Die Medienkonferenz mit Bundespräsident Guy Parmelin und Gesundheitsminister Alain Berset ab 15 Uhr bei Telebasel. (Video: Youtube, Der Schweizerische Bundesrat)
Schweiz

Berset: «Hätte nicht gedacht, dass die Pandemie so lange dauern wird»

Der Bundesrat informiert heute Nachmittag um 15 Uhr über seine Lockerungs-Strategie. Telebasel überträgt die Medienkonferenz live im TV und online.
Medienkonferenz endet

Die Medienkonferenz ist beendet. Vielen Dank für Ihr Interesse. Telebasel hält Sie weiterhin zu den neusten Entwicklungen rund um das Coronavirus und darüber hinaus auf dem Laufenden.

Bleiben Sie gesund.

Wie passen Lockerungen für Jugendliche und die Mutationen zusammen?

Internationale Zahlen zeigen, dass die Virus-Mutationen sich unter Kindern und Jugendlichen schneller verbreite. Natürlich beinhalten auch die expliziten Lockerungen für Junge ein Risiko, sagt Virginie Masserey vom BAG. Die Daten seien noch nicht aussagekräftig genug. Berset unterstreicht, dass man mit allen Massnahmen Riskien eingehe, das dürfe man nicht vergessen. Man werde die Entwicklungen beobachten.

Berset hat nicht erwartet, dass Pandemie so lange dauern wird

Bundesrat Berset betont, dass er nicht damit gerechnet hätte, dass die Pandemie so lange dauern wird. «Ich hätte vor einem Jahr nicht erwartet, dass ich heute hier mit Maske sitze und über eine allfällige dritte Welle spreche.» Parmelin ergänzt: In der Realität gebe es keine Automatismen. Natürlich hätte man rückblickend einige Entscheide anders gefällt, aber man habe zu den betreffenden Zeitpunkten schlicht noch nicht so viel gewusst wie heute.

«Die Konsultation war keine Alibi-Übung»

Der Bundesrat wehrt sich gegen den Vorwurf, dass er viele Vorschläge der Wirtschaft, Bürgerlichen und Kultur nicht berücksichtigt habe. «Die Konsultation war keine Alibi-Übung», so Bundespräsident Guy Parmelin.

Auch Gesundheitsminister Alain Berset versichert, dass der Bundesrat alle Meinungen eingeholt und im Entscheidungsprozess integriert habe: «Wir haben alles ernsthaft geprüft.» Es gebe aber keinen Automatismus, was der Bundesrat nach einer Vernehmlassung umsetzen müsse und was nicht.

Der Bundesrat habe aber entschieden, dass er früher als zunächst geplant über einen zweiten Öffnungsschritt diskutieren wolle. Das hatten viele Kantone gefordert.

Ungelöst bleibt der Terrassenstreit in Skigebieten. «Es ist klar, dass mit dem heutigen Entscheid Terrassen geschlossen sein müssen», sagte Berset. Viele Betriebe setzen sich aber über diese Regel hinweg.

Lockerungen für Geimpfte?

Der Bundesrat hat noch keine Vorzüge, von denen bereits Geimpfte allenfalls profitieren könnten, präsentiert. Dazu sei man in Sachen Impfung einfach noch nicht weit genug, sagt Berset. Deswegen habe man das auch noch nicht im Detail diskutiert.

Wie es weitergeht, ist offen

Wenn die Infektionszahlen bis zum 12. März sinken, könne der Bundesrat die Lockerungen auch in einem grosszügigen Ausmass gestalten, betont Berset. Aber es könne natürlich auch sein, dass die Zahlen stagnieren, was heissen würde, dass man weiterhin vorsichtig agieren würde. Und auch auf ansteigende Zahlen würde der Bundesrat entsprechend reagieren, so Berset: «Wir haben schon einmal erlebt, wie wir die Kontrolle verloren haben.»

«Die Zahlen gehen nicht mehr runter, nicht nur bei uns»

«Wir wollen alle so schnell wie möglich zurück zur Normalität, müssen aber weiterhin flexibel bleiben im Umgang mit dem Virus», so Berset. Die vergangenen Tage hätten die fragile Situation unterstrichen: «Die Zahlen gehen nicht mehr runter, nicht nur bei uns.» Alle müssten deshalb vorsichtig bleiben.

Glücklich zeigte sich Berset darüber, dass die Zahl der Hospitalisationen und Todesfälle seit Wochen stetig zurückgeht. «Die Perspektive ist gut.» Man befinde sich nun aber in der Periode, die schon seit Monaten als «schwierigste Situation der Pandemie» vorhergesehen worden sei.

