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Der Telebasel-Newsbeitrag vom 22. Januar 2021.
Basel

«Komm mit mir aufs Bahnhof-WC» – Catcalls passieren auch in Basel

Ein Catcall kann ein belästigender Spruch, aber auch eine unangebrachte Berührung sein. Auch in Basel passiert das. Mit Kreide wird darauf aufmerksam gemacht.

Zwölf Leute betreiben die Instagram-Seite @catcallsofbsl. Zwei davon sind Marina und Sina. Mit Kreide schreiben sie öffentliche Belästigungen an jener Stelle auf den Boden, wo sie passiert sind. Solche «Catcall-Seiten» gibt es bereits weltweit in verschiedenen Städten.

«Es sollte nicht Normalität bleiben»

«Indem wir die Catcalls an den Orten niederschreiben, an denen die Vorfälle passiert sind, machen wir die Vorbeigehenden darauf aufmerksam, was genau passiert ist und wo so etwas passieren kann», erklärt Marina.

«Man kann so auch zeigen, dass Catcalling an ganz öffentlichen Stellen passiert. Es sensibilisiert die Menschen auch darauf.» Weil Marina, Sina und Co. die Belästigungs-Vorfälle mitten auf der Strasse niederschreiben, machen sie damit auch Passanten, die keinen Zugang zu Instagram haben, auf das Problem aufmerksam.

Orte wie der Marktplatz, Barfi oder Bahnhofplatz seien die Hotspots in Basel. Dass Leute in der Öffentlichkeit verbal oder körperlich belästigt werden, werde aber oft totgeschwiegen, sagen die beiden Mitinitiantinnen von @catcallsofbsl. «Wir haben viele Nachrichten bekommen, in denen die Betroffenen erzählten, dass es ihnen das erste Mal mit zwölf oder vierzehn Jahren passiert ist. Sie dachten dann, das sei normal.» Marina sagt, man wolle Betroffene wissen lassen, dass sie nicht allein sind und fügt an: «Es soll einfach nicht die Normalität bleiben.»

«Es passiert auch anderen»

Durch die Kreide und die Catcall-Seite wollen sie bedrängende Sprüche oder gar körperliche Belästigung zur Sprache bringen. Menschen, denen so etwas passiert, sollen sich nicht verstecken müssen. «Wir wollen einfach darauf aufmerksam machen, um zu zeigen, dass sie nicht allein sind.» Viele wüssten gar nicht, wie oft solche Catcalls passieren. «Es passiert auch anderen. Man darf so etwas nicht akzeptieren. Es ist etwas extrem Unangenehmes.»

Wer belästigt wurde, kann sich bei den Betreiberinnen via Instagram melden. Auf diesem Weg gehen wöchentlich circa 10 Nachrichten ein. «Wir hätten niemals gedacht, dass wir so einen grossen Einfluss haben werden.» Laut Sina werden es immer mehr Nachrichten. «Seither wird uns auch immer bewusster, wie schlimm die Situation tatsächlich ist», so Sina.

Nicht nur Frauen sind betroffen

Dass man auf öffentlicher Strasse angemacht oder körperlich belästigt wird, passiert nicht nur Frauen. «Wir haben auch gemerkt, dass es nicht nur ein reines Frauenproblem ist, sondern dass alle davon betroffen sind», sagt Marina gegenüber Telebasel.

Die Catcall-Seite existiert seit Herbst 2020. Die beiden Betreiberinnen rechnen, sobald das Nachtleben in Basel wieder auflebt, mit noch mehr Nachrichten, die von öffentlicher Belästigung berichten.

8 Kommentare

  1. Ich finde solange nur sprüche fallen „AUSSER GERADE:kommst du mit auf’s Bahnhofs-WC oder gut zum Vergewaltigen“ nicht sehr schlimm denn wenn man ablehnt und es ja dann akzeptiert wird und niemand „betatscht“ wird das ganze nicht so schlimm. Jedoch wenn ein NEIN ODER DESINTERESSE gesprochen wird sollte man es auch sein lassen und nicht aufdringlich werden! Ich kann die Frauen und Männer gut verstehen wenn ihnen das unangenehm ist da es auch eine suptilere Art gibt als so sexistische anmachen. Wenn man sieht wie und mit was für „Vorbilder“ die heutige Jugend aufwächst, z.B in der Musikszene wird nur noch über hur.., schlam…, Geld und wie krass man ist wenn man sowas wie respekt, anstand und Toleranz nicht achtet. Die jungen wie in den 90′ gibt es ja schon längst nicht mehr.Report

  2. @Sven
    Was stimmt mit dir nicht? Dass du die heutige Gesellschaft nicht verstehst, wird nach deinem Kommentar den meisten klar sein…
    Soviel Empathie sollte in jedem Mann vorhanden sein, dass er auch „nonverbal“ versteht, ob eine Frau Interesse hat oder eben auch nicht!
    Aber schon sehr erschreckend deine Ansichten und die dann auch noch öffentlich niederschreiben… starke Hausnummer und zeugt nicht von viel…Report

  3. @Sven,
    Was du da schreibst glaubst du doch selber nicht! Kommst du mit aufs WC!! Primitivere Anmache gibt es nicht!
    „Und ist auch so romantisch“Report

  4. Ich verstehe die Gesellschaft nicht. In der Schweiz vereinsamen bereits so viele Menschen, weil niemand mehr sich traut, jemand anderen anzusprechen. Und der Trend geht in die Richtung, den menschlichen Kontakt noch weiter zu verringern? Wir sollten Kontakte fördern, nicht schwerer machen.

    Das Problem hier ist: Sexuelle Belästigungen als objektiven Tatbestand gibt es gar nicht. Gefällt der Mann (oder die Frau) geht sie oder er mit auf die Toilette. Gefällt er nicht, ist es „sexuelle Belästiung“. Nur: Ohne es zu versuchen, weiss man schlicht nicht, ob man jemanden belästigt oder einen Gefallen tut und den ersten Schritt übernimmt.

    Wir sollten zum Wohle der Gesellschaft „sexuelle Belästigung“ als das verstehen, was es ist: Ein Kompliment und eine Interessensbekundung. Denn wenn wir das nicht tun, sitzen wir alle bald nur noch einmal zu Hause vor dem Fernseher.Report

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