Cologna ist der erste Langläufer der Geschichte, der in der gleichen Disziplin bei drei Olympischen Spielen in Folge gewinnt.

WM 2019 Seefeld: Stark, aber kein Exploit

Vor zwei Jahren kommt Cologna mit ähnlichen Resultaten wie heuer zur WM im Tirol. Nach der «besten Leistung in dieser Saison» verpasst er seine erste WM-Medaille über 15 km als Sechster nur um 12 Sekunden.

Die Geschichte zeigt, dass in keinem anderen Rennen so viele Überraschungen möglich sind wie auf den 15 km mit Einzelstart. Ohne die Möglichkeit von taktischen Spielchen müsste eigentlich immer der stärkste Läufer gewinnen. Das ist jedoch nicht immer der Fall, da nicht alle gleichzeitig starten und deshalb die Verhältnisse ändern können. Gerade auch bei den hohen Temperaturen in Oberstdorf könnten höhere Nummern benachteiligt sein.

Dass es auch bei einer WM über 15 km klappen kann, zeigte Cologna vor 14 Jahren, als er in Tarvisio U23-Weltmeister wurde. Übertrieben optimistisch ist er aber nicht: «Die Chancen stufe ich in allen Distanz-Rennen etwa gleich ein.» Sehr gross sind diese nicht. Im Weltcup klassierte sich der vierfache Olympiasieger meist als einer der Besten hinter den Norwegern und Russen, so auch am Samstag als Zehnter im WM-Skiathlon. «Das ist im Moment etwa da, wo ich stehe», ist Cologna realistisch. Diesmal könnte ein verrücktes Rennen mit Überraschungen also für einmal zu seinen Gunsten sein.

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