Berset erklärt die Lockerungen

Ab Montag wieder öffnen können – wie bereits vergangene Woche angedacht – Läden, Museen und Lesesäle von Archiven und Bibliotheken. Auch die Aussenbereiche von Zoos, botanischen Gärten und Freizeitanlagen sind wieder zugänglich. Ebenfalls wieder offen sind Sportanlagen im Freien wie Kunsteisbahnen, Tennis- und Fussballplätze oder Leichtathletikstadien.

Es gelten überall Maskenpflicht sowie Abstandsregeln und Kapazitätsbeschränkungen. Wettkämpfe im Erwachsenen-Breitensport sowie Veranstaltungen bleiben verboten. Im Freien sind Treffen im Familien- und Freundeskreis sowie sportliche und kulturelle Aktivitäten mit bis zu 15 statt 5 Personen wieder erlaubt.

Grosszügiger ist der Bundesrat bei Aktivitäten von jungen Menschen. Diese sollen ab 1. März wieder etwas mehr Bewegungsfreiheit haben. Bis 20-Jährigen (Jahrgang 2001) sollen neu auch Wettkämpfe in allen Sportarten sowie Konzerte ohne Publikum wieder erlaubt sein. Kinder- und Jugendchören ist das Singen wieder gestattet.

Ausserdem sind Angebote der offenen Kinder- und Jugendarbeit wie Jugendtreffs wieder zugänglich. Die zunehmende Zahl von psychischen Beschwerden bei Jüngeren rechtfertige es, dieser Personengruppe wieder mehr Möglichkeiten zu bieten, hatte der Bundesrat seinen Vorschlag vergangene Woche begründet. Er wollte die Altersgrenze aber zunächst bei 18 Jahren festlegen.

Alain Berset: «Öffnungen bringen auch erhebliche Risiken»

Jetzt spricht Bundesrat Alain Berset: «Öffnungen bringen auch erhebliche Risiken.» Man wolle nicht riskieren, die Kontrolle über die Situation wieder zu verlieren. Die Zahl der Infektionen sei nicht weiter rückläufig, man hoffe, dass es sich dabei nicht um einen Trend handle. Diese Entwicklung sei auch in den Nachbarländern zu beobachten. Die Mutationen machen inzwischen 60 Prozent aller Infektionen aus. Bisher seien die Aussichten aber wegen sinkender Hospitalisierungen und Todeszahlen gut. Dezember bis März sei die herausforderndste Zeit, das bestätige sich.

Parmelin spricht

Der Bundesrat verstehe die bestehende und spürbare Ungeduld nach der Rückkehr zur Normalität. Man zähle aber auf die Solidarität aller. Die Zahlen würden wieder steigen, der Bundesrat könne diese Tatsache nicht ignorieren. Der Bundesrat wird die Situation am 12. März neu beurteilen und dann über weitere Öffnungen und Lockerungen entscheiden. Ein geeintes Land werde diese Krise überwinden.

Bundesrat bestätigt skizzierten Öffnungsplan

Guy Parmelin eröffnet die Medienkonferenz. In der Vernehmlassung habe es seitens der Kantone viel Kritik gegeben, der Ruf nach schnelleren Forderungen sei Laut gewesen. Doch aufgrund der fragilen Lage habe man am vorgesehenen Zeitplan festgehalten. Jedoch könnten die nächsten Lockerungen schon am 22. März folgen. Ab Montag dürfen alle Läden wieder öffnen, Restaurants bleiben dagegen bis auf weiteres zu. Mehr dazu hier.

Darum geht es heute

Gespannt erwartet die Schweiz am heutigen Mittwoch die Entscheide des Bundesrates zu ersten Öffnungsschritten nach dem zweiten Lockdown in der Coronavirus-Krise. Im Zentrum des Interesses steht die Frage, inwieweit sich die Landesregierung vom wachsenden Druck aus der Wirtschaft, Kultur und der bürgerlichen Politik beeinflussen lässt.

Der Bundesrat möchte die Massnahmen nur schrittweise lockern. Als erstes will er die Läden wieder öffnen und jungen Menschen wieder etwas mehr Bewegungsfreiheit geben. Eine knappe Mehrheit der Kantone möchte dagegen die Aussenbereiche von Gaststätten unter strengen Auflagen früher öffnen.

Am Mittwochnachmittag um 15 Uhr präsentieren Bundespräsident Guy Parmelin und Gesundheitsminister Alain Berset die Corona-Öffnungsstrategie.

Telebasel zeigt die Medienkonferenz aus Bern ab 15 Uhr live im TV und online.

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