Beim Frauenstreik in der Schweiz im Juni 2019 erhoben Viele ihre Stimme wegen der Ungleichberechtigung der Geschlechter. (Bild: Keystone)
Schweiz

Lohn-Unterschiede und Slutshaming: Dagegen kämpfen Frauen im Alltag

Noch heute kämpfen Frauen in der Schweiz für Gleichberechtigung. Welche Schwierigkeiten sie im Alltag erleben, zeigen aktuelle Begriffe der Sexismus-Debatte.

Auch 50 Jahre nach der Einführung des Frauenstimmrechts in der Schweiz kämpfen Frauen immer noch um Gleichstellung in gewissen Bereichen. Denn trotz politischer Gleichberechtigung sind Frauen beruflich und gesellschaftlich oft weiter im Nachteil. Viele Frauen in der Schweiz erleben jeden Tag Sexismus. Wie sich dieser äussert, schlägt sich in den wichtigsten Begriffen der anhaltenden Sexismus-Debatte nieder.

Wichtige Begriffe der aktuellen Debatte um Gleichberechtigung und ihre Bedeutungen finden Sie hier:

Bechdel-Test

Der Bechdel-Test soll die Stereotypisierung von Frauen in Filmen analysieren. Dabei wird getestet, ob der Film über eigenständige Frauencharaktere verfügt. Dazu müssen folgende Fragen mit Ja beantwortet werden.

  1. Gibt es zwei Frauenrollen?
  2. Unterhalten sie sich miteinander?
  3. Unterhalten sie sich über etwas anderes als über einen Mann?

Viele, auch beliebte und preisgekrönte Filme, fallen beim Bechdel-Test durch: So etwa die Herr der Ringe-Trilogie oder «The Avengers».

Bodyshaming

Bodyshaming beschreibt, wenn Frauen aufgrund der Eigenschaften ihres Körpers verurteilt werden. Oft geht Bodyshaming damit einher, dass eine Frau keine Probleme damit hat, ihren Körper zu zeigen. Die von den Medien und sozialen Medien verstärkten Schönheitsideale fördern das Bodyshaming. Dies, weil sie die Vorstellung vermitteln, dass nur bestimmte Körpertypen in unserer Gesellschaft Anerkennung und Akzeptanz verdient haben.

Bropriating

(Zusammengesetzt aus «bro» und «appropriating»). Der Begriff bezieht sich auf Männer, die sich Ideen aneignen, die ursprünglich von Frauen stammen. In solchen Situationen beansprucht der Mann damit auch die Lorbeeren, die eigentlich einer Frau zugestanden hatten. Ein Beispiel dafür ist, wenn ein Mann beispielsweise bei einem Gruppenprojekt erst einen Vorschlag von einer Frau kritisiert und ihn dann später aber selbst einbringt.

Catcalling

Catcalling beschreibt das Verhalten, bei dem ein Mann einer Frau in der Öffentlichkeit hinterher pfeift, unerwünschte – und häufig sexuelle – Bemerkungen zu ihrem Körper macht, oder sie sogar berührt. Catcalling wird immer häufiger als eine Form von sexueller Belästigung bezeichnet. Welche Spuren das bei den Frauen hinterlässt, zeigte etwa die Basler Streetart-Aktion «Catcalls of BSL». Beim Projekt wurden die Catcalling-Vorfälle aus Sicht der Opfer am Ort des Geschehens mit Strassenkreide aufgeschrieben.

Consent Culture

Nur ja heisst ja: Consent Culture beschreibt eine Kultur, in der gegenseitiges Einverständnis Grundlage sexueller Handlungen ist. Dies kann auch generell für alle zwischenmenschlichen Interaktionen gelten. Die absolute Notwendigkeit der körperlichen Autonomie wird in der Consent Culture respektiert. Dabei wird mit «Einverständnis» nicht nur die Abwesenheit eines Neins definiert: Es braucht ein klares Ja aus freiem Willen.

Feminismus

Feminismus ist der Oberbegriff für gesellschaftliche, politische und akademische Strömungen und soziale Bewegungen, die  für Gleichberechtigung, Menschenwürde und Selbstbestimmung von allen Menschen jeden Geschlechts eintreten und gegen Sexismus kämpfen.

Frauenstreik

Die organisierte Aussetzung der Arbeit von Frauen nennt man Frauenstreik. Ziel ist, auf systematische oder strukturelle Probleme aufmerksam zu machen oder politische Forderungen durchzusetzen. Am 14. Juni 2019 gingen eine halbe Million Schweizerinnen und Schweizer auf die Strasse, um auf die anhaltenden Unterschiede zwischen den Geschlechtern aufmerksam zu machen. Ebenfalls am 14. Juni im Jahr 1991 protestieren in der Schweiz hunderttausende Frauen für Lohngleichheit und Gleichberechtigung. Die Aktion jährt sich in diesem Jahr zum 30. Mal.

Frauenquote

Das Wort Frauenquote (auch Geschlechterquote oder Genderquote) beschreibt eine geschlechterbezogene Quotenregelung bei Gremien oder Stellen. Damit soll die Gleichstellung von Frauen und Männern in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Kultur sichergestellt werden.

