Im Rahmen des Tumor Profiling wurden Tumore genau unter die Lupe genommen. Hier im Bild eine Immunzelle (vorne) und dahinter eine Krebszelle. (Visualisierung: Shutterstock/ETH Zürich)
Basel

Tumor Profiling ermöglicht individuelle Krebstherapien

Das «Tumor Profile»-Projekt an den Unispitälern Basel und Zürich soll Krebspatienten eine massgeschneiderte Behandlung ermöglichen. Nun liegt eine Studie vor.

Im Rahmen des «Tumor Profile»-Projekts sind Tumore von Patienten der Universitätsspitäler Zürich und Basel mit noch nie dagewesener Präzision untersucht worden. Die Befunde sollen massgeschneiderte und deshalb wirksamere Therapien ermöglichen.

Vor drei Jahren starteten Forschende der Universitätsspitäler Zürich und Basel sowie der ETH Zürich, der Universität Zürich und der Pharmafirma Roche eine gross angelegte klinische Studie bei 240 Patienten. Im Fokus standen metastasierender schwarzer Hautkrebs (Melanom), metastasierender Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) und akute myeloische Leukämie. Das Studiendesign wurde jetzt im Fachmagazin «Cancer Cell» veröffentlicht.

Neu an der Tumor-​Profiler-Studie ist, dass darin die Tumore unter Anwendung aller verfügbaren Spitzentechnologien mit einer Vielzahl sich ergänzender Methoden untersucht wurden. «Wir haben etwas entwickelt, was die Krebsmedizin weiterbringt und den Patientinnen und Patienten dient», sagt Mitchell Levesque, Professor am Universitätsspital Zürich und einer der korrespondierenden Autoren der Fachpublikation gemäss einer Mitteilung vom Freitag.

Riesige Datenmenge

Zu den Untersuchungen gehören unter anderem solche an der DNA, RNA und an den Proteinen der Krebszellen. Das schliesst nicht nur Tumorzellen, sondern auch Zellen des Immunsystems ein. Teil der Analyse sind ausserdem funktionelle Tests, bei denen im Labor Biopsien des Tumors mit Medikamenten behandelt werden, um zu bestimmen, welche Medikamente wirken.

Informationen aus der medizinischen Bildgebung sowie aus weiteren Patientendaten werden ebenfalls berücksichtigt. So «kommen pro Patient riesige Datenmengen zusammen, welche wir mit datenwissenschaftlichen Methoden aufbereiten und analysieren», sagt Gunnar Rätsch, Professor an der ETH Zürich und einer der korrespondierenden Autoren der Fachpublikation.

«Falsche» Medikamente sind manchmal besser

Die Tumor-​Profiler-Befunde werden anschliessend den Ärzten zur Verfügung gestellt, welche sie an interdisziplinären Tumorboard-​Sitzungen diskutieren. Weil detaillierte molekulare Untersuchungen in der Wissenschaft mit Begriffen bezeichnet werden, die auf -​omik enden (Genomik, Transkriptomik, Proteomik), wird der Ansatz, der sehr viele «Omik-​Bereiche» umfasst, als Multiomik-​Ansatz bezeichnet.

Langfristig geht es im Tumor-​Profiler-Ansatz darum, die Therapieoptionen für Patienten im Sinne der personalisierten Medizin zu erweitern. Denkbar ist beispielsweise, dass Patienten in bestimmten Fällen nicht mit Medikamenten der Standardtherapie behandelt werden, sondern mit Medikamenten, die für andere Krebsarten zugelassen sind.

Die Datenerhebung der Tumor-​Profiler-Studie wird in zwei Monaten abgeschlossen sein. Anschliessend werden die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Daten auswerten.

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