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Der Telebasel News Beitrag vom 17. Februar 2021.
Baselland

Darum mussten Asylsuchende in Bottmingen so lange in Quarantäne

Fast dreieinhalb Wochen mussten Asylsuchende in Bottmingen in Quarantäne. Telebasel hat nachgefragt, warum.

Knapp dreieinhalb Wochen lang stand die Asylunterkunft in Bottmingen unter Quarantäne, teilte die Gemeinde am Montag mit. Insgesamt sechs der 17 Geflüchteten sowie ein Betreuer steckten sich mit dem Virus an.

Die ersten beiden Fälle wurden am 19. Januar festgestellt, der kantonsärztliche Dienst verhängte eine Quarantäne über alle 17 Bewohnerinnen und Bewohner der Asylunterkunft. Bei den ersten beiden bekannten Infektionen handelte es sich um einen Betreuer und einen Geflüchteten.

Begegnungen zu vermeiden, war fast unmöglich

«Zur Umsetzung der Quarantäneauflagen wurden die Betreuung und Versorgung der Asylbewerberinnen und -bewerber gemäss Auflagen unter anderem mit Unterstützung eines Sicherheitsdienstes garantiert», heisst es in der Medienmitteilung, die die Gemeinde Bottmingen am Montag verschickte.

Doch wie sah das genau aus? Auf Nachfrage von Telebasel führt Valerie Wendenburg von der Gemeinde Bottmingen aus: «Die Bewohnenden, die positiv auf Corona getestet wurden, waren räumlich getrennt in separaten Wohnungen mit eigenen Sanitäranlagen. Der Einkauf wurde durch die Gemeinde organisiert und die Betreuung täglich sichergestellt. Der Sicherheitsdienst hat das Gebäude laut Auflage der Schutzmassnahmen kontrolliert. Es gab mehrfach ärztliche Kontrollen aller Bewohnerinnen und Bewohner.»

Rolf Wirz, Kommunikationsverantwortlicher des kantonsärztlichen Diensts, schildert die Situation wie folgt: «Wir haben uns die räumlichen Begebenheiten vor Ort angeschaut, es liess sich nicht anders lösen, als dass sich die Personen begegneten. Eine korrekte Isolation war unter diesen Umständen schwierig, wenn nicht unmöglich.»

Traumatisierte dreieinhalb Wochen eingesperrt

Der Baselbieter Asylkoordinator, Rolf Rossi, sagt: «Die Unterkunft in Bottmingen ist schon älter, die Infrastruktur ist dort nicht so grosszügig, was die Einhaltung der Massnahmen erschwert haben dürfte.» Die Belegung der Unterkunft sei Corona-bedingt begrenzt worden. Und natürlich spiele auch die Eigenverantwortung der Menschen, wenn es um die Einhaltung der Schutzmassnahmen gehe, eine grosse Rolle.

Man habe durchaus zusätzliche Räumlichkeiten zur Quarantäne genutzt, sagt Wendenburg – im selben Haus. Gerade wegen Corona sei es schwierig, zusätzliche Unterbringungsmöglichkeiten für Asylsuchende zu generieren, ergänzt Rossi.

Die Geflüchteten mussten das Virus also über drei Wochen lang wortwörtlich in der Unterkunft aussitzen. Wer schon in Quarantäne war, weiss, wie zermürbend schon eine kürzere Quarantäne sein kann. Dazu kommt: Viele Geflüchtete sind traumatisiert.

Die Gemeinde sieht es ungern, dass die Geflüchteten sprechen

Für die psychologische Betreuung und allfällige zusätzliche Unterstützungen sei der kantonsärztliche Dienst grundsätzlich nicht zuständig, sondern die Gemeinde, sagt Asylkoordinator Rossi: «Das Problem in der Quarantäne in Sachen psychologischer Betreuung ist, dass diese nur noch per Telefon möglich ist. Es ist auch die Aufgabe der Betreuung vor Ort, zu spüren, wer allenfalls Unterstützung bräuchte.»

Telebasel wollte mit Betroffenen sprechen. Vor Ort wurde durch einen Mitarbeiter mitgeteilt, dass er dies den Bewohnerinnen und Bewohnern auf Geheiss der Gemeinde Bottmingen nicht mitteilen dürfe. Auch zu einem Zoom-Interview für weitere Auskünfte zeigte sich die Gemeinde nicht bereit.

Trotzdem konnte Telebasel mit einem Bewohner sprechen, der sich aber nicht filmen oder namentlich zitieren lassen wollte. Er sagte, es sei hart gewesen, so lange eingesperrt gewesen zu sein.

Die Bemühungen um Alternativen halten sich in Grenzen

Im Gespräch zeigte sich auch: Die Kommunikation schien nicht reibungslos gelaufen zu sein. Der Geflüchtete wusste nur von einem Bruchteil der Infektionsfälle und konnte darum auch nicht nachvollziehen, warum die Quarantäne drei Wochen statt zehn Tage dauerte. Gemäss der Gemeinde Bottmingen habe man täglich über das weitere Vorgehen informiert.

Obwohl in den Gesprächen mit den Behörden klar wurde, dass es ein Bewusstsein für Schwachstellen bei Asylunterkünften gerade auch im Zusammenhang mit Corona gibt, wird es auch bei allfälligen weiteren Infektionen nach dem gleichen Muster ablaufen, sagt Rossi: «Warten, bis niemand mehr positiv getestet wird, ist die einzige Lösung. Das müssen alle anderen ja auch.»

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