Featured Video Play Icon
Der Telebasel-Talk vom 2. Februar 2021.
Schweiz

Anita Fetz zur Gleichstellung: «Das sind die nächsten Schritte»

Am Sonntag feiern wir 50 Jahre Frauenstimmrecht. Aber seit 1971 wälzten Politikerinnen viele andere Gleichstellungsbrocken, an vorderster Front: Anita Fetz.

1985. Klingt für viele heute nach grauer Vorzeit – besonders wenn man sich die Lage der Frauen in der Schweiz ansieht. Das Frauenstimmrecht war erst (es brauchte mehrere Anläufe) 14 Jahre alt. Die Frauen verdienten ein Drittel weniger als die Männer. Damals kam Anita Fetz erstmals in den Nationalrat. In der Work-Zeitung fasste sie 2018 zusammen: «Es gab damals kein Recht auf Schwangerschaftsabbruch, keine Gleichstellung in der Ehe, keinen bezahlten Mutterschaftsurlaub, kaum Kinderkrippen, keine Kindergutschriften in der AHV, Vergewaltigung war noch kein Offizialdelikt usw. Das alles haben wir erkämpft.»

Vom Kampf um Lohngleichheit

2018 rang Anita Fetz als SP-Ständerätin für die Pflicht zu Lohngleichheits-Analysen, die dank der Abwehr von bürgerlichen Politikern im Laufe der Jahre massiv ausgedünnt worden war. Und die die Lohnungleichheit in unserem Land (7,7 Prozent 2019) nicht beenden, bloss weiter verringern wird. Vielleicht. Denn fehlbare Firmenchefs, die die Frauen weiterhin schlechter bezahlen als die Männer im Betrieb, haben nichts zu befürchten. Nicht mal Massnahmen gegen ihre illegale Praxis müssen sie ergreifen. Die graue Vorzeit, sie erstreckt sich bis heute. Fetz griff im Kampf auch mal zum verbalen Zweihänder, kritisierte eine «Politik der wenig netten Sorte, man könnte auch sagen der üblen Sorte».

Leidenschaft und intellektuellen Überblick

2019 trat Anita Fetz nach 16 Jahren und zahllosen solcher Kämpfe im Ständerat zurück. «Frech» ist das erste Adjektiv, das Claude Janiak in Bezug auf seine langjährige Ratskollegin einfällt, nachzulesen im Vorwort zu Markus Sutters Fetz-Biographie «Anita Fetz». Ihr Lebensgefährte Fritz Jenny erinnert sich darin an ihre erste Begegnung: «Es war am 1. Mai 1980. Da tauchte am Rednerpult eine junge freche Frau auf, die es im wahrsten Sinne des Wortes draufhatte. Sie war nicht nur sehr attraktiv, sondern auch sehr selbstbewusst.»

Das Buch beschreibt nicht nur Fetz› bisherigen Lebensweg. Es bietet einen Überblick über wichtige politische Ereignisse aus dem Blickwinkel einer Politikerin, der instinktiv das relevante Detail einer Sache aufzufallen scheint. Deren Erfolgsgeheimnis vielleicht darin besteht, dass sie Leidenschaft und intellektuellen Überblick glücklich verbinden konnte.

Die nächsten Hürden zur Gleichstellung

Heute kämpft Fetz weiter. Angefragt, was denn nun die nächsten, wichtigsten Hürden zur Gleichstellung sind, schreibt sie: «Die nächsten wichtigen Schritte sind aus meiner Sicht bezahlbare Kitas und die Individualbesteuerung für Ehepaare. Die gemeinsame Veranlagung des Einkommens führt zu einer hohen Progression und steuert das kleinere Einkommen fast weg. Dazu kommen noch hohe Kitagebühren für den Mittelstand. Beides zusammen bestraft eine partnerschaftliche Arbeitsteilung in der Familie.»

Im Talk zu «50 Jahre Frauenstimmrecht» und zu ihrer Biographie «Anita Fetz»: Ex-Ständerätin Anita Fetz, Dienstag, 2. Februar 2021, 18.45 Uhr.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Mehr aus dem Channel