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Der Telebasel News Beitrag vom 20. Januar 2021.
Basel

Lässt Basel die Obdachlosen im Stich?

In Basel ist es bitterkalt. Doch wegen Corona können Anlaufstellen für Obdachlose nur eingeschränkt operieren. Nun prangert eine Helferin an.

Der Schnee schmilzt, die tiefen Temperaturen bleiben. Und sorgen bei Claudia Adrario de Roche für Sorgenfalten. Die Gründerin des Soup & Chill sagt: «Wenn die Menschen, für die wir da sind, alleingelassen werden, dann ist es unsere Verpflichtung, die Stimme für sie zu erheben.» Das Soup & Chill bietet Essen und Wärme für bedürftige. Gerade im Winter ist die Nachfrage gross, vor allem wegen der Pandemie. Aus diesem Grund hat sie einen offenen Brief verfasst, etwa an die Regierungsräte Lukas Engelberger und Christoph Brutschin.

Adrario de Roche bemängelt, dass die Obdachlosen vergessen werden würden. Denn: Dass man überhaupt zuhause bleiben kann, brauche man überhaupt ein Zuhause. Oder zumindest ein temporärer Unterschlupf. Doch wegen der Corona-Massnahmen mangle es an Möglichkeiten, den Tag hindurch zu verweilen. Für Adrario de Roche: Es braucht kostenlose Unterkünfte für die Obdachlosen. Doch beim Amt für Sozialhilfe stösst das Anliegen auf taube Ohren. 

Niedrige Auslastung bei der Notschlafstelle

«Ich glaube nicht, dass Basel zu wenig für Obdachlose macht», sagt der Leiter Ruedi Illes. Alle Angebote seien weiterhin offen. Teilweise leicht eingeschränkt, aber dies sei kein Problem. Illes verweist auf die konstant niedrige Auslastung der Notschlafstelle. Des Weiteren würde konstant die Lage analysiert. Sollte es nötig werde, so Illes, dann könne man auch schnell weiteren Raum anfügen. Der Leiter des Sozialamts kann sich eine Spitze nicht verkneifen: «Frau Adrario hat aber die aussergewöhnliche Gabe, sich und ihr Angebot in Szene zu setzen.»

Doch davon will die Gründerin vom Soup & Chill nichts wissen: «Es geht um die Menschen, nicht um die PR.» Die Begründung der Behörden zeige den Kern des Problems. Klar gebe es die Angebote, doch gerade in so einer Krisenzeit müsse man die Angebote tendenziell aufstocken. Im Soup & Chill macht sich eine steigende Nachfrage bemerkbar. An gewissen Tagen kommen laut Adrario de Roche um die 160 Personen, durchschnittlich 120 Personen. Mehr, als vor dem Lockdown. Doch nach der Verpflegung am Abend brauchen die Obdachlosen wieder einen Schlafplatz. Im schlimmsten Fall draussen.

Und tatsächlich hat sich seit dem offenen Brief vom Montag etwas getan. Die Basler Männernotschlafstelle soll in den nächsten zwei Monaten vollumfänglich Obdachlosen aus dem EU-/EFTA-Raum, allen voran Bettlern und Bettlerinnen, zur Verfügung stehen. Maximal 250’780 Franken hat die Basler Regierung dafür bewilligt. Um einer Platzknappheit entgegenzuwirken, werden die Basler Obdachlosen in einem Hotel untergebracht. Die ausländischen Obdachlosen werden hingegen werden in der Männer-Notschlafstelle versorgt.

1 Kommentar

  1. Weshalb „müssen“ die Einheimischen Obdachlosen in Hotels untergebracht werden?
    Die alte, ehemalige Männernotschlafstelle (dr Bunker) unter der Turnhalle hinter der Kirche am Wettsteinplatz würde für die Bettler genauso reichen, wie er bis in die 1990er jahre für Obdachlose Schweizer Männer reichen musste.Report

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