Schwangere können sich gegen das Coronavirus impfen lassen. (Bild: Keystone)
Schweiz

Corona-Impfungen für Schwangere mit Zusatzrisiken möglich

Schwangere mit Bluthochdruck, Diabetes oder starkem Übergewicht sollen sich gegen das Coronavirus impfen lassen können, wenn sie dies wünschen.

Darauf haben sich die Fachgesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) geeinigt. Schwangere gehören laut BAG zu den besonders gefährdeten Personen. Zwar sei das Risiko einer Ansteckung im Vergleich zu nicht-schwangeren Frauen nicht grösser, jedoch die Gefahr eines schwereren Krankheitsverlaufes, erklärte Daniel Surbek von der Fachgesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG) und Chefarzt für Gynäkologie am Berner Inselspital, am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Für das Kind bestehe das Risiko der Frühgeburtlichkeit, unter welcher es leiden könne.

Das BAG empfahl Schwangeren jedoch bislang nicht, sich impfen zu lassen, weil es noch keine Daten zu Nebenwirkungen bei Schwangeren gibt. Man habe von Tierversuchen und von Modellierungen zwar Hinweise, dass die Impfung für Schwangere und die Ungeborenen kein Problem sein sollte. Daten gebe es aber keine, sagte Surbek.

Nachfrage schnell gestiegen

Aufgrund dieser Kommunikation des BAG sei die Nachfrage von Schwangeren nach einer Impfung bislang nicht gross gewesen. Dies habe sich jetzt klar geändert, insbesondere, weil man etwa in den USA, in England, Frankreich oder Deutschland Schwangere schon länger impfe, sagte der Gynäkologe. Der Bedarf nach Informationen und möglicherweise nach einer Impfung sei innert kurzer Zeit gestiegen.

Jetzt kommt der Richtungswechsel auch in der Schweiz. Das BAG und die Fachgesellschaft seien sich einig geworden, «dass Schwangere, wenn sie Zusatzrisiken haben, eine Impfung haben können – nach Abwägung von Vor- und Nachteilen der Impfung», sagte Surbek am Montag zudem gegenüber Radio SRF. Als Zusatzrisiken gelten beispielsweise hoher Blutdruck, Diabetes oder starkes Übergewicht.

Empfehlung ohne Daten «schwierig»

Es sei aber schwierig, eine Impfung ohne Daten zu empfehlen, räumte Surbek ein. Dafür sei ein gutes Aufklärungsgespräch mit den Gynäkologen nötig. Es mache zum Beispiel einen Unterschied, ob etwa eine schwere Diabetikerin exponiert oder vorwiegend zuhause sei – und ob für sie damit der Nutzen der Impfung gegenüber den Risiken überwiege. «Es ist ein Abwägen», sagte Surbek.

Nach dem Gespräch brauche es ein schriftliches Eingeständnis. Ab diesem Zeitpunkt sei der Ablauf zum Impfen wie bei anderen Personen, die wegen chronischen Erkrankungen ein Attest hätten.

Daten im Frühjahr

Mit neuen Daten zur Wirkung des Impfstoffes bei Schwangeren rechnet Surbek in ein paar Monaten. Wahrscheinlich würden im Frühjahr neue Erfahrungen bekannt werden, auch aus dem Ausland. «Wenn diese Daten keine Hinweise zeigen auf unerwünschte Nebenwirkungen, dann sollten alle Schwangeren die Möglichkeit haben, sich impfen zu lassen», sagte Surbek.

Grundsätzlich werde von einer Impfung im ersten Drittel der Schwangerschaft abgeraten, sagte der Gynäkologe. Wenn eine Empfehlung für alle Schwangeren kommt, würde man wohl eine Impfung erst ab dem vierten Monat empfehlen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Mehr aus dem Channel