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Der Telebasel News Beitrag vom 27. Februar 2021.
Basel

«Wie ein Schlag in den Magen»: Mit Antisemiten an der Zoom-Konferenz

Antisemitismus im Internet ist auf dem Vormarsch und nicht erst seit Corona. An der Uni Basel kam es an einer Zoom-Konferenz zu einem antisemitischen Angriff.

Die Uni Basel, wie alle Universitäten in der Schweiz, organisiert für die angehenden Studenten zu Beginn des Jahres jeweils einen Infotag. Alle Studienfächer haben dann die Möglichkeit, sich zu präsentieren. Diese Jahr ist pandemiebedingt alles ein wenig anders: Die Infoanlässe finden über Zoom statt.

Nazi-Aufmärsche und Hitlerreden in der Zoomkonferenz

Bei einer dieser Infoveranstaltung für Maturanden über die Jüdischen Studien haben sich Antisemiten in den offenen Zoom-Link eingewählt. Professor Erik Petry der Uni Basel wurde Opfer des besagten Angriffes. «Diese Personen haben dann ihren Bildschirm freigegeben, den Ton angemacht und dann Szenen aus Wehrmachtsfilmen, Nazi-Aufmärsche und Hitlerreden gezeigt. Dazu Musik gespielt, entweder Nazi-Lieder oder Deutsche Volkslieder, die von Wehrmachtssoldaten gesungen wurden. Dazu Bildunterschriften wie, «der Holocaust ist eine Lüge.»

Die Störung konnte Professor Petry unterbinden, die Infoveranstaltung mehr oder minder geregelt beenden. «Ich habe es mit den Schülerinnen und Schülern, die sich eingeschaltet hatten, auch jeweils besprochen, gleich im Anschluss und am Ende auch nochmal zum Thema gemacht.»

Hass im Netz führt zu Gewalt in der Realität

Im Antisemitismusbericht 2020 steht zwar, dass die tätlichen Übergriffe stagniert haben. Was aber augenfällig sei ist, dass gerade im Internet die Fälle zunehmen. Eine gefährliche Tendenz, wie etwa Jonathan Kreutner, Generalsekretär vom Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund, sagt. «Man hat immer gesagt: Achtung, was in der virtuellen Welt passiert, kann in die reale übergehen. Und genau das ist passiert im 2021.» Konkret meint er damit den Zoombombing-Vorfall an der Uni Basel, aber auch Angriffe auf Synagogen in Biel, Lausanne und Genf.

Für Kreutner ist klar, dass die Coronapandemie die antisemitischen Ausfälle im Netz und im Realen befeuern. «Wie so oft in schwierigen Situationen werden Sündenböcke gesucht. Und wie so oft in der Geschichte sind die Juden dann auch die Sündenböcke und das ist das Tragische.»

Schock hallt nach

Erik Petry und die Uni haben eine Strafanzeige eingereicht. Der Schock sitzt beim Professor für Jüdische Studien aber noch immer tief. «Das war auch eine Situation, mit der ich in diesem Moment wirklich nicht gerechnet habe. Es fühlte sich wie ein körperlicher Angriff an, es ist, als ob einem jemand in die Magengrube schlägt.»

2 Kommentare

  1. Ich denke, diese Studenten die dazu Hand geboten haben, sollten ausfindig gemacht werden und dann klarer und diskussionsloser Rausschmiss. Wir brauchen keine Nazis.Report

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