Trotz Menschenansammlungen: In den Schweizer Skigebieten gab es noch keine grösseren Corona-Ausbrüche. (Bild: Keystone)
Schweiz

Skigebiete bisher ohne grössere Corona-Zwischenfälle

Mit den Sportferien dürfte es die Schweizer Bevölkerung wieder auf die Skipisten ziehen. Bisher verlief die Saison ohne grosse Probleme an der Corona-Front.

Die Skigebiete und Bergkantone haben die Corona-Schutzkonzepte im Griff. Das ist das Fazit einer Zwischenbilanz, die der «Tagesanzeiger» zum Start in die Sportferien veröffentlichte.

Insgesamt 500 Corona-Kontrollen wurden in den Kantonen Bern, Graubünden, Wallis, Schwyz, Obwalden, Uri, Glarus, Waadt, Freiburg, Neuenburg und in den beiden Appenzell in den Skigebieten vorgenommen. Nur in Einzelfällen hätten die Behörden intervenieren müssen. Im Wallis beispielsweise waren das 13 Fälle, die in 127 Kontrollen festgestellt wurden.

Skilift geschlossen

Aber es gab auch schwere Verstösse. In Neuenburg wurde ein Skilift geschlossen, weil der Betreiber keine Bewilligung aufweisen konnte. In Nidwalden wurde ein Veranstalter nach einem Event im Innenraum abgemahnt – die Teilnehmenden hatten keine Maske getragen. Auch im Kanton Waadt habe es eine Verwarnung gegeben.

Die meisten Mängel waren aber klein. «Die Einhaltung der Abstandsbestimmungen beim morgendlichen Ansturm an schönen Wochenendtagen stellt für die Betreiber die grösste Herausforderung dar. Verstösse sind punktuell in Form von Menschenansammlungen erkennbar», kommentieren etwa die Glarner Behörden. Andere Kantone stellten fehlende Absperrungen und Beschilderungen oder eine mangelhafte Aufsichtspflicht durch die Bergbahn-Betreiber fest. Oft wurden zudem Wintersportler, die keine Maske trugen, erwischt.

Gondeln sicherer als Büros

Mittlerweile gibt es auch für Studien über die Fahrt in einer Gondelbahn: Laut der Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt (Empa) sei die Nutzung von Gondelbahnen in Hinblick auf Corona-Aerosole nicht bedenklich, so werden die Luftmassen in Gondeln viel häufiger als beispielsweise in Zugwagons ausgewechselt. Insgesamt ist das Risiko, sich während einer zwölfminütigen Gondelfahrt mit offenen Fenstern anzustecken, hundertmal kleiner als bei einem achtstündigen Arbeitstag in einem wenig belüfteten Zweierbüro.

Auch eine begrenzte Passagierzahl beugt Ansteckungen in den Gondeln vor: Dies wird von den Schweizern Skigebieten bereits umgesetzt.

Keine Spital-Überlastung

Obwohl es viele Menschen diesen Winter auf die Pisten zog: Der Ansturm war deutlich geringer als in den Vorjahren. Dadurch blieb bisher auch die befürchtete Überlastung der Spitäler aus. Im Spitalzentrum  Oberwallis etwa ging die Zahl der Patienten mit Wintersportunfällen um 40 Prozent gegenüber den Vorjahren zurück.

Dass das so ist, hatte auch mit dem Wetter zu tun, wie es im Kantonsspital Graubünden heisst. Weil es im Januar fast 20 Tage schneite, gingen weniger Menschen auf die Piste. Im Neuschnee sind Stürze zudem weniger gefährlich: Denn der Schnee ist weicher.

Massentests und Quarantäne bringen Ausbrüche unter Kontrolle

Auch einen Corona-Hotspot, wie es ihn beispielsweise im letzten Jahr im österreichischen Ischgl gegeben hatte, gab es in der Schweiz bisher nicht. Virusausbrüche in Skiorten und Hotels wurden mit Massnahmen schnell unter Kontrolle gebracht.

So zum Beispiel in Wengen mit Massentests nachdem die britische Corona-Mutation entdeckt worden war, oder in Graubünden, wo die Behörden zwei Luxushotels unter Quarantäne gestellt hatten.

Skepsis bei Epidemiologen

Trotz der bisher positiven Bilanz bleiben die Epidemiologen skeptisch. Die meisten Experten halten nichts vom Wintersport in der aktuellen Situation, wie die Zeitung berichtet. Dies vor allem auch in Hinblick auf die mutierten Varianten, die ansteckender sind, als die ursprüngliche Form des Coronavirus. Eine Empfehlung betreffend Skifahren gibt es aber noch nicht seitens der wissenschaftlichen Taskforce des Bundes.

Das Risiko einer Infektion bleibe immer bestehen, warnen Experten. Trotz Vorsichtsmassnahmen beim Anstehen am Lift oder in Gondeln kommt es zu Ansammlungen von Menschen.

Keine Schliessungen geplant

Eine Schliessung der Skigebiete ist aber aktuell nicht vorgesehen. Eine Umfrage von «20 Minuten» mit 15’000 Teilnehmern hatte aber ergeben, dass mehr als die Hälfte der Schweizer Bevölkerung die Skigebiete schliessen will, wenn sich die epidemiologische Lage verschlechtern sollte. Der Berner Lorenz Hess, Nationalrat der Mitte-Partei, hatte bereits eine Schliessung der Skigebiete und Hotels in Tourismusorten für mindestens zwei Wochen.

Wegen eines Dutzends Fällen in zwei Hotels könne man sicher nicht Skigebiete und Hotels in der ganzen Schweiz schliessen, konterte sein Bündner Parteikollege Martin Candinas. Bundesrat und Kantone scheinen gleicher Meinung zu sein.

Die Schweizer Skigebiete sind weiter offen. Laut Tourismusvertretern bringt das dabei nicht nur Risiken, sondern auch Vorteile. Weil die Menschen mehr an die frische Luft gehen würden und sich bewegen, sei es eine gute Vorbeugung gegen den Corona-Blues.

4 Kommentare

  1. Die Schutzkonzepte und deren Durchsetzung variieren sehr stark von Skigebiet zu Skigebiet. Während in Laax jeder eine Maske trägt und das auch vom Personal überwacht wird, tragen in Crans Montana beim Lift anstehen nur ca 50 % eine Maske und im Lift nehmen mindestens 80 % der Leute die Maske ab und es interessiert hier keinen. Es gibt keine Kontrollen und es steht auch nirgends geschrieben, dass die Maske im Lift getragen werden muss. Warum muss Crans Montana kein ordentliches Schutzkonzept bieten?Report

  2. Dieser Bericht zeigt mal wieder wie gut man Zahlen Manipulieren kann. Man vergleiche etwas schwierieges mit etwas noch extremeres und schon ist es nicht mehr schwierig.Report

  3. ist doch kaum möglich zu beweisen wo sich wer, wann angesteckt hat. Logisch aber, dass es dort geschieht wo viele Menschen eng beieinander sindReport

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