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Der Telebasel Fokus Corona-Beitrag vom 2. Februar 2021.
Basel

Fährimänner: «Wir halten noch bis im Frühling durch»

Viele Menschen im Home Office, Touristen fehlen komplett. Corona setzt den Basler Fährimännern mächtig zu. Ihr Umsatz ist eingebrochen. Eine prekäre Situation.

Sie sind aus Basel nicht wegzudenken. Die vier Basler Fähren. Keine Sightseeing-Tour führt an ihnen vorbei. Zumindest nicht in «normalen» Zeiten. Corona macht auch vor den historischen und so beliebten Transportmitteln nicht halt.

«Der Umsatz hat sich halbiert», sagt Noa Thurneysen, Fährimaa der Münster-Fähri Leu zu Telebasel. «Wenn sich die Situation im Februar/März nicht bessert, müssen wir uns überlegen, ob wir die Fähren in so einer Krise weiter betreiben können», so der 36-Jährige.

Fähren fallen durchs Netz

An schlechten Tagen waren es 40, an sehr guten Tagen waren es bis zu 1’000 Passagiere, die die Basler Fährimänner und -frauen auf ihren Fähren vom Gross- ins Kleinbasel oder umgekehrt normalerweise transportieren durften. Jetzt aber ist alles anders. Das öffentliche Leben steht so gut wie still, viele Menschen sind im Home Office, Touristen kommen keine mehr. Nicht selten landen nur wenige Franken in der Kasse der Fährimänner.

Da die Fähren weder ein Gastronomie- noch ein Tourismusbetrieb sind, fallen sie nicht unter die Härtefallklausel. Als Selbständiger hat Noa Thurneysen zwar finanzielle Unterstützung vom Bund für sich bekommen, diese fliesse jedoch direkt in die Löhne der Angestellten. «Ich habe das Glück, eine Frau zu haben, die auch arbeitstätig ist. Ich muss nicht das Geld für unsere Miete und unser Essen verdienen», so der 36-Jährige Familienvater. Das erleichtere ihm die Situation ein wenig.

Hilfe ja oder nein?

Alles in allem plagt die Fährimänner viel Unsicherheit. Wo gehören sie dazu? Wie bekommen sie Hilfe? Gibt es überhaupt was? Solche Fragen stellen sich Rosi Tiefenthal und Hanspeter «Hambbe» Tschudi ganz besonders. Das Geschäftsduo übernahm die St-Alban-Fähre Wild Maa erst Anfang Januar.

«Laut Bund haben alle Firmen, die letztes Jahr nach März gegründet worden sind, grundsätzlich keinen Anspruch auf Hilfe. Wie das in unserem konkreten Fall aussieht, wissen wir nicht», so Hambbe Tschudi. Leisten können sich auch die beiden die jetzige Situation nur aufgrund ihrer Ersparnisse und nicht zuletzt wegen der Unterstützung ihrer Liebsten. «Ich habe einen Partner, der Verständnis hat und ein tolles Umfeld, das alles etwas abfedern kann», so Fährifrau Rosi Tiefenthal.

Verein und Stiftung geben Rückendeckung

Nicht nur die Liebsten, sondern auch der Fähri-Verein Basel und die Stiftung Basler Fähren bringen die Fährimänner und -frauen durch diese schwere Zeit. Die Stiftung, der die Fähren gehören, kam den Fährimännern mit der Pacht entgegen. Der Verein kümmert sich um die Instandhaltung der Fähren und akquiriert Mitglieder, die einen Mitgliederbeitrag von 30 Franken pro Jahr leisten. Ein Batzen, der wichtiger ist denn je, sagt Vereinspräsidentin Martina Meinicke.

«Wir haben wegen Corona zwar einige Mitglieder verloren, konnten aber auch mit Inseratenkampagnen neue finden. Es ist sehr viel Goodwill seitens Bevölkerung zu spüren», so Martina Meinicke.

Lange darf es nicht mehr so weitergehen

So gross die Unterstützung und Solidarität auch ist, die Fährimänner machen Minus, das steht fest. Lange dürfe dies nicht mehr so sein, sind sich alle einig. «Meine Frau kann nicht arbeiten, dafür, dass wir die Fähre am laufen halten können», so Noa Thurneysen.

«Wir hoffen, dass wir mit dem Sommerfahrplan Ende März wieder bessere Zeiten haben. Die Fallzahlen sinken. Wenn das nicht so ist, müssen wir mit dem Kanton schauen, was weiter möglich ist. Bis im Frühling halten wir noch durch», so Hambbe Tschudi von der St.Alban-Fähri.

Sie wollen die Fährimänner unterstützen? Mehr Informationen finden Sie hier. 

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