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Der Telebasel News-Beitrag vom 28. Januar 2020.
Basel

Corona-Ausbruch im Pflegeheim Wendelin zwischen Impfterminen

Mit dem Corona-Impfstart läuft das Rennen gegen die Zeit: Denn nach der ersten Dosis ist man noch nicht geschützt. Das zeigen Todesfälle im Pflegeheim Wendelin.

Im Riehener Pflegeheim Wendelin sind im Januar 2021 zehn Personen verstorben, wie das Basler Gesundheitsdepartement gegenüber Telebasel bestätigt. Sieben der Verstorbenen waren mit dem Coronavirus infiziert.

«Die Todesfälle zeigen, dass sie einem Corona-Ausbruch geschuldet sind», so Anne Tschudin, Leiterin Kommunikation des Gesundheitsdepartements Basel-Stadt. «Von den zehn im Januar Verstorbenen waren sechs geimpft. Von diesen sechs geimpften Personen wiederum haben sich vier nach der 1. Impfung mit Covid angesteckt und sind verstorben.»

Kein Zusammenhang der Todesfälle mit Impfungen

Mit den Impfungen hätten die Todesfälle aber nichts zu tun, betont Anne Tschudin. «Im Pflegeheim Wendelin sind zwar im Januar 2021 zehn Personen verstorben, wir haben jedoch keine Hinweise darauf, dass ein Zusammenhang mit der Impfung vorhanden wäre.»

«Der Hausarzt oder die Hausärztin hatte die Todesursache zu beurteilen und bezüglich Impfung eine Meldung an Swissmedic zur näheren Beurteilung zu machen», erläutert Tschudin weiter. «Gemäss Swissmedic sind bisher bei Impfungen gegen das neuartige Coronavirus keine unbekannten Nebenwirkungen aufgetreten.»

Schutz erst nach zweiter Dosis

Die Todesfälle verdeutlichen: Nach der ersten Dosis liegt noch kein Schutz gegen das Coronavirus vor. «Die Erstimpfung im Pflegeheim erfolgte am 30. Dezember 2020. Das Immunsystem benötigt einige Tage Zeit, um sich aufzubauen. Vor allem in den ersten zwei Wochen nach der Impfung ist man noch nicht umfassend geschützt, wie Berichte zeigen», erklärt Anne Tschudin.

«Die volle Wirkung entfaltet der Impfstoff erst etwa eine Woche nach der zweiten Impfdosis. Somit konnte leider die am 30. Dezember 2020 verabreichte Erstimpfung noch keine genügend grosse Schutzwirkung erzeugen. Die Zweitimpfung fand am 20. Januar 2021 statt», sagt sie zu den Fällen im Pflegeheim Wendelin.

«Infektionen nicht vermeidbar»

Braucht es nun trotz Impfstart strengere Schutzmassnahmen für Alters- und Pflegeheime, um weitere Corona-Ausbrüche zu vermeiden? «Wir überprüfen gemeinsam mit den Alters- und Pflegeheimen und weiteren Expertinnen und Experten die Situation laufend», antwortet Tschudin. «Neu werden zum Beispiel in Basel-Stadt den Mitarbeitenden der Heime regelmässig präventive Corona-Tests als weitere Schutzmassnahme angeboten.»

Im Herbst 2020 hätten die Behörden einen Leitfaden für das Vorgehen bei Corona-Ausbrüchen erstellt, den seither alle Pflegeheime befolgen. «Die Schutzmassnahmen werden besprochen und pro Heim bei einem Corona-Ausbruch angepasst. Leider sind auch bei umfassenden Schutzmassnahmen Infektionen nicht zu vermeiden», so Anne Tschudin.

Der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen sagt auf die Frage, ob es nicht eine spezielle Informationskampagne zum Thema Schutz nach dem Impfen braucht: «Ich denke, bei den Alters- und Pflegeheimen weniger, weil dort Profis sind, die das bereits wissen. Wo wir hinschauen müssen, ist generell die Schweizer Bevölkerung. Damit dort nicht der Eindruck entsteht: ‹Ja, jetzt können wir wieder machen, was wir wollen, und alles ist gut›. So hochwirksam kann keine Impfung sein, dass es nicht auch dann Fälle gibt».

Gemäss Heimleiter sind Ansteckungen vor erster Impfung erfolgt

Rainer Herold, Geschäftsführer des Pflegeheims Wendelin, bezweifelt gegenüber Telebasel, dass die Infektionen in seinem Heim nach der ersten Impfung erfolgt sind. Er gibt sich überzeugt: «Infektion und Ansteckung müssen eindeutig vor der Impfung passiert sein, denn es braucht eine gewisse Inkubationszeit, bis das Virus den Weg zur Krankheit findet». Letztlich ist gemäss Gesundheitsdepartement ein genauer Rekonstruktionsverlauf schwierig.

Um weitere Infektionen zu verhindern, setzt man im Pflegeheim Wendelin neu auf FFP2-Masken und vermehrte Abstriche.

1 Kommentar

  1. Interessant, dass niemand hinterfragt, wieso sich im Dezember noch soviele Heimbewohner ansteckten. Wir wissen doch seit Monaten, dass die Hälfte der Todesfälle in Heimen sind. Was hat das Heim (nicht) vorgekehrt? Wieviele Mitarbeiter waren infisziert? Meiner Meinung nach ist hier nicht die Impfung das Problem, sondern was im Heim schief lief. Telebasel darf ruhig kritischer sein. Keine Aussage von Herrn Herold wird hinterfragt.Report

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