Das Basler Unispital. (Bild: Keystone)
Basel

Engelberger trickst ein neues Spital her

Bald wird eine neue Spitalliste veröffentlicht. Damit wird festgelegt, welche Klinik was wie oft operieren darf. Doch ein Eintrag auf der Liste irritiert.

Die Baslerinnen und Baselbieter zahlen die höchsten Krankenkassenprämien der Schweiz. Entsprechend haben die beiden Regierungen den Auftrag, die Gesundheitskosten zu senken. Ein Instrument dafür ist eine gemeinsame Spitalliste. Damit können sie bestimmen, welche Klinik welche Operationen durchführen darf. Die Liste soll diesen Frühling veröffentlicht werden. Der «Basler Zeitung» liegt diese Liste bereits vor. Sie habe es in sich, schreibt die Zeitung.

Gemäss der Informationslage der «BaZ» wird ein Hebel bei der Orthopädie angesetzt. Denn: In Basel werden überdurchschnittlich viele Knie- und Hüftgelenke ersetzt. Ein Hinweis darauf, dass unnötig operiert und damit Geld auf Kosten aller Prämienzahlender eingesackt wird. Um dem entgegenzuwirken hat beispielsweise das Unispital Boni-Auszahlungen an die Orthopädie gestoppt. Der Basler Gesundheitsdirektor Engelberger will darum ab Juli eine Mengenbeschränkung für diese Operationen einführen. Dadurch enthält jede Klinik eine Maximalanzahl erlaubter Operationen.

Und plötzlich war da eine neue Klinik

Doch dabei, so der Vorwurf, würde Engelberger nicht alle gleich behandeln. Er würde explizit die Orthopädie des Basler Unispitals bevorzugen. Es ist das «Universitätsspital Basel Gellertstrasse», das der «BaZ» auf der Liste ins Auge gesprungen ist. Das Spital sagt Ihnen nichts? Kein Wunder – denn es gibt es nicht. Aber ein anderes Spital steht an der Gellertstrasse, das Bethesdaspital. Mit diesem Privatspital hat das Unispital seit ein paar Jahren eine Kooperation: Es führt dort orthopädische Operationen durch.

Aber gemäss der bisherigen Spitalliste gelten die Orthopädie-Leistungsaufträge nur für das Unispital, das Bethesda dürfte nur einen Bruchteil dieser Eingriffe durchführen. Die Konkurrenz stört sich an diesem Vorgehen, entsprechend stand die Kooperation in der Vergangenheit in der Kritik. Gesundheitsdirektor Engelberger verteidigte das Vorgehen gegenüber der «BaZ». Doch 2019 schrieb Engelberger selbst in seiner Funktion als Chef der Schweizer Gesundheitsdirektionen «Leistungsaufträge werden standortbezogen vergeben» und «die Weitergabe von Leistungsaufträgen ist nicht zulässig.»

Nicht im Interesse der Prämienzahlenden

Mit der neuen Spitalliste sollen neu die «Phantomklinik ‹Unispital Gellertstrasse›» und das real existierende Unispital die Leistungsaufträge für die gleichen orthopädischen Eingriffe erhalten. Damit werden die Leistungsaufträge für das Unispital mit einem Schlag verdoppelt. Und: Das «Universitätsspital Basel Gellertstrasse» wird als vollständiger Player im Kampf um die neu begrenzten Operationen eingeführt. Andere Kliniken werden dadurch also noch weniger Eingriffe vornehmen können. Engelberger bestätigt gegenüber der «BaZ» dass «neu die Standortbetrachtung in den Leistungsaufträgen explizit festgehalten und damit verbunden der effektive Kostenausweis pro Standort konsequent umgesetzt» werde.

Gemäss Engelberger werden an der Gellertstrasse lediglich Eingriffe, wie etwa neue Kniegelenke, an ansonsten gesunden Patienten durchgeführt, während dieselben orthopädischen Operationen am Unispital an kränkeren Patienten erfolgen, die eine umfangreichere Versorgung benötigen. Warum es diesen Extrastandort für pflegeleichtere Patientinnen und Patienten braucht, konnte die Zeitung nicht erschliessen.

Das Fazit sei aber, dass Engelberger die Leistungsaufträge der lukrativen orthopädischen Eingriffe für das Unispital verdopple und damit anderen Kliniken schade. Und weil die Leistungen am Unispital teurer als bei der Konkurrenz seien, sei Engelbergers Trick nicht im Interesse der Prämienzahlenden, so die Kritik.

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