Featured Video Play Icon
Der Telebasel Fokus Corona Beitrag vom 2. März 2020.
Basel

UPK und Suchthilfe: «Wir rechnen mit einem Ansturm»

Corona schlägt immer mehr Menschen auf die Psyche. Die UPK und die Suchthilfe Region Basel rechnen damit, dass eine Welle an Bedürftigen auf sie zukommen wird.

Corona zieht immer mehr Menschen nach unten. Je länger die Krise geht, desto mehr leidet die Psyche. Noch ist es zwar vergleichsweise ruhig in den universitären psychiatrischen Kliniken Basel (UPK) und bei der Suchthilfe Region Basel. Doch das dürfte sich ändern. Telebasel hat beide Institutionen besucht. Beide berichten: «Wir werden Aufräumarbeiten leisten müssen.»

Weniger Fälle in den UPK

Psychologen der Schweiz haben längst Alarm geschlagen. Anfangs Jahr wenden sich drei grosse Schweizer Psychologie-Verbände mit einem offenen Brief an den Gesamt-Bundesrat. Sie berichten von einer Verdoppelung von schweren depressiven Symptomen innert acht Monaten und fordern rasches Handeln seitens der Politik.

«Dass die psychische Belastung in der Bevölkerung zugenommen hat, bestätigen mehrere Studien weltweit», sagt Prof. Dr. med. Undine Lang im Interview mit Telebasel. «Mittlerweile dürften rund ein Drittel der Menschen an depressiven Symptomen leiden», so die Direktorin der Klinik für Erwachsene und der Privatklinik.

In den UPK aber widerspiegle sich dieser Trend nicht, im Gegenteil. «Wir verzeichnen aktuell sogar weniger Fälle der depressiven Symptome bei uns in den Kliniken. Auch psychiatrische Kliniken in Deutschland haben weniger Patienten», so Undine Lang. Mögliche Gründe könnten laut der Expertin die Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus in der Klinik sein und dass, die Menschen erst niederschwelligere Anlaufstellen konsultieren, wie Selbsthilfegruppen oder Praxen, bevor sie den Schritt in die Klinik wagen.

Suchthilfe: «Uns gehen einige Menschen verloren»

Auch die Suchthilfe verzeichnet aktuell keinen Zuwachs an hilfsbedürftigen Menschen. Doch die aktuellen Umstände bergen Gefahren, sagt Barbara Held, Geschäftsführerin bei Suchthilfe Region Basel gegenüber dem Telebasel-Magazin «Fokus Corona». «Viele Menschen sitzen zuhause, haben wenig soziale Kontakte. Dazu kommen Job- und Verlustängste. Die Gefahr, sich mit Suchtmitteln abzulenken, ist gross.»

«Wir können aktuell einen gewissen Teil an Präventionsarbeit nicht leisten. Gerade junge Menschen und Kinder erreicht man nur, wenn man aktiv auf sie zugeht. Aufgrund der Umstände können wir im Moment aber nicht auf Partys oder in Schulen gehen. Uns gehen dadurch Menschen verloren», so Barbara Held.

«Wir werden Aufräumarbeiten leisten müssen»

Sowohl die UPK als auch die Suchthilfe könnten sich laut eigenen Aussagen aktuell in der Ruhe vor dem Sturm befinden. Bis sich nämlich hilfsbedürftige Menschen Hilfe suchen würden, verginge meist viel Zeit, heisst es von den Institutionen. «Wir rechnen damit, Aufräumarbeit leisten zu müssen», so Barbara Held von der Suchthilfe. Auch Undine Lang von den UPK rechnet mit einem Zuwachs an Patienten.

Beide Institutionen appellieren an die Bevölkerung, sich im Falle von Problemen möglichst rasch Hilfe zu suchen. Viele Probleme könne man gerade in ihrer Entstehungszeit am besten lösen. Auch depressive Symptome, die sich im Verlaufe der Pandemie bei vielen entwickelt haben könnten, können laut Undine Lang gut behandelt werden.

Hilfe suchen? Gar nicht so leicht!

Obwohl sie so wichtig wäre, ist die schnelle Hilfe gerade bei psychischen Problemen nicht so einfach zu bekommen. In ihrem offenen Brief berichten die grossen Schweizer Psychologie-Verbände von monatelangen Wartefristen mit fatalen Folgen.

Das Problem: In der Schweiz sind aktuell nur Psychiaterinnen und Psychiater berechtigt, über die Grundversicherung abzurechnen. Von jenen herrsche jedoch ein Mangel.

Die Psychologie-Verbände fordern rasche Besserung durch ein Anordnungsmodell. Auch psychologische Psychotherapie müsse von der Grundversicherung übernommen werden, wenn sie auf ärztliche Anordnung durchgeführt würde:

Sehen Sie hier den ersten Teil im Telebasel Fokus Corona vom 1. März 2021:

Der Telebasel Fokus Corona Beitrag vom 1. März 2020.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Mehr aus dem Channel