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Der Telebasel-Newsbeitrag vom 26. Februar 2021.
Basel

Fondation Beyeler nimmt Sinfonieorchester bei sich auf

Corona sorgt für eine ungewöhnliche Filmkooperation zwischen Museum und Orchester: Musiker spielen vor Skulpturen von Rodin und Arp.

«Hier gibt es etwas viel Hall», gibt die Flötistin zu bedenken. Der Fagottist ist beim Einspielen aber zuversichtlich: «Das fetzen wir», sagt er begeistert. In der Tat ist es ein ungewöhnlicher Spielort für die beiden. Zwischen den Skulpturen von Auguste Rodin und Hans Arp zeigen sie nun ihr Können. Die «Bachianas Brasileiras» von Heitor Villa-Lobos erklingen durch den Ausstellungsraum der Fondation Beyeler. Wohlbemerkt ohne Publikum, doch vor der Kamera.

Wenn die Kultur in Zeiten von Corona leidet, sind neue Ideen gefragt. So etwa diese Kooperation zwischen dem Sinfonieorchester Basel und der Fondation Beyeler. Die Musik soll in Dialog mit den Skulpturen treten. Daraus entsteht ein halbstündiger Film. Geplant sind kleine Auftritte vor diversen Rodin- und Arp-Plastiken. Die Musiker spielen etwa Werke von Camille SaintSaëns und Benjamin Britten.

Museum will der Musik eine Bühne geben

Die Wahl der «Bachianas Brasileiras» war nicht zufällig. Schliesslich waren die Werke von Johann Sebastian Bach sowohl für Heitor Villa-Lobos wie auch für Auguste Rodin von grosser Bedeutung. So soll Rodin jeweils nach dem Aufstehen eine Live-Morgenmusik gegönnt haben. «Die Musik war offenbar eine wichtige Inspirationsquelle für ihn – man sieht das zum Teil an in seinen Figuren mit fliessenden und abgehackten Formen», erklärt Raphael Bouvier, Kurator bei der Fondation Beyeler. «Auch bei Hans Arp spürt man die fast musikalische Dimensionen der Skulpturen», so Bouvier.

Gespannt auf das Resultat der Begegnung zwischen Musik und Bildhauerei ist Hans-Georg Hofmann, künstlerischer Direktor des Sinfonieorchesters Basels. Not macht während der Lockdown-Durststrecke erfinderisch. «Wir sitzen im Moment im gleichen Boot, uns fehlt das Publikum. Und daraus entstand die Idee, dass wir etwas Gemeinsames machen», sagt Hofmann. Immerhin können die Museen aufatmen und ab Montag wieder aufmachen.

Somit ist auch die Sonderausstellung mit Rodin und Arp, die vor dem zweiten Lockdown gerade mal eine Woche lang offen war, wieder zugänglich. Bei der Musik gibt es noch keinen Silberstreifen am Horizont, Konzerte vor Live-Publikum sind noch nicht in Sicht. «Darum ist es für uns wichtig, dass man der Musik temporär eine Bühne gibt», sagt Raphael Bouvier. Es eine wunderbare Kooperation, die Musik ins Museum zu holen.

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