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Der Telebasel News-Beitrag vom 6. Februar 2021.
Region

Frauen dürfen seit 50 Jahren in der Männerwelt mitmachen – Eine Baslerin blickt zurück

24 Jahre war Ursa Krattiger alt als die Schweiz auf nationaler Eben das Frauenstimmrecht einführte. Die Journalistin und Historikerin blickt zurück.

«Es ging wahnsinnig lange», sagt Ursa Krattiger rückblickend. Lange, bis die Schweiz auf nationaler Ebene das Frauenstimmrecht einführte. Erst 1971 war es soweit, über 65 Prozent der wahlberechtigten Männer stimmten zu. Die Schweiz hinkte dem Ausland punkto Frauenrechten deutlich hinterher.

Heute sprächen im Zuge von Corona die Menschen von einem Marathon, sagt Ursa Kattinger. Doch was war dann der ewige Kampf fürs Frauenstimmrecht? Für die heute 74-Jährige ist es klar: mindestens ein «Mega-Marathon».

Konfrontiert und dadurch politisiert mit dem Anliegen der diskriminierten Frauen wurde Krattiger aber schon deutlich früher. Beim Lehrerinnenstreik am Basler Mädchengymnasium. Heute ist die Schule gemischt und unter dem Namen Gymnasium Leonhard bekannt. Die Lehrerinnen blieben 1959 dem Unterricht fern, um zu streiken.

Ursa Krattiger war damals 13 Jahre alt. Mit einem Lächeln erzählt die ehemalige Journalistin, wie der Rektor ins Klassenzimmer rannte und die Mädchen wieder nach Hause schickte. Der Vorfall, der Aktivismus der Lehrerinnen, weckte ein Feuer in Krattiger. Über die «randalierenden Lehrerinnen» schrieb die Journalistin Jahre später ein Buch. Mit eben diesem Titel.

Man merkte, dass die Welt nicht untergehen würde

Dass das Frauenstimmrecht 1971 eingeführt wurde, überraschte Ursa Kattiger nicht gross. Zu dem Zeitpunkt kannten bereits diverse Kantone das Frauenstimmrecht. «Man hatte dadurch gemerkt, dass die Welt ‹wieder erwarten› nicht untergeht», sagt Krattiger mit sichtlicher Genugtung.

Erfahrungen hatte man etwa in Basel gesammelt. Als erster Deutschschweizer Kanton hatte die Stadt am Rheinknie 1966 das kantonale Stimmrecht eingeführt. Für die Baslerin eine Freude: «Vor allem, dass meine Mutter das noch erleben konnte».

Zum 50. Jahrestag der Einführung des nationalen Stimmrechts wird die Autorin voraussichtlich ein gutes Glas Wein mit Freundinnen trinken. Doch die Arbeit ist noch lange nicht getan. Beim Lohn oder der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sieht die 74-Jährige Grossmutter deutlichen Handlungsbedarf.

Heute vermisst sie aber auch die Visionen: «In den 70er Jahren hatten wir eine andere Vorstellung von der Zukunft». Von dieser Bewegung sei aber primär etwas geblieben: Dass die Frauen in der Männerwelt mitmachen dürfen. Die Welt bliebt bislang aber eine der Männer. Das müsse so nicht sein. Nichtsdestotrotz ist Ursa Krattiger zuversichtlich gestimmt.

Gerade im Zuge des Frauenstreiks von 2019 zeige sich, dass die Jugend weiterkämpfen wolle. Ursa Krattiger lief mit einer Freundin am Streik mit, um zu schauen, was die nächste Generation so macht. «Da kann ich nur sagen: weiter so, weiter so, weiter so!», sagt die Journalistin. 50 Jahre nach der Einführung des eidgenössischen Frauenstimmrechts gibt es noch einiges zu tun.

1 Kommentar

  1. Der erste Irrtum war die Verherrlichung des revoltierenden Zimmermanns aus Galiläa,
    Der zweite Irrtum war das Stimmrecht der 75%, und der dritte Irrtum wäre ein Beitritt bei der EU!
    Aber wie sagte einst ein grosser Staatsmann:
    Die breite Masse ist blind und dumm und weiss nicht was sie tut.
    In diesem Sinne: Vorwärts in den Abgrund.Report

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