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Der Telebasel Report vom 10. Februar 2021.
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Samenspende: für lesbische Paare verboten

Diskriminierung von Frauen gibt es trotz Stimmrecht noch heute. Lesbische Paare haben z. B. keinen Zugang zur Samenspende. Mit verheerenden Folgen.

Vanessa Vogt sitzt auf dem Sofa und hebt ihren Sohn wie ein Flugzeug in die Höhe. Dieser grölt genauso wie Alannah Vogt, die dem Geschehen vergnügt zuschaut. Alannah und Vanessa Vogt sind ein eingetragenes Paar – der neunmonatige Luan ihr Sohn.

Wobei: rechtlich gesehen ist Luan eigentlich nur Vanessas Sohn: «Wenn mir etwas passiert, landet Luan in einer Pflegefamilie und nicht bei Alannah», sagt Vanessa Vogt.

Familie Vogt mit den beiden Mamas Alannah (l.) und Vanessa (r.) sowie mit Sohn Luan. (Bild: Telebasel)

Lesbische Paare noch immer benachteiligt

Grund dafür ist die noch immer rechtlich verankerte Ansicht, dass lesbische Paare keine Eltern sein können. Während Männer den Vaterstatus eines nicht-leiblichen Kindes problemlos via Vaterschaftsanerkennung erhalten können, ist dieser Weg für lesbische Paare ausgeschlossen: «Ich bin genauso seit Geburt die Mutter von Luan wie ein Vater, dessen Kind ebenfalls auf künstlichem Weg gezeugt wurde», sagt Alannah Vogt. Rechtlich sieht es aber anders aus: «Das ist Diskriminierung». Luans biologische Mutter ist nämlich Vanessa Vogt, nicht Alannah Vogt.

Kein Zugang zur Fortpflanzungsmedizin

Das Problem beginne jedoch schon viel früher, erzählt das Paar. In der Schweiz haben lesbische Paare nämlich gar nicht erst Zugang zur Fortpflanzungsmedizin. So kann sich ein Hetero-Paar, das auf natürlichem Weg kein Kind kriegen kann, seinen Kinderwunsch beispielsweise via Samenspende erfüllen. Lesbischen Paaren ist dies verboten. «Das ist einfach nur ungerecht», sind Vanessa und Alannah Vogt überzeugt.

Gleichgeschlechtliche Paare haben in der Schweiz per Gesetz keinen Zugang zur Fortpflanzungsmedizin. (Bild: Envato)

Rechtslage mit verheerenden Folgen

Konkret bedeutet das, dass homosexuelle Paare sich ihren Kinderwunsch im Ausland erfüllen müssen. Nach einem Jahr kann das Paar via Stiefkindadoption dann versuchen, die Elternschaft auch rechtlich zu verankern. Dies bedeutet: Enorme Kosten – emotionale wie finanzielle. Mehrmaligen Reise- und Übernachtungskosten wegen all den Voruntersuchungen und Check-Ups im Ausland. Hinzu kämen die enormen Kosten für die Befruchtungs-Kliniken, für den ganzen Adoptionsprozess – insgesamt eine teure Angelegenheit. «Und das, während andere einfach Sex haben können, um Eltern zu werden», das sei schlichtweg unfair.

Die Folge: im Internet hat sich ein Markt für private Samenspender gebildet. Zwar legal, aber für lesbische Paare mit enormen Risiken verbunden.

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