Gaslighting

Der Begriff stammt aus dem Film «Gaslight». Darin wird eine Frau von ihrem Ehemann emotional gequält. Dies, indem er die Gaslampen in einem Zimmer langsam heller und dunkler dreht und dann darauf pocht, dass seine Frau verrückt sei, wenn sie über die unterschiedliche Helligkeit spricht. Um ihr Erbe zu erhalten, bezeichnet er sie so lange als verrückt, bis sie es selbst glaubt. Das Ziel der Manipulation ist es dabei, das Opfer so lange zu verwirren oder abzuwerten, bis es seinem eigenen Urteil nicht mehr glaubt. Die heute dokumentierte Manipulationsmethode gilt als Form der emotionalen Gewalt. Meist sind Frauen die Opfer, aber auch Männer gehören zu den Betroffenen.

Gender Pay Gap

Noch immer verdienen auch in der Schweiz Frauen häufiger weniger als Männer: Gender Pay Gap ist der Begriff für die Differenz zwischen den Lohn-Beträgen, die Männer und Frauen für die gleiche Arbeit erhalten. Im Jahr 2018 verdienten in der Schweiz Frauen im Schnitt 7,5 bis 11,5 Prozent weniger als ihre männlichen Arbeitskollegen.

Hepeating

(Zusammengesetzt aus «he» und «repeating») Hepeating beschreibt das Phänomen wenn die Aussage einer Frau ignoriert wird. Später findet sie aber plötzlich Gehör, wenn ein Mann sie wiederholt. Auch hier gibt es wissenschaftliche Studien, die das Phänomen beleuchtet haben. Oft ist das Setting ein Gruppenprojekt oder eine Sitzung am Arbeitsplatz.

Intersektionalität

Auch in benachteiligten Gruppen kann es privilegierte Untergruppen geben. Die Intersektionalität beschreibt ein soziologisches Konzept, das Identität als ein vielschichtiges Konstrukt versteht. So können Frauen etwas nicht nur wegen ihres Geschlechts, sondern gleichzeitig wegen ihrer Hautfarbe unterdrückt werden. Der Begriff wurde ursprünglich von schwarzen Feministinnen in den USA geprägt: Damit machten sie darauf aufmerksam, dass schwarze Frauen spezifische Diskriminierung erleben, die weisse Frauen nicht durchmachen müssen. So gibt es eine Mehrfachunterdrückung, die nicht nur durch sexistische sondern etwa auch durch rassistische Strukturen entstehen.

Male Gaze

Der Male Gaze beschreibt einen aktiv-männlichen, kontrollierenden Blick. Ursprünglich aus der Filmtheorie stammend, beschreibt der Begriff den Akt der Darstellung von Frauen und der Welt aus einer männlichen und heterosexuellen Perspektive. Frauen werden so als sexuelle Objekte zum Vergnügen von heterosexuellen Männern dargestellt.

Manterruption

(Zusammengesetzt aus «man» und «interruption») Von einer Manterruption spricht man, wenn Männer Frauen unterbrechen und sie nicht ausreden lassen. Von Unterbrechungen beim Sprechen sind Frauen häufiger betroffen: Studien haben belegt, dass Frauen am Arbeitsplatz deutlich häufiger unterbrochen werden, als ihre männlichen Kollegen.

Mansplaining

(Zusammengesetzt aus «man» und «explaining») Wenn ein Mann einer Frau das Offensichtliche erklärt: Von Mansplaining spricht man, um die Tendenz mancher Männer zu erklären, das Wissen von Frauen abzuwerten oder ganz in Frage zu stellen. Dies, indem sie ihnen Dinge erklären, die die Frauen genauso gut oder sogar besser wissen. Dazu gehört das Belehren über Selbstverständlichkeiten, wobei sie davon ausgehen, dass die Frauen, weil sie weiblich sind, eine Sache nicht wirklich verstehen können. Geprägt hat den Begriff die Autorin und Essayistin Rebecca Solnit in ihrem Buch «Wenn Männer mir die Welt erklären»: Darin erzählt sie die Geschichte, wie ein Mann ihr auf einer Party ein Buch erklären wollte, das sie selbst geschrieben hatte.

#Metoo

Das Hashtag #Metoo geht seit Oktober 2017 um die Welt. Nach der Verbreitung des Weinstein-Skandals meldeten sich auf den sozialen Medien unter dem Begriff «ich auch» millionenfach Frauen, die auf sexuelle Übergriffe aufmerksam machen. Die Aktivistin Tarana Burke hatte als erste zum Posten der Überfälle aufgerufen, um auf das weltweite Ausmass sexueller Belästigung und sexueller Übergriffe aufmerksam zu machen.

Patriarchat

Das Patriarchat beschreibt ein Gesellschaftssystem das von Vätern und Männern geprägt, kontrolliert und repräsentiert wird. Dazu zählt etwa, wenn Frauen kein Stimmrecht haben. Aber auch in der Schweiz gibt noch heute Beispiele für das Patriarchat: Beispielsweise, dass bei einer Hochzeit die Frau traditionell den Namen ihres Mannes annimmt oder der Heimatort des Vaters automatisch der Heimatort der Kinder ist. Das Gegenteil dazu ist das Matriachat, das der Frau die wichtigste Stellung im Staat und in der Familie einräumt.

Slutshaming

Dieses Wort bezieht sich Menschen, die Frauen verurteilen, weil sie sich in ihren Augen angeblich «wie eine Schlampe benehmen». Dabei ist das Ziel, eine Frau herabzusetzen, die ihre Sexualität und ihren Körper frei ausdrückt. Dabei ist bereits der Versuch, für Frauen angemessenes Verhalten zu definieren, einschränkend und sexistisch.

1 Kommentar

  1. Die Zeitform zum Begriff Catcalling stimmt nicht ganz. Catcalls of Basel sind weiterhin aktiv und hoffentlich mehr als nur eine Randerscheinung.Report

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