Eine Kunstinstallation in Bern erinnert an die langwierige Einführung des Schweizer Frauenstimmrechts. (Bild: Keystone)
Schweiz

Schweizer Parlamente bleiben in Männerhand

Seit 50 Jahren können Schweizerinnen wählen und abstimmen. Doch in den meisten nationalen und kantonalen Parlamenten überwiegen die Männer.

Pünktlich zum 50-Jahr-Jubiläum des Frauenstimmrechts legt das Bundesamt für Statistik (BFS) eine Übersicht über dessen Geschichte vor – erweitert um die Geschichte der Senkung des Stimmrechtsalters auf 18 Jahre.

In manchem gleichen sich die Abstimmungshistorien von Frauenstimmrecht und Stimmrechtsalter 18: Beide Erweiterungen des Stimmvolks benötigten auf eidgenössischer Ebene zwei Anläufe, bis sie eine Mehrheit gefunden hatten.

Und beide wurden in Gemeinden und Kantonen vorgespurt, wo wiederum mehrere Versuche benötigt wurden: In Genf, Basel-Stadt und Zürich etwa kassierte das Frauenstimmrecht viermal ein Nein, bis es auf kantonaler Ebene eingeführt wurde. In der Waadt klappte es 1959 beim ersten, in Neuenburg 1960 beim zweiten Versuch.

Ähnlich bei der Senkung des Stimmrechtsalters: Schaffhausen, das Tessin und Zürich beispielsweise brauchten dafür auf kantonaler Ebene vier Anläufe, Basel-Stadt, Uri und St. Gallen drei, während in Nid- und Obwalden schon der erste Schuss sass. 13 Kantone hatten das Stimmrechtsalter 18 bereits, als es schliesslich 1992 in der ganzen Schweiz eingeführt wurde.

Parlamente immer noch in Männerhand

In seinem «Tour d’horizon» lässt es das BFS aber nicht bei der Analyse der Abstimmungsergebnisse zur Erweiterung des Stimmrechts bewenden, sondern es zeigt auch, welche Auswirkungen diese auf die Politik hatten, namentlich die Wahlen.

Die Zunahme an Kandidaturen führt aber nicht automatisch auch zu einer besseren Repräsentation der Frauen und Jungen im Parlament: «Der Prozess, jüngere Stimmberechtigte für politische Mitbestimmung zu begeistern», so das BFS, «ist zumindest bei den Kandidaturen, dank dem Aufkommen der Jungparteien, deutlich schneller vonstattengegangen als der Einbezug der Frauen in der Politik».

«In den Kantonen sind die Parlamente wie auch auf eidgenössischer Ebene allesamt in Männerhand, während erst drei Kantone weibliche Mehrheiten in den Regierungen hatten (und aktuell noch haben): Zürich, Thurgau und Waadt».

Weitere Erweiterungs-Etappen im Visier

Die Diskussion, wer in der Schweiz stimm- und wahlberechtigt sein soll, ist aber noch nicht abgeschlossen: «Einzelne Kantone sind bereits einen Schritt weitergegangen, sei es mit dem Einbezug von niedergelassenen Ausländerinnen und Ausländern oder der Senkung des Stimmrechtsalters auf 16 Jahre.» Der Kanton Glarus hat im Jahr 2007 an der Landsgemeinde auf Vorschlag der Juso das Stimmrechtsalter 16 auf kantonaler und kommunaler Ebene eingeführt.

Und der Kanton Jura als Vorreiter lässt bereits seit seiner Gründung Ausländerinnen und Ausländer teilweise am politischen Prozess teilhaben. Mittlerweile stimmen und wählen Ausländerinnen und Ausländer in den Kantonen Genf, Jura, Neuenburg und Waadt teilweise mit, in den Kantonen Appenzell Ausserrhoden, Basel-Stadt und Graubünden ist es den Gemeinden freigestellt, dieses Recht zu gewähren.

Den ausführlichen Bericht des BFS können Sie hier nachlesen.

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