Bis dahin liessen Gemeinden die Frauen lokal mitbestimmen. (Archivbild: Keystone)
Schweiz

Wie sich die ersten Frauen kantonale Mitsprache erkämpften

Am 1. Februar 1959 schmetterten die Schweizer das Frauenstimmrecht ab. Waadt nahm die Vorlage aber auf kantonaler Ebene am gleichen Tag als erster Kanton an.

«Und wenn wir diesmal die ersten wären?» Diese Parole im Abstimmungskampf im Kanton Waadt war im Januar 1959 omnipräsent und auch erfolgreich. Der sonst eher konservative Kanton am Genfersee führte als erster Kanton der Schweiz das Frauenstimmrecht ein.

Am 1. Februar 1959 gaben die Waadtländer mit 33’671 zu 30’285 Stimmen ihren Frauen das Recht, künftig bei kantonalen Vorlagen an die Urne zu gehen. Am gleichen Tag wurde dieses Begehren auf nationaler Ebene von einer klaren Mehrheit verworfen. 19 Kantone und mehr als zwei Drittel der Stimmberechtigten waren dagegen.

Im Abstimmungskampf wurde damals der Teufel an die Wand gemalt. So gab es Plakate, auf denen ein abschreckendes Insekt auf dem Schnuller eines Kleinkindes sitzt. Auf anderen war ein auf dem Herd vergessener Suppentopf abgebildet. Die Plakate zeigten die Zukunft von vernachlässigten Familien, deren Frauen von der Politik beansprucht wurden.

Dass es in der Waadt trotz der Schwarzmalerei zur Einführung des Frauenstimmrechts reichte, war vor allem auf das Engagement von Antoinette Quinche zurückzuführen, wie Simone Chapuis-Bischof, Mitglied des Initiativkomitees «Für eine gerechte Vertretung der Frauen in den Bundesbehörden», erklärt.

Bundesgericht schmetterte Begehren ab

Quinche, eine Anwältin mit Neuenburger Wurzeln, hatte mehr als tausend Frauen dazu aufgefordert, von den Behörden Stimmausweise zu verlangen. Dies mit der Begründung, dass der Satz in der Bundesverfassung, der jedem Schweizer nach vollendetem 20. Altersjahr das Stimm- und Wahlrecht zusprach, auch für die Frauen gelte.

Als den Frauen die Ausweise verweigert wurden, gelangten sie ans Bundesgericht. Ihr Begehren wurde 1957 von den Bundesrichtern im Stimmenverhältnis sieben zu zwei abgeschmettert.

Nach dieser Niederlage begann der Kampf der Waadtländer Verbindung für das Frauenstimmrecht allerdings erst so richtig. Die Verbindung engagierte sich stark auf politischer Ebene, wo sie auch Verbündete fand. Mit Hilfe des freisinnigen Staatsrates Gabriel Despland wurde dann das Abstimmungsdatum auf den gleichen Tag festgelegt wie der eidgenössische Urnengang.

Romandie deutlich fortschrittlicher

Einige Monate nach den Waadtländern, am 27. September 1959, sagten auch die Neuenburger Ja zum Frauenstimmrecht. Die Genfer taten es ihnen am 6. März 1960 gleich.

In der Deutschschweiz vergingen noch einige Jahre, bis als erstes die Männer des Kantons Basel-Stadt am 26. Juni 1966 dem Frauenstimmrecht zustimmten. Als letzter Kanton, gezwungen durch das Bundesgericht, folgte Appenzell Innerrhoden 1990.

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