Ob der Mann den Brand am 1. Dezember 2019 in Merenschwand gelegt hatte, konnte nicht bewiesen werden. (Bild: Kantonspolizei Aargau)
Schweiz

Brandstifter von Merenschwand AG muss  vier Jahre ins Gefängnis

Das Bezirksgericht Muri AG hat am Dienstagabend einen 38-jährigen Bandstifter zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt.

 Der Schweizer legte laut Gericht im Dezember 2019 insgesamt fünf Brände in seiner Wohngemeinde Merenschwand AG. Verurteilt wurde der Mann wegen mehrfacher Brandstiftung und wegen mehrfachen Hausfriedensbruchs. Das Bezirksgericht sprach den Mann jedoch vom Vorwurf frei, den ersten und folgenreichsten Brand am 1. Dezember 2019 gelegt zu haben. Dabei war ein Bauernhaus mit Scheune zerstört worden. Die Bewohner konnten sich ins Freie retten.

Es gebe keine Beweise, dass der Mann den Brand gelegt habe, sagte der Gerichtspräsident. Der Brand liege in einer Serie von Brandstiftungen. Im Zweifel müsse der Angeklagte vom Vorwurf freigesprochen worden. Das Gericht fällte sein Urteil einstimmig. Der Mann hatte den Vorwurf immer zurückgewiesen, diesen Grossbrand gelegt zu haben.

Die anderen fünf kleineren Brände gestand er. Das Urteil ist eine Niederlage für die Staatsanwaltschaft. Sie hatte eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren gefordert – für insgesamt sechs Brandstiftungen. Der Verteidiger forderte eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten, die zugunsten einer stationären Massnahme aufgeschoben werden sollte.

Die vom Gericht ausgesprochene Freiheitsstrafe wird nun zugunsten einer stationären Massnahme aufgeschoben. Der Verurteilte befindet sich bereits in einer stationären Massnahme, um seine Alkoholsucht zu behandeln. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

«Eine dumme Idee»

Vor Gericht sass ein mittelgrosser, schlanker Mann. Er wirkte eher unscheinbar, brauste beim Reden jedoch schnell auf. Weshalb er Brände legte, konnte er trotz wiederholten Nachfragen des Gerichtspräsidenten nicht nachvollziehbar erklären.

Es sei «eine dumme Idee» gewesen, sagte er. Er sprach auch von einer «Blitzidee». Er sei frustriert gewesen. «Ich wollte Aufmerksamkeit», sagte der gelernte Metzger, der gemäss Gutachten Alkoholiker ist.

Nach einer der Brandstiftungen ging er eine weitere Bierbüchse kaufen – und sah, wie die Feuerwehr ausrückte. Er wohnte bei seinem Vater in Merenschwand und war arbeitslos. Mit seinem Vater redete er jeweils über die Einsätze der Feuerwehr. Einen Brand meldete er sogar selbst.

Der Schweizer gab zu, er sei jeweils nicht sicher gewesen sei, dass es keine Verletzten geben werde. Er hatte viele soziale Probleme, trank übermässig Alkohol und war arbeitslos. Das Bezirksgericht tagte wegen der Corona-Schutzmassnahmen im grossen Festsaal der Gemeinde.

Der Mann stellte wiederholt in Abrede, den ersten, grossen Brand am 1. Dezember 2019 gelegt zu haben. Damit habe er nichts zu tun. «Die Festnahme war eigentlich eine Erleichterung gewesen», sagte er.

Der Verteidiger bemängelte die Ermittlungen und Einvernahmen durch die Strafverfolgungsbehörden. Beim grossen Brand lägen keine Beweise für die Schuld seines Mandanten vor. Die anderen fünf Brandstiftungen seien unbestritten. Diese seien «ein Hilfeschrei» gewesen.

Unruhe und Angst im beschaulichen Dorf

Die Brandserie im Dezember 2019 hatte in der kleinen Freiämter Gemeinde Merenschwand viele Ängste, Unsicherheit und Verdächtigungen ausgelöst. Die Kantonspolizei erhöhte ihre Präsenz und nahm vorübergehend zehn Personen fest – darunter auch den vorbestraften Angeklagten.

Das älteste Haus des Dorfes brannte am 1. Dezember, einem Sonntagmorgen, bis auf die Grundmauern nieder. Das ehemalige Bauernhaus mitsamt einer angrenzenden Holzscheune wurde zerstört. Die Bewohner konnten das Gebäude aber rechtzeitig verlassen.

Nur einen Tag später gab es innerhalb einer Stunde weitere Brände: Eine Sitzbank auf dem Kirchplatz und ein ehemaliger Stall brannten. In der Nacht auf den 7. Dezember war ein Einfamilienhaus betroffen:

Zum einen wurde in der Garage ein Brand festgestellt. Zum anderen brannte es gleichzeitig auf der Rückseite in einem Kellerraum des Einfamilienhauses. Sieben Tage nach dem ersten Brand wurde der nun Verurteilte von der Polizei verhaftet.

1 Kommentar

  1. Mein Haus wurde 2019 auch durch Brandstiftung schwer beschädigt! Leider konnte der Täter noch nicht gefasst werden. Der verdächtigten Person konnte die Tat nicht nachgewiesen werden und läuft darum immer noch frei herum !Report

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